Kardinal Marx: „Die Kirche muss nicht monarchisch strukturiert sein“

Kardinal Reinhard Marx
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Kardinal Reinhard Marx hat am Dienstag seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, die Kirche müsse „nicht monarchisch strukturiert sein“. Tatsächlich könne sich „die äußere Gestalt der Kirche“ verändern, sagte der Erzbischof von München und Freising im Gespräch mit dem Münchner Merkur.

Die „Substanz“ der Kirche hingegen bleibe, also „das Evangelium und die Sakramente“. Dennoch seien Elemente „wie Mitbestimmung und Demokratie“ auch „Anrufe an die Kirche“, denn „äußerlich“ könne „die Gestalt auch aus der Zeit fallen“.

„Jetzt ist die äußere Gestalt auch in einer Verwandlung, die stärker die Beteiligung aller einbeziehen muss“, sagte Marx. „Das entspricht dem Evangelium. Wenn das geschieht, ist das nicht ohne Schmerzen. Weil das Alte stark ist und das neue sich erst durchsetzen muss.“

Er selbst erhoffe sich, „dass vielleicht nicht von heute auf morgen alle Wünsche der einen Seite und alle Ängste der anderen Seite sich bewahrheiten, sondern dass sich ein Prozess entwickelt, in dem die Transformation der äußeren Gestalt der Kirche Schritt für Schritt voranschreitet. Das ist in einer Weltkirche natürlich sehr schwer.“ Hier brauche es „Regionalität und Subsidiarität“.

In dem Interview sprach Marx auch über die noch im Jahr 2021 von der Glaubenskongregation untersagte Segnung homosexueller Verbindungen. Papst Franziskus hatte die Erklärung des Dikasteriums ausdrücklich „gutgeheißen“, wonach die Kirche keine „Vollmacht“ habe, derartige Verbindungen zu segnen.

Marx sagte: „Bei dem Thema haben wir beim Synodalen Weg bewusst gesagt: Segnung für Menschen, die sich lieben. Bewusst keine Fokussierung auf eine Gruppe. Wir haben gesehen, dass es Paare gibt, die kirchlich gesehen keine Sakramente empfangen dürfen – jetzt. Aber sind sie deshalb pastoral draußen? Das kann ja nicht sein.“

Daher sei er der Meinung, dass es solche Segnungen geben solle: „Wir wollen eine Handreichung machen auf der Ebene der Bischofskonferenz. Aber darauf müssen die Pfarrer nicht warten: Wenn Menschen, die sich lieben, einen Segen erbitten, werden die Seelsorgerinnen und Seelsorger einen Weg finden, das zu tun.“

Gefragt, ob er selbst eine homosexuelle Verbindung segnen würde, sagte der Kardinal: „Das kommt auf den Einzelfall an. Denken Sie an Herzog Franz, der bei dem großen Gottesdienst zu seinem 90. Geburtstag mit seinem Partner als Paar im Chorgestühl saß. Das wäre vor 20 Jahren wohl nicht möglich gerwesen. Aber damit habe ich doch kein Problem! Ich habe sie beide angesprochen. Sie solle ich nicht segnen dürfen?“

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Als Oberhirte könne er selbst am „einfachsten“ etwas „bei der Predigt der Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten innerhalb der Messe“ bewirken. „Das ist zwar von Rom noch mal untersagt worden“, räumte Marx ein, „aber daran müssen wir weiterarbeiten. Es wird ja auch gemacht – und ich diszipliniere das nicht.“