Kardinal Burke: Dubia zur Synode kein Angriff auf Papst Franziskus

Kardinal Raymond Burke und andere Redner bei einer Konferenz zur Weltsynode am 3. Oktober 2023
Daniel Ibáñez / CNA Deutsch

Kardinal Raymond Burke hat sich zu den Reaktionen auf die Dubia geäußert, die er und vier weitere Kardinäle Papst Franziskus kurz vor der Eröffnung der Vollversammlung der Weltsynode zur Synodalität unterbreitet hatten. Er betonte, dieser Schritt habe weder auf die Person des Papstes noch auf seine Agenda abgezielt, sondern lediglich auf den Schutz der beständigen Lehre der Kirche.

Der Kardinal sprach am Dienstag auf einer Konferenz in Rom, die von der italienischen katholischen Publikation „La Nuova Bussola Quotidiana“ zum Thema „Das synodale Babel“ organisiert wurde, um die wichtigsten Streitpunkte der Synode zu diskutieren, die am Mittwoch im Vatikan begann.

Die Arbeit dieser ersten vom Papst einberufenen Versammlung mit dem Titel „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Mission“ wird bis zum 29. Oktober dauern. Eine zweite Versammlung der Weltsynode zur Synodalität ist für Herbst 2024 geplant, um „die Unterscheidung fortzuführen“.

In seiner Ansprache im Ghione-Theater, das rund einen Kilometer vom Petersplatz entfernt liegt, bekräftigte der emeritierte Präfekt der Apostolischen Signatur seine Besorgnis über die §philosophischen, kanonischen und theologischen Irrtümer, die heute in Bezug auf die Bischofssynode und ihre [erste] Sitzung weit verbreitet sind§.

Die wichtigsten Stolpersteine, die der Kardinal und seine Mitbrüder in den im August an den Pontifex gerichteten und am Montag veröffentlichten Fragen anführten, betreffen die Entwicklung der Lehre, die Segnung homosexueller Verbindungen, die Autorität der Weltsynode zur Synodalität, die Frauenordination und die sakramentale Absolution.

„Es ist leider sehr offensichtlich, dass die Berufung auf den Heiligen Geist durch einige den Zweck hat, eine Agenda voranzutreiben, die mehr politisch und menschlich als kirchlich und göttlich ist“, erklärte er vor einem Publikum von etwa 200 Personen, das sich größtenteils aus Journalisten und Kirchenvertretern zusammensetzte, darunter auch Kardinal Robert Sarah aus Guinea, der die Dubia zusammen mit den Kardinälen Walter Brandmüller, Juan Sandoval Íñiguez und Joseph Zen SDB unterzeichnet hat.

Der amerikanische Kardinal betonte, dass „viele Brüder im Episkopat und sogar im Kardinalskollegium diese Initiative unterstützen, auch wenn sie nicht auf der offiziellen Liste der Unterzeichner stehen“. Er stellte klar, dass es dabei nicht um Papst Franziskus als Person gehe.

Mit dieser Aussage reagierte er auf den Kommentar eines Synodenteilnehmers, der von der Zeitung „Il Giornale“ anonym zitiert wurde, nachdem der Inhalt der Dubia in der Presse veröffentlicht worden war. Er beschuldigte die fünf Kardinäle, „nur Papst Franziskus angreifen“ zu wollen und zu versuchen, ihre Agenda zu diktieren, auf die Gefahr hin, die Einheit der Kirche zu gefährden.

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„Diese Kommentare offenbaren den Zustand der Verwirrung, des Irrtums und der Spaltung, der die Sitzung der Bischofssynode durchdringt“, erklärte Burke demgegenüber. „Die fünf Dubia befassen sich ausschließlich mit der immerwährenden Lehre und Disziplin der Kirche, nicht mit der Agenda eines Papstes.“

Nach den Worten von Burke wurde diese Aussage durch die Worte des neuen Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Víctor Manuel Fernández, beeinflusst, der in einem kürzlich erschienenen Interview mit dem „National Catholic Register“ diejenigen, welche die „Lehre des Heiligen Vaters“ kritisieren, beschuldigte, sich auf dem Weg zu „Häresie und Schisma“ zu befinden.

„Die Kirche hat nie gelehrt, dass der römische Pontifex eine besondere Macht hat, seine eigene Doktrin zu formulieren“, sagte Burke. „Der Heilige Vater ist der erste Meister über das Glaubensgut, das in sich selbst immer lebendig und dynamisch ist.“

Burke stellte außerdem das Konzept der Synodalität, mithin das Thema der aktuellen Synode selbst, in Frage. Er sei der Meinung, dass der „abstrakte“ Begriff der Synodalität, den er als „Neologismus in der kirchlichen Lehre“ bezeichnete, dazu diene, dieses Konzept „künstlich mit einer östlichen Praxis zu verbinden“, die jedoch „alle Merkmale einer neueren Erfindung aufweist, insbesondere im Hinblick auf die Laien“.

Diese Äußerungen spiegelten die des Priesters und Kirchenrechtlers Gerald Murray wider, der die Konferenz einleitete, indem er seine Zweifel an der Gültigkeit der aktuellen Versammlung der Synode aufgrund der Einführung eines Stimmrechts für Nicht-Bischöfe zum Ausdruck brachte.

„Denjenigen, die keine Hirten in der Kirche sind, wird eine Rolle zugewiesen, die von Natur aus nur den Hirten zukommt“, sagte er und zog den Schluss, dass „die Versammlung keine Bischofssynode mehr“ sei.

„Würden wir in Analogie dazu sagen, dass die Wahl eines Papstes in einem Konklave, das aus Kardinälen und Nicht-Kardinälen besteht, immer noch ein Akt des Kardinalskollegiums wäre? Das können wir natürlich nicht sagen“, erklärte er.

Das Fehlen eines metaphysischen Aspekts im Verständnis des Begriffs der Synodalität wurde auch von Stefano Fontana, dem Direktor des Van Thuân Observatoriums für die Soziallehre der Kirche, hervorgehoben. Die Konzepte und Schlüsselwörter, die in den letzten Jahren um diesen Begriff herum entwickelt wurden, insbesondere im „Instrumentum Laboris“, seien von Strömungen wie dem Existentialismus, dem Marxismus und, allgemeiner, dem Historismus beeinflusst worden, der postuliert, dass die Werte einer Gesellschaft von einem historischen Kontext abhängen.

Infolgedessen, so Fontana, „ist die Veränderung der Lehre durch die neue Synodalität nicht der Lehre, sondern der Praxis anvertraut. Es ist die Praxis, die entscheidet, was wir tun.“

„Sein und Sollen sind ein und dasselbe“, sagte er. „Wie könnte man in all dem nicht den Einfluss der eher klassischen Strömungen der philosophischen und theologischen Moderne erkennen, die der neue Begriff der Synodalität mit großer Treue umsetzt? Wahrlich, die neue Synodalität kommt von weit her.“

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency (CNA), der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.