Papst Franziskus an katholischen Vertreter der LGBT-Bewegung: "Danke für Ihren Dienst"

Schreiben von Papst Franziskus an JR Zerkowski
JR Zerkowski / Vatican Media

Ein Mann aus Kentucky, der sich in der katholischen LGBT-Pastoral engagiert, hat einen Brief online gestellt, den er nach eigenen Angaben Anfang des Monats von Papst Franziskus erhalten hat und der ihm darin für seine Arbeit dankt.

Stan "JR" Zerkowski leitet die Kommission für die Betreuung von LGBT-Personen in der Diözese Lexington, Kentucky. Die Kommission ist eine "diözesanweite Anstrengung, die LGBT-Gemeinschaft zu suchen, willkommen zu heißen, zu begleiten und ihr zu dienen".

Er leitet auch den LGBT-Dienst in der Kirche St. Paul in Lexington, einer Pfarrei, die in der Vergangenheit für Kontroversen gesorgt hat, u. a. wegen eines Bildes der Jungfrau Maria, das in eine Regenbogen-Flagge gehüllt ist, und wegen eines Gebets an die Gottesmutter, dem die Kirche den Titel "Mutter von Pride" gab.

Die handschriftliche Notiz des Papstes kam als Antwort auf eine E-Mail, die Zerkowski am 10. Oktober an ihn schrieb und in der er seine drei LGBT-Dienste erläuterte, von denen zwei zur Diözese von Lexington gehören.

"Ich habe ihm von Fortunate Families erzählt. Ich erzählte ihm, was ich auf lokaler und nationaler Ebene mit Pfarreien, Hierarchien, Bildungseinrichtungen und dem Aufbau gezielter LGBT-Dienste mache", teilte Zerkowski in einem Facebook-Beitrag mit.

"Ich habe ihm dafür gedankt, dass er die Tür zur LGBT-Pastoral geöffnet hat, und ihm erklärt, dass dies ein schwieriger Dienst war und immer noch ist. Ich habe ihm gesagt, dass seine Offenheit Leben gerettet hat, das weiß ich aus erster Hand. Ich erwähnte, dass er einen besonderen Platz in meinen/unseren Gebeten hat, während sich die Synode in Rom entfaltet", schrieb er.

Die Antwort von Papst Franziskus, die in einem von Zerkowski online gestellten Foto zu sehen war, lautete: "Lieber Bruder, vielen Dank für deine E-Mail. Danke für deinen Dienst. Ich bete für dich und bitte dich, dies auch weiterhin für mich zu tun. Möge der Herr dich segnen und die Madonna über dich wachen."

"Ich verstehe sehr gut, dass es in dieser Nachricht nicht um mich geht. In diesem Brief geht es um uns und unseren Dienst. Es geht um Sie. Es ist eine Bestätigung durch den Papst", schrieb Zerkowski. "Mein persönliches Fazit? Der Papst hört zu. Der Papst kümmert sich."

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Zerkowski ist der Autor der Autobiografie "Coming Out and Coming Home: Die Reise eines schwulen katholischen Mannes von der Marginalisierung zum Dienst, mit ein paar Wundern entlang des Weges". Bischof John Stowe OFMConv von Lexington schrieb das Vorwort.

Zusätzlich zur Leitung der diözesanen Outreach-Kommission und zum LGBT-Dienst in St. Paul's leitet Zerkowski einen Dienst namens Fortunate Families, der Klerikern, Pfarreien und Schulen Ressourcen und Beratung anbietet, um "LGBTQ+ Personen durch bewusste Aufnahme und LGBTQ+ Dienst" innerhalb der Kirche zu erkennen und zu betreuen.

Auf der Website von Fortunate Families finden sich Erfahrungsberichte von Menschen, die eine Krise ihrer Geschlechtsidentität erlebt haben und von denen einige eine hormonelle oder chirurgische "Geschlechtsumwandlung" hinter sich haben. Sie erklären jedoch, dass sie weiterhin in Gemeinschaft mit der Kirche leben möchten.

CNA, die englischsprachige Partneragentur von CNA Deutsch, fragte Zerkowski, ob die Zeugnisse von Menschen, die sich einer "Geschlechtsumwandlung" unterzogen haben, diese Praxis ermutigten.

"Wir hören zu und teilen echte Geschichten, so wie Papst Franziskus die Kirche durch die Synode ermutigt hat", antwortete er in einer E-Mail. "Die Geschichten sind heilig."

Auf der Webseite findet sich auch ein Buch für Fachleute im Bereich der psychischen Medizin mit dem Titel "The Gender Affirmative Model: An Interdisciplinary Approach to Supporting Transgender and Gender Expansive Children". In der Beschreibung des Buches heißt es, dass "die Leser lernen, wie sie es Kindern erleichtern und ermöglichen können, mit der notwendigen sozialen Unterstützung in ihrem authentischen Geschlecht zu leben".

In dem Buch heißt es, dass "die Beeinflussung von Kindern zur Annahme des Geschlechts, das mit dem Geschlecht in ihrer Geburtsurkunde übereinstimmt, in Frage gestellt, für unethisch erklärt und als schädlich für das Wohlbefinden der Kinder bewertet wurde."

Eine andere Quelle mit dem Titel "This Is a Book for Parents of Gay Kids: A Question and Answer Guide to Everyday Life" besagt: "Wenn Ihr Kind die Freiheit hat, zu erforschen, wer es ist, trifft es vielleicht jemanden des gleichen Geschlechts, verliebt sich unsterblich in ihn und wird mit ihm alt, glücklicher als Sie es sich je hätten vorstellen können."

Auf die Frage von CNA, ob die beiden Bücher der Lehre der Kirche über gleichgeschlechtliche Beziehungen und Transgenderismus widersprechen, verwies Zerkowski auf die Webseite, auf der es heißt, dass Fortunate Families eine Liste von Ressourcen zur Verfügung stellt, diese aber "nicht gutheißen" kann.

"Wir stehen zur katholischen Soziallehre über die Würde der menschlichen Person und zum Auftrag des Evangeliums, für das Gemeinwohl zusammenzuarbeiten", heißt es auf der Webseite.

Im Oktober hatte sich Papst Franziskus in seiner Residenz auch mit der Führung der amerikanischen LGBT-Organisation New Ways Ministry getroffen hat, die zuvor sowohl von der US-Bischofskonferenz als auch von der vatikanischen Glaubenskongregation verurteilt worden war, weil sie unter den katholischen Gläubigen Verwirrung über die Sexualmoral gestiftet hatte.

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency (CNA), der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.