Treffen zwischen Papst Franziskus und Javier Milei: Wende in den Beziehungen?

Papst Franziskus mit Javier Milei
Vatican Media

Papst Franziskus hat sich am Montag in einer mit Spannung erwarteten Privataudienz mit dem argentinischen Präsidenten Javier Milei getroffen und damit eine mögliche Annäherung angedeutet, nachdem der südamerikanische Politiker den Pontifex im Wahlkampf des vergangenen Jahres scharf kritisiert hatte.

Laut Francisco Sánchez, dem Unterstaatssekretär des argentinischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, internationalen Handel und Kultus, der zur offiziellen Delegation des Landes im Vatikan gehörte, war das Treffen voller „überraschender Aspekte“ und „fand auf sehr herzliche Weise statt, mit viel Sympathie, mit viel Freundschaft zwischen den beiden“, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA.

Sánchez bemerkte, dass die beiden sich über eine Stunde lang trafen, „was internationalen Delegationen, die vom Papst empfangen werden, im Allgemeinen nicht gewährt wird“.

Das argentinische Online-Nachrichtenportal Infobae berichtete, dass Milei nach dem Treffen sagte, der Papst sei „zufrieden mit dem wirtschaftlichen und sozialen Unterstützungsprogramm“, das seine Regierung seit ihrem Amtsantritt am 10. Dezember 2023 vorangetrieben habe.

In einer offiziellen Mitteilung des Presseamtes des Heiligen Stuhls hieß es, dass Milei nach dem Treffen mit dem Papst von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie von Erzbischof Paul Richard Gallagher, dem Sekretär für Beziehungen zu Staaten und internationalen Organisationen, empfangen wurde.

„Die guten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Argentinischen Republik wurden gewürdigt und der Wille bekundet, sie weiter zu vertiefen. Anschließend sprachen die Parteien über das Programm der neuen Regierung zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise“, hieß es in der Pressemitteilung.

Wie bei offiziellen bilateralen Treffen im Vatikan üblich, tauschten die beiden Geschenke aus. Der Papst überreichte Milei ein Bronzemedaillon, das vom Baldachin des Heiligen Petrus inspiriert ist, sowie Bände päpstlicher Dokumente, darunter die Botschaft zum Weltfriedenstag 2024, die er am Montagmorgen persönlich unterzeichnete.

Im Gegenzug überreichte der Präsident dem Pontifex eine Kopie des Dokuments, mit dem die argentinische Regierung Juan Bautista Alberdi 1854 beim Papst als Geschäftsträger akkreditiert wurde, sowie eine Briefmarke, welche der ersten weiblichen Heiligen Argentiniens, Maria Antonia de Paz y Figueroa, liebevoll „Mama Antula“ genannt, gewidmet ist.

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Milei überreichte dem Papst auch ein persönliches Geschenk, nämlich dulce de leche und Zitronenkekse aus seinem Heimatland Argentinien.

Das offizielle bilaterale Treffen fand statt, nachdem sich die beiden Argentinier bereits am Sonntag im Petersdom am Rande der Heiligsprechung von Mama Antula umarmt hatten.

Milei – ein überzeugter Wirtschaftsliberaler und selbsterklärter „Anarchokapitalist“ – wurde im vergangenen Jahr zum Wahlsieger gekürt, als sein Land mit einer chronischen dreistelligen Hyperinflation und steigender Armut zu kämpfen hatte.

Der 53-jährige Wirtschaftswissenschaftler hat die Agenda seiner Regierung darauf ausgerichtet, das Land mit seinem „Kettensägenplan“, der massive Ausgabenkürzungen sowie Reformen der öffentlichen Verwaltung und des Finanzwesens vorsieht, radikal umzugestalten.

Während des Wahlkampfs im Jahr 2023 bezeichnete Milei den Papst als „ruchlos“ und „schwachsinnig“.

Seit seinem beispiellosen Erdrutschsieg im November hat sich Milei jedoch von der schrillen Sprache abgewandt und sich für einen weicheren und versöhnlicheren Ton entschieden. Nach seiner Wahl rief der Papst Milei an, um ihm zu seinem Sieg zu gratulieren. Berichten zufolge lud der gewählte Präsident den Papst während des Telefongesprächs zu einem Besuch in Argentinien ein.

Am 8. Januar, einen Monat nach seinem offiziellen Amtsantritt, richtete Milei eine formelle Einladung an den Papst, sein Heimatland zu besuchen, und erklärte, die Reise werde „allen Argentiniern Früchte des Friedens und der Brüderlichkeit bringen“.

„Unter Berücksichtigung Ihres Rates, die nötige Weisheit und den Mut zu haben, habe ich in den ersten Wochen meiner Amtszeit eine Reihe von Regierungsmaßnahmen vorgeschlagen, die darauf abzielen, die Situation, unter der die argentinische Republik seit Jahrzehnten leidet, zu verändern“, so Milei in seinem Brief.

Während der Papst während seines fast elfjährigen Pontifikats mehrmals Südamerika besucht hat, hat er einen offiziellen Besuch in seinem Heimatland auffallend vermieden. Der Papst hat jedoch signalisiert, dass er für einen Besuch in seinem Land in der zweiten Hälfte des Jahres 2024 offen wäre.

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency (CNA), der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.