Bistum Passau: Pfarrer wegen Vorwürfen von „Saufgelagen“ mit Jugendlichen suspendiert

Dom St. Stephan in Passau
Leonhard Niederwimmer / Unsplash

Einem Pfarrer und Dekan aus Hauzenberg wird vorgeworfen, Minderjährige zum Alkoholkonsum verleitet zu haben. Der Passauer Bischof Stefan Oster SDB erließ daraufhin ein vorläufiges Zelebrationsverbot. Das Bistum schaltete außerdem die Staatsanwaltschaft ein und begann eine kirchenrechtliche Prüfung.

Konkret wird dem Pfarrer vorgeworfen, bei kirchlichen Veranstaltungen, Ausflügen und sogar einer Reise nach Mallorca Jugendliche zu exzessivem Alkoholkonsum verleitet zu haben. Berichte sprechen von „Saufgelagen“ mit Wodka und Bier, die durch Fotos und Videos dokumentiert sein sollen.

Ein 151-seitiges Gutachten des unabhängigen Missbrauchsbeauftragten des Bistums kritisierte, der Pfarrer habe durch Alkoholkonsum ein Umfeld geschaffen, in dem Jugendliche Grenzüberschreitungen nicht mehr erkennen konnten, wie Correctiv berichtete. Es wird von „grooming-artigen“ Mustern gesprochen – allerdings ohne Hinweise auf sexuellen Missbrauch.

Zudem müsse sich die Staatsanwaltschaft nun auch mit „neuen, bislang nicht bekannten Vorwürfen“ befassen, die dem Bistum nach eigenen Angaben erst Anfang vergangener Woche zugegangen seien.

In dem entsprechenden Schreiben hieß es wörtlich: „Nachdem latent durchgehend der Vorwurf besteht, das Verhalten des Herrn A. würde über ein Anbahnungsverhältnis hinausgehen und auch weitere strafrechtlich relevante Vorwürfe erhoben wurden, rate ich dringend an, die Angelegenheit in die Hände der Staatsanwaltschaft zu geben, die mehr Möglichkeiten der Recherche besitzt und eine objektive Überprüfung durchführen kann.“

Erhalten Sie Top-Nachrichten von CNA Deutsch direkt via WhatsApp und Telegram.

Schluss mit der Suche nach katholischen Nachrichten – Hier kommen sie zu Ihnen.

Ab dem 24. März 2025 darf der Pfarrer weder Messen lesen noch öffentlich als Priester auftreten. Bischof Oster verhängte ein vorläufiges Zelebrationsverbot. Die Diözese habe den Fall zudem an die Staatsanwaltschaft übergeben und eine kirchenrechtliche Prüfung in Rom eingeleitet, wie T-Online berichtete.

Nach anfänglichen Rücktrittsbekundungen des Bistums dementierte der Pfarrer über seinen Anwalt und sprach von einem „Missverständnis“. Das Bistum beharrt jedoch auf der Gültigkeit der Amtsenthebung.

Der Priester habe „mehrfach gegenüber dem Bischof von Passau und mehreren Zeugen angeboten und zugesagt vom Dekaneamt und als Pfarrer des Pfarrverbandes Hauzenberg zu resignieren“, so eine Mitteilung des Bistums. Der Bischof habe „diesen Amtsverzicht angenommen“.

Mehr in Deutschland - Österreich - Schweiz

In der Region gilt der Pfarrer als charismatischer Mensch, aktiver Feuerwehrmann und Volksfestbesucher. Er sei auch über Hauzenberg hinaus bekannt und zum Beispiel als Festwirt beim Karpfhamer Fest, einem der größten Volksfeste Niederbayerns, aufgefallen. „Er ist kein 08/15-Pfarrer“, sagten Menschen, die ihn kennen, berichtete der Bayerische Rundfunk. Die Jugend habe er mit seiner Art auf jeden Fall gewonnen – die Zahl der Ministranten in seiner Pfarrei habe sich in den vergangenen zwei Jahren auf 100 verdoppelt.