Vatikanstadt - Dienstag, 6. Januar 2026, 12:15 Uhr.
Mit der Schließung der Heiligen Pforte im Petersdom ist am Dienstagvormittag das Heilige Jahr 2025 offiziell zu Ende gegangen. Papst Franziskus hatte die Heilige Pforte an Heiligabend 2024 geöffnet. Papst Leo XIV. übernahm nach dem Tod von Franziskus dessen Terminplan und führte das Heilige Jahr bis zum Dreikönigsfest 2026 weiter.
Im Anschluss an die Schließung der Heiligen Pforte feierte Leo im Petersdom die Messe zum Dreikönigsfest. In der Predigt blickte er zurück auf das Heilige Jahr und erklärte: „Die Heilige Pforte dieser Basilika, die heute als letzte geschlossen wurde, hat den Strom unzähliger Männer und Frauen gesehen, die als Pilger der Hoffnung auf dem Weg zu der Stadt mit den immer offenen Toren, dem neuen Jerusalem (vgl. Offb 21,25), waren.“
„Wer waren sie und was hat sie bewegt?“, fragte der Pontifex. „Die Frage nach der geistlichen Suche unserer Zeitgenossen, die viel reichhaltiger ist, als wir es vielleicht begreifen können, stellt sich uns zum Ende des Heiligen Jahres mit besonderem Ernst. Millionen von ihnen haben die Schwelle der Kirche überschritten. Was haben sie gefunden? Welche Herzen, welche Aufmerksamkeit, welche Resonanz?“
„Ja, die Sterndeuter gibt es noch immer“, verwob Papst Leo den Festtag mit der Pilgerschaft des Heiligen Jahres. „Es sind Menschen, die die Herausforderung annehmen, ihre je eigene Reise zu wagen, die in einer so bewegten Welt wie der unseren, die in vielerlei Hinsicht abweisend und gefährlich ist, das Bedürfnis verspüren, sich auf den Weg zu machen, zu suchen.“
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„Unser Leben ist ein Weg“, betonte der Papst. „Das Evangelium verpflichtet die Kirche, diese Dynamik nicht zu fürchten, sondern sie zu schätzen und auf Gott auszurichten, der sie hervorbringt. Er ist ein Gott, der uns beunruhigen kann, weil er nicht wie die Götzen aus Silber und Gold in unseren Händen ruht: Er ist vielmehr lebendig und lebensspendend, wie das Kind, das Maria in ihren Armen hielt und das die Sterndeuter anbeteten.“
„Heilige Stätten wie die Kathedralen, Basiliken und Wallfahrtsorte, die zu Zielen von Heilig-Jahr-Wallfahrten geworden sind, müssen den Duft des Lebens verbreiten, den unauslöschlichen Eindruck, dass eine neue Welt begonnen hat“, forderte Leo. „Fragen wir uns: Gibt es Leben in unserer Kirche? Gibt es Raum für das, was entsteht? Lieben und verkünden wir einen Gott, der Menschen wieder auf den Weg zurückbringt?“
Der Pontifex erinnerte an „die vielen Konflikte“, „in denen die Menschen dem Neuen, das Gott für alle bereithält, Widerstand leisten und es sogar zunichtemachen können. Den Frieden zu lieben, den Frieden zu suchen bedeutet, das zu schützen, was heilig ist und gerade deshalb im Entstehen begriffen ist: klein, zart, zerbrechlich wie ein Kind.“
„Um uns herum versucht eine entstellte Wirtschaft, aus allem Profit zu schlagen“, kritisierte er. „Wir sehen es: Der Markt macht sogar aus dem menschlichen Verlangen zu suchen, zu reisen, neu anzufangen ein Geschäft. Fragen wir uns: Hat uns das Heilige Jahr gelehrt, jener Art von Effizienz zu entfliehen, die alles auf ein Produkt und den Menschen auf einen Konsumenten reduziert? Werden wir nach diesem Jahr besser in der Lage sein, im Besucher einen Pilger, im Unbekannten einen Suchenden, im Fernen einen Nächsten, im Anderen einen Weggefährten zu erkennen?“
Zum Abschluss des Heiligen Jahres blickte Papst Leo in die Zukunft. „Die Treue Gottes wird uns weiterhin in Erstaunen versetzen“, zeigte er sich überzeugt. „Wenn wir unsere Kirchen nicht zu Denkmälern degradieren, wenn unsere Gemeinschaften Heimat sind, wenn wir gemeinsam den Verlockungen der Mächtigen widerstehen, dann werden wir die Generation der Morgenröte sein. Maria wird uns als Morgenstern stets vorangehen! In ihrem Sohn werden wir ein wunderbares Menschsein betrachten und ihm dienen, das nicht durch Allmachtswahn, sondern durch Gott, der aus Liebe Mensch wurde, verwandelt worden ist.“




