Redaktion - Mittwoch, 7. Januar 2026, 9:00 Uhr.
Das kirchliche Tagungshaus Erbacher Hof im Herzen von Mainz hat im Zuge der Aufarbeitung von Missbrauch zahlreiche Heiligenfiguren verhüllt, darunter jene von Edith Stein sowie eine weitere der Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen.
Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtete unter Berufung auf eine Sprecherin der Diözese Mainz, die Aktion der Verhüllung von Heiligenfiguren und Wappen sowie der Darstellung von Bischöfen diene „unter anderem dazu, Prozesse des Nachdenkens im Tagungshaus und im Bistum insgesamt sichtbar zu machen. Grundlage sind Ergebnisse der unabhängigen Aufarbeitungsstudie ‚Erfahren, verstehen, vorsorgen‘ aus dem Jahr 2023.“
„Im Tagungshaus Erbacher Hof, gelegen in der historischen Innenstadt unweit des Rheins, sind Ende 2025 vorübergehend sämtliche Hinweise auf kirchliche Persönlichkeiten verdeckt worden“, so die KNA. „Eine Bischofsbüste wurde ebenso verdeckt wie Wappen im Innenhof und Namensbezeichnungen an den Veranstaltungsräumen. Sie alle heißen bis auf Weiteres ‚Interim‘, um die Vorläufigkeit zum Ausdruck zu bringen.“
Während die Mainzer Missbrauchsstudie den Bischöfen nach dem Zweiten Weltkrieg tatsächlich Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauch vorwarf, ist unklar, warum die Aktion auf Heiligenfiguren und anderweitige Wappen ausgedehnt wurde.
Die Tagesschau berichtete im Jahr 2023 bei Erscheinen der Missbrauchsstudie: „Hart ins Gericht ging das Gutachten mit den früheren Kardinälen Hermann Volk (1962–1982) und Karl Lehmann (1983–2016). Während der Amtszeit von Volk sei es darum gegangen ‚kein öffentliches Ärgernis‘ hervorzurufen. Das Image der katholischen Kirche habe nicht beschmutzt werden dürfen. Ein Blick für das Leid der Betroffenen Sei ‚nicht vorhanden‘ gewesen.“
„Auch Kardinal Lehmann habe sich in den ersten Jahren seiner Amtszeit so verhalten“, hieß es weiter. „Später habe er sich der Problematik des sexuellen Missbrauchs gegenüber offen gezeigt. Gleichwohl weise sein Verhalten eine eigentümliche Ambivalenz auf. So zeigte Lehmann zwar in Interviews, dass er sich mit der Problematik intellektuell auseinandergesetzt habe. Dennoch machte er ihre Aufarbeitung nie zur Chefsache, sondern übergab sie an seinen Generalvikar.“
Der Erbacher Hof geht auf das zwölfte Jahrhundert zurück. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude, die nach der Säkularisierung im Jahr 1803 nicht mehr der Kirche gehörten, schwer beschädigt. Das Bistum Mainz erwarb das Anwesen 1969. Heute ist es ein Tagungszentrum mit Gästehaus. Im Jahr 2020 fand dort die Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) statt, bei der Bischof Georg Bätzing von Limburg zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde.




