Vatikanstadt - Donnerstag, 8. Januar 2026, 10:10 Uhr.
Im Rahmen des Treffens aller Kardinäle, das derzeit in Rom stattfindet, hat Papst Leo XIV. betont, das Kollegium sei „in erster Linie nicht dazu berufen, ein Expertenteam zu sein, sondern eine Glaubensgemeinschaft“. Hier würden „die Gaben der Einzelnen, die dem Herrn dargebracht und von ihm wieder zurückgegeben werden, seiner Vorsehung entsprechend am meisten Frucht bringen“, zeigte sich der Pontifex in seiner Predigt am Donnerstagmorgen überzeugt.
„Wir haben unsere Aktivitäten für eine gewisse Zeit unterbrochen und auch wichtige Verpflichtungen abgesagt, um gemeinsam herauszufinden, was der Herr zum Wohl seines Volkes von uns verlangt“, sagte Leo. „Dies ist an sich schon eine sehr bedeutungsvolle, prophetische Geste, insbesondere in der hektischen Gesellschaft, in der wir leben. Sie erinnert daran, wie wichtig es in jedem Lebensabschnitt ist, innezuhalten, um zu beten, zuzuhören, nachzudenken und so den Blick immer besser auf das Ziel zu richten, alle Anstrengungen und Ressourcen darauf auszurichten, um nicht Gefahr zu laufen, blindlings zu laufen oder vergeblich in die Luft zu schlagen, wovor der Apostel Paulus warnt.“
Die Kardinäle seien nicht nach Rom gekommen, „um ‚Agenden‘ – persönliche oder von einzelnen Gruppen – voranzubringen, sondern um unsere Projekte und unsere Eingebungen der Prüfung einer Unterscheidung zu unterziehen, die uns, ‚so hoch der Himmel über der Erde ist‘, übersteigt und die nur vom Herrn kommen kann“.
Das „Innehalten“ der Kardinäle beim Konsistorium sei „in erster Linie ein großer Akt der Liebe – zu Gott, zur Kirche und zu den Männern und Frauen auf der ganzen Welt –, durch den wir uns vom Heiligen Geist formen lassen: zunächst im Gebet und in der Stille, dann aber auch dadurch, dass wir einander in die Augen schauen, einander zuhören und uns durch den Austausch zur Stimme all jener machen, die der Herr unserer Hirtensorge in den unterschiedlichsten Teilen der Welt anvertraut hat“.
Dieser Akt der Liebe sei „mit demütigem und großzügigem Herzen“ zu leben, „im Bewusstsein, dass wir aus Gnade hier sind und dass wir nichts von dem, was wir mitbringen, nicht zuvor als Geschenk und Talent erhalten hätten, das wir nicht verschwenden dürfen, sondern klug und mutig einsetzen müssen“.
Papst Leo räumte mit Blick auf die Nöte der Welt ein: „Nicht immer werden wir sofort Lösungen für die Probleme finden, mit denen wir konfrontiert sind. Aber immer, an jedem Ort und unter allen Umständen, können wir uns gegenseitig helfen – und insbesondere dem Papst helfen –, die ‚fünf Brote und zwei Fische‘ zu finden, an denen es die Vorsehung niemals fehlen lässt, wenn ihre Kinder um Hilfe bitten; und sie anzunehmen, sie zu übergeben, zu empfangen und zu verteilen, angereichert durch den Segen Gottes und den Glauben und die Liebe aller, so dass es niemandem am Nötigen mangelt.“
Abschließend lobte der Pontifex den Dienst der Kardinäle: „Meine Lieben, was ihr in eurem Dienst für die Kirche auf allen Ebenen tut, ist etwas Großes und äußerst Persönliches und Tiefes, für jeden einzigartig und für alle wertvoll; und die Verantwortung, die ihr mit dem Nachfolger Petri teilt, ist schwer und eine große Bürde. Dafür danke ich euch von Herzen […].“





