Redaktion - Freitag, 30. Januar 2026, 13:00 Uhr.
Das Bistum Essen plant ab 2027 „erhebliche Einsparungen“ wegen sinkender Einnahmen, was wiederum darauf zurückzuführen ist, dass weniger Menschen sich mit der katholischen Kirche identifizieren und Kirchensteuer zahlen. Die Pläne des Bistums „sehen bis 2038 schrittweise und angepasst an sich verändernde Rahmenbedingungen ein dauerhaftes Einsparvolumen von rund 50 Millionen Euro vor“, hieß es am Donnerstag.
Das Bistum erklärte: „Gespart werden soll unter anderem bei den Personalkosten, beispielsweise durch die Bündelung von Aufgaben und die Optimierung von Abläufen. Dies beinhaltet auch, dass bei frei werdenden Stellen kritisch überprüft wird, ob sie wiederbesetzt werden. Hier seien bereits 2026 und 2027 erste Einsparerfolge möglich. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht geplant. Zudem werden alle finanziellen Zusagen des Bistums an andere kirchliche Träger auf den Prüfstand gestellt – einschließlich der Höhe der Zuweisungen an die Pfarreien.“
Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer betonte, die „sich jetzt zuspitzende wirtschaftliche Situation des Bistums Essen kommt nicht überraschend“, und in den letzten Jahren sei bereits viel geschehen.
„Wir setzen uns im Ruhrbistum schon seit mehr als 20 Jahren mit den gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander, die auch weiter dazu führen werden, dass die Mitgliederzahlen der großen Kirchen kleiner werden“, sagte der Priester, der auf Fotos im Internet gewöhnlich in Zivilkleidung zu sehen ist.
„In den Nachkriegsjahren war in Deutschland die Mitgliedschaft in einer der beiden großen Kirchen noch relativ selbstverständlich, aber seit den 1960er Jahren hat sich dies in einer rasenden Geschwindigkeit völlig verändert“, erinnerte der Generalvikar. In diese Zeit fallen die Umwälzungen im kirchlichen Leben im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils, von der Liturgie bis hin zum Ordensleben und der Akzeptanz der überlieferten katholischen Sittenlehre.
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Zwar gab es im Bistum Essen zuletzt noch fast 640.000 Katholiken, was die Basis der Kirchensteuerzahler darstellt, doch praktizieren davon nur 5,1 Prozent ihren Glauben durch den sonntäglichen Messbesuch, was 33.000 Katholiken entspricht. In den letzten zwei Jahren wurde für das Bistum Essen kein neuer Priester geweiht, in den neun Jahren davor jeweils nur einer.
Mechthild Lütke Kleimann, die Ökonomin der Diözese Essen, verwies über die schwächer werdende Kirchenbindung hinaus noch auf die demografische Situation: „Auch bei den Kirchenmitgliedern werden in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge der ,Babyboomer‘ in den Ruhestand gehen“, also Menschen, die häufig ein gutes Einkommen hatten, aber nach Renteneintritt weniger Geld zur Verfügung haben und damit weniger Steuern zahlen.
Ihr Fazit: „Wir sind schon jetzt sehr stark von den Erträgen unserer Finanzanlagen abhängig, um ein stabiles Jahresergebnis zu erzielen. Wir müssen aber auch auf Schwankungen der Finanzmärkte vorbereitet sein und können uns deshalb nicht auf diese Erträge verlassen. Das erhöht die Notwendigkeit, jetzt zu weiteren, zweifellos massiven Einsparungen zu kommen.“
Generalvikar Pfeffer unterstrich, es gehe „nicht mehr darum, mit ein paar Einsparungen die kirchliche Lage zu verbessern, vielmehr müssen wir unsere Kirche ganz neu, und vor allem auch anders, gestalten“. Wenn es nämlich auch in zwei Jahrzehnten „in unserer sich rasend schnell verändernden Gesellschaft noch christliches Leben geben soll, dann brauchen wir mehr als ein ‚Weiter so – nur etwas kleiner‘.“





