Redaktion - Montag, 2. Februar 2026, 12:10 Uhr.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X., die seit den ersten Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil an der überlieferten Liturgie festhält, wird am 1. Juli neue Bischöfe weihen. Zuletzt geschah dies 1988 ohne Erlaubnis des Papstes, was die Exkommunikation der damals geweihten Bischöfe zur Folge hatte.
Gegründet von Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1970 mit kirchlicher Erlaubnis, wurde die Bruderschaft durch die kirchliche Hierachie bald bekämpft, auch weil sie verschiedene Aspekte des Zweiten Vatikanischen Konzils ablehnte, etwa eine falsch verstandene Religionsfreiheit oder Ökumene. Lefebvre war unter Papst Pius XII. der wichtigste Bischof in ganz Afrika und danach Generaloberer der Spiritaner, einer der wichtigsten Missionsgesellschaften in der Kirchengeschichte.
Pater Davide Pagliarani FSSPX, der heutige Generalobere der Piusbruderschaft, kündigte am Montag an, er habe „den Bischöfen der Bruderschaft die Aufgabe zu übertragen, am kommenden 1. Juli neue Bischofsweihen vorzunehmen“.
„Im vergangenen August ersuchte er um die Gunst einer Audienz beim Heiligen Vater und teilte ihm dabei seinen Wunsch mit, ihm in kindlicher Gesinnung die gegenwärtige Situation der Priesterbruderschaft St. Pius X. darzulegen“, teilte die Bruderschaft mit. „In einem zweiten Schreiben äußerte er sich ausdrücklich über die besondere Notwendigkeit der Bruderschaft, die Fortführung des Dienstes ihrer Bischöfe sicherzustellen, die seit nahezu vierzig Jahren die Welt bereisen, um den zahlreichen Gläubigen gerecht zu werden, die der Tradition der Kirche verbunden sind und das Verlangen haben, dass zum Wohle ihrer Seelen die Sakramente der Weihe und der Firmung gespendet werden.“
„Nachdem er seine Überlegungen lange im Gebet reifen ließ und nun in den letzten Tagen vom Heiligen Stuhl ein Schreiben erhalten hat, das in keiner Weise auf unsere Anfragen antwortet, ist Pater Pagliarani, gestützt auf die einstimmige Meinung seines Rates zu der Überzeugung gelangt, dass der objektive Zustand schwerer Not, in dem sich die Seelen befinden, eine solche Entscheidung erfordert“, hieß es.
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„In den kommenden Tagen wird der Generaloberer ergänzende Erläuterungen zur gegenwärtigen Situation und zu seiner Entscheidung geben“, so die Bruderschaft abschließend.
1988 wurden die Bischöfe Bernard Fellay, Alfonso de Galarreta, Bernard Tissier de Mallerais und Richard Williamson geweiht. 2009 hob Papst Benedikt XVI. die Exkommunikationen auf. Williamson wurde später aus der Piusbruderschaft ausgeschlossen und ist vor etwa einem Jahr gestorben. Auch Tissier starb bereits 2024.
Die Piusbruderschaft sieht sich weiterhin als Teil der katholischen Kirche und betet in der Messe für den amtierenden Papst, wodurch sie sich vom Sedisvakantismus abgrenzt. Gleichzeitig weigert sie sich, verschiedene Neuerungen, wie sie es sieht, zu akzeptieren, wodurch immer wieder Spannungen mit dem Heiligen Stuhl entstehen. Papst Franziskus hatte erklärt, dass die Beichten bei Priestern der Piusbruderschaft in aller Welt gültig sind, und auch die Eheschließungen möglich sein sollen. Zuvor hatte sich die Bruderschaft mit Blick auf diese beiden Sakramente stets auf einen „Notstand“ in der Kirche berufen. Der Vatikan hat in den letzten Jahrzehnten verschiedentlich klargestellt, dass die Gläubigen durchaus an einer von der Piusbruderschaft gefeierten Messe teilnehmen können.
Zur Piusbruderschaft gehören mehr als 730 Priester, mehr als 250 Seminaristen in fünf Priesterseminaren sowie Ordensmänner und -frauen. Messen im überlieferten Ritus werden an fast 800 Orten in 77 Ländern gefeiert. Zudem unterhält die Piusbruderschaft Schulen und Exerzitienhäuser und ist mit anderen Ordensgemeinschaften verbunden, die ebenfalls an der überlieferten Liturgie festhalten, wie sie bis nach den Zweiten Vatikanischen Konzil in der ganzen Welt gefeiert wurde und im Kern mindestens bis auf die Zeit von Papst Gregor dem Großen zurückgeht.





