50 Jahre Humanae Vitae: Was die #MeToo-Bewegung von der Enzyklika lernen kann

Sex und Fortpflanzung gehören zusammen - Wer sie trennt und entkoppelt, dem gerät alles aus dem Gleichgewicht, warnt Helen Alvaré

"Die eheliche Liebe zeigt sich uns in ihrem wahren Wesen und Adel, wenn wir sie von ihrem Quellgrund her sehen; von Gott, der Liebe ist": Ein Zitat aus Absatz 8 von Humanae Vitae
Foto: Ryan Holloway via Unsplash
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Was ist Sex ohne das Potential der Reproduktion und das Sakrament der Ehe? Von der Fortpflanzung entkoppelte Sexualität kann praktisch alles bedeuten - zumindest "was auch immer es einem einzelnen Mann bedeuten mag, sogar Gewalt und Macht": Das sagt die Juraprofessorin Helen Alvaré.

Die Expertin betont, dass die #MeToo-Bewegung von der Enzyklika Humanae Vitae etwas Wichtiges lernen kann.

Das Schreiben wurde vor genau 50 Jahren veröffentlicht, am 25. Juli 1968. 

"Wenn selbst der Gedanke an Kinder weit entfernt von sexueller Intimität ist", warnt die Professorin, dann läuft der Geschlechtsakt Gefahr, nicht beiden zu dienen, Mann und Frau miteinander.

"Warum? Weil die potentielle gemeinsame Zukunft des Mannes und der Frau von der Gegenwart abgetrennt wird - etwa ein potentielles Kind, eine Familie, eine Ehe, weitere Verwandtschaft, sogar die Liebe selbst". 

"Was Katholiken so sehr umtreibt, wenn es um Verhütung geht", so Alvaré weiter, ist "das Auseinanderbrechen dessen, was zusammengehalten werden sollte, mit dem Ergebnis, dass Sex seine schöne Gegenseitigkeit verliert und zu etwas anderem wird".

Humanae Vitae lehrt, dass "Männer, die sich an empfängnisverhütende Mittel gewöhnt haben" auchh "die Ehrfurcht vor der Frau verlieren [könnten], und, ohne auf ihr körperliches Wohl und seelisches Gleichgewicht Rücksicht zu nehmen, sie zum bloßen Werkzeug ihrer Triebbefriedigung erniedrigen und nicht mehr als Partnerin ansehen, der man Achtung und Liebe schuldet". 

Das ist mehr als relevant für die #MeToo-Bewegung, so Alvaré, in der Frauen sich gegen viele Formen sexueller Objektifizierung und gegen Missbrauch wehren. 

In all diesen Vorfällen gehe es den Tätern um Macht und Vergnügen, erinnert Alvaré. "Es ist die Untertreibung des Jahres zu sagen, dass diese Worte und Taten 'keine Gegenseitigkeit' darstellen", so die Professorin.

Alvaré, Mitbegründerin der Bewegung "Women Speak for Themselves", sagte, dass die künstliche Verhütung, von der behauptet wurde, sie würde die eheliche Liebe "verbessern" und Frauen "befreien", vielmehr dazu führte, dass stattdessen die Heiratsraten sanken, und bei Frauen statistisch die Rate des Glücklichseins.

Die Entkopplung der Geschlechtlichkeit von der gemeinsamen Zukunft von Mann und Frau reduziert diese auch, macht "Sex zu etwas geringerem, als es sein soll", warnt die Juristin.

Vielleicht habe das #MeToo-Phänomen das Potenzial, mehr Anerkennung und Unterstützung  für Humanae Vitaes ganzheitliche Vision der menschlichen Sexualität zu provozieren, "und einen zweiten Blick auf die uralte Weisheit der Kirche" zu werfen.

Alvarés Essay wurde in einer Ausgabe des Columbia Magazine zum fünfzigsten Jahrestag von Humanae Vitae veröffentlicht. Die Ausgabe enthielt unter anderem auch Überlegungen der Autoren Mary Eberstadt und George Weigel.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original. Erstveröffentlichung 25. Juli 2018.

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