Becciu betont: War nicht am Kauf bankrotten Krankenhauses beteiligt

Kardinal Giovanni Angelo Becciu
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Kardinal Angelo Becciu hat in einem Brief bestritten, am Kauf eines bankrotten italienischen Krankenhauses beteiligt gewesen zu sein, dem Istituto Dermopatico dell'Immacolata (IDI). Das auf den 2. Dezember datierte Schreiben ist an den bekannten Journalisten Sandro Magister adressiert. Darin bezeichnet der 71 Jahre alte Kurienkardinal auch die Berichterstattung, die das Gegenteil meldet, als unzuverlässig – darunter die von CNA.

"Die von Ihnen am 28. November veröffentlichte Pressemitteilung von Prof. Antonio Maria Leozappa, dem Präsidenten der Luigi Maria Monti Stiftung, rekonstruiert genau die Geschichte des IDI. Sie bestätigt, was zuvor Kardinal Parolin sagte, und entlastet mich vollständig von jeder Beteiligung, im Gegensatz zu dem, was sie behauptet haben", schreibt Becciu.

Wer ist Antonio Leozappa? Er ist Präsident einer Stiftung, die eine rechtliche Partnerschaft zwischen dem Staatssekretariat des Vatikans und der Kongregation der Söhne der Unbefleckten Empfängnis darstellt, einem italienischen Orden und ehemaligen Eigentümer des IDI. Die Stiftung kaufte im Jahr 2015 dem Orden die Klinik, mit Geldern, die ein Darlehen der Zentralbank der Vatikan waren: Ein Bruch der europäischen Regulierungsvereinbarungen, berichtet die "Catholic News Agency".

Becciu soll Medienberichten zufolge dabei geholfen haben, das Darlehen zu arrangieren. Er soll auch dabei geholfen haben, einen kontroversen Darlehensantrag an die US-amerikanische Papal Foundation zu organisieren, um diesen Kredit zurückzuzahlen.

So berichtete Sandro Magister am 28. November, "zu diesem Zeitpunkt war es eine im Vatikan allgemein bekannte Tatsache, dass Becciu eine führende Rolle in dieser Angelegenheit spielte".

Dennoch sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin gegenüber CNA am 20. November, er sei für das umstrittene Darlehen selbst verantwortlich gewesen, nicht sein damaliger Substitut Becciu.

"Für einen externen Beobachter ist nicht klar, wie viel in diesem Rollenspiel zwischen dem amtierenden Kardinalstaatssekretär und demjenigen, der von 2013 bis 2018 sein "Stellvertreter" letztlich den Tatsachen entspricht", schreibt dazu Sandro Magister.

Leopazzas Pressemitteilung vom 28. November enthielt weder Einzelheiten darüber, wie das umstrittene Darlehen tatsächlich arrangiert wurde, noch eine Liste aller am Prozess beteiligten vatikanischen Persönlichkeiten. Stattdessen erklärte sie einige Details über die Buchhaltung, genauer: Wie diese abbildet, mit welchen geliehenen Gelder der Kauf des Krankenhausesim Jahr 2015 finanziert wurde. Außerdem bestätigt die Mitteilung den Geldtransfer zwischen dem Staatssekretariat und der Stiftung.

Kardinal Becciu wird in der Pressemitteilung nicht namentlich erwähnt, und sein eigener Brief macht keine Angaben darüber, wie Leopazzas Mitteilung ihn "entlastet". Becciu erklärt auch nicht, wie er wissen kann, dass Leozappa mit "genauer Präzision" einen Prozess erklärt, an dem er nach eigenen Angaben selber nicht beteiligt war.

Zu einem weiteren Skandal, zu dem Becciu in Verbindung gebracht worden ist, nimmt sein Brief allerdings Stellung: Das Investment des Staatssekretariats in eine Londoner Luxusimmobilie.

"Der Vorwurf, ich hätte nicht Bedenken Kardinal Pells gegen die Entwicklung des Londoner Apartments berücksichtigt, sind haltlos – aus dem einfachen Grund, dass der damalige Wirtschaftspräfekt in dieser Angelegenheit nie konsultiert wurde, da es nicht für die Kontrolle der Konten des Staatssekretariats zuständig war. Dazu hätte er der Autorisierung des Papstes bedurft, die ihm nie gewährt wurde."

Becciu bezieht sich dabei auf die Meldung, dass Kardinal George Pell im Jahr 2015 Fragen über ein Darlehen des Staatssekretariats zur Finanzierung seines Immobiliengeschäfts stellte. Mehrere hochrangige Quellen in der Wirtschaftspräfektur des Vatikans hatten CNA mitgeteilt, dass diese Fragen zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Pell und Becciu führten – eine Behauptung, die Beccius Brief nicht direkt bestreitet.

Im gleichen Brief an Magister schreibt Becciu auch, dass er einige Aspekte der Berichterstattung von CNA über diese Angelegenheit in Frage stelle. Mehr noch: Er schreibt, CNA habe ihm gegenüber zugegeben, dass einige der Quellen der Berichterstattung unzuverlässig seien. Dies ist nicht der Fall: CNA hat zu keinem Zeitpunkt angegeben, dass seine Quellen unzuverlässig seien.

Der Kardinal versucht in seinem Schreiben auch, sich von Msgr. Mauro Carlino zu distanzieren, seinem ehemaligen Sekretär. Dieser ist – seit einer von der Staatsanwaltschaft des Vatikans angeordneten Razzia im Oktober – vom Dienst suspendiert.

"Zu sagen, dass ich mehr als andere in das Auge eines Medienorkans geraten bin, weil Msgr. Carlino mein persönlicher Sekretär war, ist eine vereinfachte Erklärung und inkonsistent", so Becciu gegenüber Magister.

Becciu ist seit Monaten Gegenstand medialer Aufmerksamkeit, nachdem mehrere Medien über seine Verbindungen zu zwei aufkommenden Finanzskandalen im Vatikan berichtet haben. Der Kardinal hat stets beteuert, nicht an illegalen oder unangemessenen finanziellen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein.

Obwohl das Londoner Immobiliengeschäft über mehrere Holdinggesellschaften abgewickelt wurde – und seine Finanzierung bis dato nicht geklärt ist, hat Becciu das Investment als "akzeptierte Praxis" verteidigt. Parolin dagegen hat den Fall als "unklar" bezeichnet und angekündigt, das Investment weiter zu prüfen. Papst Franziskus sagte auf seinem Rückflug aus Asien gegenüber Journalisten, ohne Namen zu nennen, es gebe Korruption im Vatikan. Der Fall der Londoner Immobilie müsse noch geklärt werden – die Ermittlungen des Vatikans dauern derzeit noch an.

Das könnte Sie auch interessieren: