Benedikt und Himmelfahrt: Die Antwort eines Papstes und Spiritualität seines Namensvetters

Benedikt XVI.
Foto: Mazur/catholicnews.org.uk.

Die Kirche feiert Chisti Himmelfahrt – aber was ist damit eigentlich gemeint? Lange vor seiner Wahl zum Theologenpapst bringt es Joseph Ratzinger in "Dogma und Verkündigung" auf den Punkt: Himmelfahrt, das kann ein Vorgang "mitten in unserem Alltag" sein, schreibt er 1977. 

"Der Himmel ist nicht ein Ort über den Sternen, er ist etwas viel Kühneres und Größeres: das Platzhaben des Menschen in Gott, das in der Durchdringung von Menschheit und Gottheit im gekreuzigten und erhöhten Menschen Jesus seinen Grund hat. Christus, der Mensch, der in Gott ist, ewig eins mit Gott, ist zugleich das immerwährende Offenstehen Gottes für den Menschen. Er selbst ist so das, was wir „Himmel“ heißen, denn der Himmel ist kein Raum, sondern eine Person, die Person dessen, in dem Gott und Mensch für immer trennungslos eins sind. Und wir gehen in dem Maß auf den Himmel zu, ja, in den Himmel ein, in dem wir zugehen auf Jesus Christus und eintreten in ihn".

So also kann "Himmelfahrt" ein Vorgang mitten in unserem Leben werden, erklärt der spätere Papst. Und wie aktuell und brisant dies auch und gerade heute ist, im Jahr 2020, das schöpfte bereits im Jahr 2005 dann Papst Benedikt XVI. aus. 

Erstens erklärte er dabei den tiefen Sinn der Himmelfahrt Christi: Das sei eben nicht die vorübergehende Abwesenheit Jesu von der Welt. Die Himmelfahrt leitet "die neue, endgültige und ununterdrückbare Form seiner Gegenwart ein", die auf seiner Teilhabe an der königlichen Macht Gottes gründet, erklärt Benedikt bei seinem Pastoralbesuch in in Cassino.

Die von Arbeitslosigkeit und Krisen betroffene Region, könnte man meinen, will vom Papst eine politische Botschaft. Und diese bekommen die Menschen auch – aber sie bekommen aus einer profund katholischen Perspektive doch viel mehr: Eine Antwort, welche die Ewigkeit nicht aus dem Blick verliert, und damit heute so aktuell ist in der Krise der Coronavirus-Pandemie wie damals in der Region von Montecassino.

Der historische Charakter von Auferstehung und Himmelfahrt helfe den Christen, das transzendente und eschatologische Wesen der Kirche zu erkennen und zu begreifen. Die Kirche lebe nicht, "um ein Ersatz für die Abwesenheit ihres 'entschwundenen' Herrn zu sein, sondern sie findet vielmehr den Grund ihres Seins und ihrer Sendung in der unsichtbaren Gegenwart Jesu, der mit der Macht seines Geistes wirkt."

Vier Jahre später – am 24. Mai 2009 – legt Benedikt am gleichen Ort noch einmal in bemerkenswerter Weise nach.

"Brüder und Schwestern dieser geliebten Diözesangemeinde, das heutige Hochfest ermahnt uns dazu, unseren Glauben an die wirkliche Gegenwart Jesu zu stärken; ohne ihn vermögen wir nichts Wirksames in unserem Leben und in unserem Apostolat zu vollbringen".

Damit schlägt Benedikt am historischen Ort der Kirche in Montecassino, die geprägt ist vom Ordensgründer und Namensvetter Benedikt, die Brücke zu dessen Spiritualität. Es sei zu hören, "wie in dieser unserer Feier der Aufruf des hl. Benedikt erklingt, das Herz fest auf Christus ausgerichtet zu halten, ihm nichts vorzuziehen", betont der Papst.

"Das Gebet, zu dem die Glocke des hl. Benedikt jeden Morgen die Mönche mit ihrem erhabenen Klang einlädt, ist der stille Weg, der uns direkt in das Herz Gottes führt; es ist der Atem der Seele, der uns in den Stürmen des Lebens neuen Frieden schenkt. Darüber hinaus haben die Mönche in der Schule des hl. Benedikt stets eine besondere Liebe zum Wort Gottes in der Lectio divina gepflegt, die heute gemeinsames Erbe vieler geworden ist."

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