Bischof Dieser vor Karlspreisverleihung: Evangelium steht "immer gegen jede Diktatur"

Bischof Helmut Dieser
Foto: Domsteinchen via Wikipedia (CC BY-SA 4.0)

Bischof Helmut Dieser hat in seiner Predigt am Fest Christi Himmelfahrt die drei belarussischen Karlspreisträgerinnen 2022 gewürdigt. Mit dem Internationalen Karlspreis werden Persönlichkeiten oder Institutionen ausgezeichnet, die sich um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben.

"Sie alle drei stehen damit für Ihr Heimatland und für die demokratischen Kräfte von Belarus, denen die Zukunft gehört", sagte Dieser an Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo gerichtet.

"Sehr geehrte Preisträgerinnen, Sie drei stehen mit der gesamten demokratischen Bewegung Ihres Landes für einen Gegenentwurf zur derzeitigen Diktatur in Belarus", erklärte der Bischof. "Und damit leisten Sie für Ihr Heimatland etwas unendlich Wertvolles: Sie füllen das Nichts, die Leere und die Sinnlosigkeit, die der Diktator mit seiner Brutalität überdeckt und die der Angriffskrieg gegen die Ukraine mit unsäglichen Lügen und Propagandagewalt kaschiert."

"In Ihrem Heimatland wird man sich nach dem Ende der Diktatur an Sie und die Bürgerbewegung erinnern, die Sie ausgelöst haben, und Ihr Eintreten für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie werden sich dann als unendlich konstruktiv erweisen und Ihr Land und die Menschen retten und aufbauen", betonte Dieser.

Das Evangelium stehe "immer gegen jede Diktatur", so Dieser, der sich damit auch den Äußerungen des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill entgegenstellte, der den russischen Einmarsch in die Ukraine mehrfach verteidigt hat.

Zwar habe die Kirche das Evangelium diesbezüglich oft "verfehlt und verraten", doch "trotzdem fanden Menschen aus dem Evangelium die Kraft, genau das zu kritisieren, dagegen zu kämpfen und es zu überwinden. Wer an Christus glaubt, gewinnt eine unbesiegbare Hoffnung gegen die Diktatur und den Sinnverlust."

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