Bischof Gerber: "Ortsgemeinde nie die einzige Größe"

Bischof Michael Gerber
Foto: Bistum Fulda

Vor zwei Tagen hat der Fuldaer Bischof Michael Gerber seinen 50. Geburtstag gefeiert. Im Interview mit dem Internetportal "katholisch.de" spricht er über die Zukunft und Herausforderungen des Bistums.

Er habe seit seinem Amtsantritt bereits 29 der insgesamt 45 Pastoralverbünden der Diözese Fulda besucht, erzählt Gerber. Dabei habe er "von engagierten Ehrenamtlichen bis zu sehr distanzierten Christen" ganz unterschiedliche Menschen kennengelernt. Dadurch hätte er erkannt, "dass für junge Menschen, die sich kirchlich engagieren, die Ortsgemeinde in der Regel nie die einzige Größe ist":

"Daneben erleben sie anderswo Gemeinschaft, etwa bei diözesanen Treffen oder Verbänden. Das ist ein Hinweis, dass wir eine stärkere Vernetzung pastoraler Strukturen brauchen – also verschiedener Orte wie Hochschulgemeinden, karitativen Einrichtungen und Ortsgemeinden."

Für ihn komme es in Fulda jetzt auf "Leuchtturmprojekte" an. Diese sollen helfen, ein "Gefühl für unterschiedliche Wege" zu bekommen, den Glauben zu leben und was für eine Form des Miteinanders notwendig sei. Die Frage nach der "geistlichen Erneuerung" des Bistums sei für ihn "zentral". Gemeinsam mit den "Gemeindeteams" wolle er "Wege entwickeln", betont er.

Dafür müsse man in der hiesigen Kirche Wege der Kommunikation finden, auch beim "synodalen Weg" auch mit Menschen auseinandersetzen zu können, die "eine andere" Position haben. "Wesentlich ist für mich der Impuls, dass Gott der Gott der Geschichte wie der Gegenwart ist", so der Bischof wörtlich, "dass er uns also durch das Wort und das Leben im Alltag etwas sagen möchte. Wir müssen da aufmerksam sein".

Der sich verschärfenden Kirchenkrise und dem Priestermangel begegnen in Deutschland einige Bischöfe mit der Gründung von XXL-Pfarreien. Gerber sagt, er lehne solche Vorhaben ab – bleibt mit seinem möglichen Konzept aber noch im Vagen:

"Wir wollen hier in Fulda nicht so große Pfarreien schaffen wie in anderen Bistümern. Denn wir haben in manchen Diasporaregionen schon Pfarrgemeinden, die eine sehr große Ausdehnung haben – 20 Kilometer und mehr. Das lässt sich schon aus logistischen Gründen nicht beliebig vergrößern. Wir wollen die Pfarrei als Netzwerk begreifen und andere Größen ins Spiel bringen, wie etwa die City-Pastoral, die ein niederschwelliges Angebot für Passanten in der Einkaufsstraße ist. In Fulda gibt es sie schon, in Marburg bauen wir sie gerade auf, in Hanau und Kassel gibt es zumindest erste Ansätze. Die Frage nach den richtigen Formaten für bestimmte Zielgruppen wird uns da auch noch beschäftigen."

Bischof Michael Gerber ist mit 50 Jahren der jüngste Diözesanbischof Deutschlands. Er ist seit dem 31. März 2019 der insgesamt 18. Bischof im Bistum Fulda und Nachfolger von Alt-Bischof Heinz-Josef Algermissen.

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