Bischof Zanchetta steht im Oktober wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

Bischof Gustavo Zanchetta
Foto: ACI Prensa

Bischof Gustavo Zanchetta wird sich im Oktober vor einem Gericht in seiner argentinischen Heimat wegen sexuellen Missbrauchs verantworten müssen.

Die Staatsanwaltschaft der argentinischen Provinz Salta gab am 6. August bekannt, dass der Prozess vom 12. bis 15. Oktober stattfinden wird. Der 57 Jahre alte Kirchenmann beteuert seine Unschuld, berichtete die Catholic News Agency (CNA).

Papst Franziskus hatte für Zanchetta einen Posten als "Assessor" im Vatikan schaffen lassen, nachdem dieser 2017 als Bischof von Orán im Nordwesten Argentiniens nach wochenlangen Turbulenzen über seinen Lebenswandel und Fragen über finanzielle Unregelmäßigkeiten zurückgetreten war. 

Der Skandal über angebliche Porno- und "Selfie"-Nacktbilder auf seinem Mobiltelefon, "Ausflüge" mit Seminaristen und Vorwürfe sexueller Nötigung mehrerer junger Männer hatte zuvor die Presse und Öffentlichkeit in Argentinien monatelang beschäftigt, ebenso wie die Frage, wann der Vatikan informiert war - und wieso Papst Franziskus darauf opffenbar zuerst nicht reagiert hatte. 

Bischof Zanchetta ist ein erfahrener Prälat und ehemaliger Sekretär der argentinischen Bischofskonferenz, der Berichten zufolge gerne seine persönliche Freundschaft mit Papst Franziskus betonte. Nun muss er sich strafrechtlich dem Vorwurf sexuellen Missbrauchs von zwei Männern stellen, die von der Staatsanwaltschaft als G.G.F.L. und C.M. bezeichnet werden.

"Der ehemalige Bischof [von Orán] wurde unter Strafandrohung vorgeladen und es wird erwartet, dass mindestens 39 Zeugen während der Anhörung aussagen werden", sagte die Staatsanwaltschaft.

Papst Franziskus hatte Zanchetta am 23. Juli 2013 zum Bischof von Orán als eine seiner ersten Bischofsernennungen in seinem Heimatland Argentinien ernannt.

Nachdem er im Alter von 53 Jahren aus offiziell  "gesundheitlichen Gründen" überstürzt von seinem Amt als Leiter der Diözese Orán zurückgetreten war und mehrere Monate in Spanien verbrachte, wurde Zanchetta auf die eigens geschaffene Stelle eines "Assessors" in der vatikanischen Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls (APSA) berufen. Die APSA beaufsichtigt den Immobilienbesitz des Vatikans und andere staatliche Vermögenswerte. Zur Begründung teilte der Vatikan mit, Zanchetta sei dafür kompetent. 

Argentinische Medien hatten recherchiert, dass Zanchetta bereits 2015, zwei Jahre bevor er in den Vatikan kam, erstmals in seinem Bistum sexuell unangemessenes Verhalten vorgeworfen wurde. Nach Aussagen von Beteiligten wurde das kleine Priesterseminar, das Zanchetta selbst im Jahr 2014 errichtet hatte, hauptsächlich von jungen Männern aus einfachen Verhältnissen besucht, die Angst vor Zanchetta gehabt hätten, wie örtliche Medien berichteten, die den Fall investigativ ermittelt hatten. 

Der Vatikan hatte wiederholt bestreiten lassen, vor seiner Ernennung zur APSA im Dezember 2017 Kenntnis von den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen Zanchetta gehabt zu haben. Tatsächlich hat jedoch bereits bei dessen Ernennung eine Petition den Papst aufgefordert, den Kirchenmann nicht zum Bischof zu ernennen, wie die Zeitung "Tribuno" meldete.

Laut einem Bericht dieser Zeitung in der Provinz Salta alarmierte eine von Zanchettas Sekretärinnen die Behörden, nachdem sie sexuell eindeutige Bilder entdeckt hatte, die 2015 auf Zanchettas Mobiltelefon gesendet und empfangen wurden.

In der Beschwerde hieß es, dass einige der Bilder "junge Männer" beim Sex zeigten, zusätzlich zu unzüchtigen Bildern von Zanchetta selbst.

Papst Franziskus lud Zanchetta im Oktober 2015 für fünf Tage nach Rom ein. Der Bischof behauptete offenbar, dass sein Telefon und sein Computer "gehackt" worden seien und dass die Anschuldigungen aus einer Feindseligkeit gegenüber dem Papst heraus entstanden seien. Der Papst akzeptierte diese "Erklärung" des Bischofs.

In einem Interview mit der mexikanischen Journalistin Valentina Alazraki, das im Mai 2019 vom vatikanischen Nachrichtenportal veröffentlicht wurde, verteidigte der Papst seine Entscheidung gegenüber Zanchetta. Er habe sich stets bemüht, die Vorwürfe gegen Zanchetta zu klären, teilte Franziskus mit.

Nachdem Zanchetta im Juli 2019 im Zusammenhang mit seinen Handlungen gegen zwei Männer angeklagt worden war, führte die Einheit für Wirtschaftskriminalität von Orán im November 2019 eine Razzia in den Büros der Kanzlei durch. Die Razzia wurde durchgeführt, um Zanchettas angeblichen Betrug am Staat zu untersuchen, wie die Lokalzeitung El Oranense berichtet.

Neben dem Vorwurf, Kirchengelder, die von den Gläubigen in der Diözese gespendet wurden, falsch zu verwalten, zeigen öffentliche Aufzeichnungen, dass Zanchetta mehr als eine Million argentinische Pesos (rund 10.500 US-Dollar) von der Provinz Salta erhalten hat, um ein Pfarrhaus zu renovieren und für "Vorlesungen" in einem Priesterseminar, die jedoch nie stattgefunden haben sollen.

Ein unter Druck geratener Papst Franziskus verteidigte seine Ernennung von Zanchetta zum APSA in seinem Interview mit Valentina Alazraki. Er räumte ein, dass die Vorgehensweise des Bischofs bei der wirtschaftlichen Verwaltung in Orá "ungeordnet" gewesen sei. Doch Zanchettas "Vision" sei eine gute, so der Papst.

Der beschuldigte Bischof wurde dann jedoch im Rahmen einer kirchenrechtlichen Untersuchung, die im Januar 2019 angekündigt wurde, von seiner Funktion als "Assessor" der APSA suspendiert.

Im Juni 2020 bestätigte der Vatikan auf Anfrage, dass Zanchetta seine Arbeit bei der APSA wieder aufgenommen habe und "den argentinischen Justizbehörden weiterhin zur Verfügung steht."

Eine bei der APSA tätige Quelle teilte CNA dann jedoch im Juni mit, dass der argentinische Bischof seinen Dienst bei der zentralen Reservebank des Vatikans beendet habe.

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