Bistum Osnabrück: Missbrauchsstudie soll Namen von Verantwortlichen nennen

Der Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode.
Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

Das Bistum Osnabrück hat die Universität Osnabrück mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Diözese beauftragt. Dies teilte die Bistumsleitung gestern mit. Das Projekt trägt den Titel "Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung: Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück" und kostet insgesamt 1,3 Millionen Euro. Die Arbeit soll am 1. August 2021 beginnen.

Verantwortliche Projektleiter der Studie sind der Rechtswissenschaftler Hans Schulte-Nölke und die Geschichtswissenschaftlerin Siegrid Westphal, beides Professoren an der Universität Osnabrück. Zudem sollen zwei Betroffene sexueller Gewalt in die weitere Konzeption und Durchführung der Studie einbezogen werden.

Ziel des Aufarbeitungsprojektes der Universität sei "die Ausarbeitung einer unabhängigen historisch-rechtshistorischen und juristischen Studie". Wörtlich teilte das Bistum mit:

"Sie [die Studie] soll die Missbrauchsfälle aus verschiedenen Perspektiven und dem jeweiligen zeitgenössischen Hintergrund aus beschreiben. Darüber hinaus sollen typische Muster des Missbrauchs im kirchlichen Raum, aber auch des Umgangs mit Missbrauch aufgedeckt, benannt und bewertet werden. Das Forschungsprojekt ist auf eine Dauer von drei Jahren angelegt."

Bereits in einem Jahr will die Gruppe erste Zwischenergebnisse vorstellen. 

"Uneingeschränkter Aktenzugang"

Das Bistum Osnabrück möchte den Wissenschaftlern "uneingeschränkten Zugang zu seinen Akten" gewährleisten. Die Studie selbst soll nach Abschluss "der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt" werden. Über den Zeitpunkt sowie die Art und Weise der Publikation soll jedoch die Universität Osnabrück entscheiden. Der Osnabrücker Generalvikar Ulrich Beckwermert erklärte diesen Schritt so:

"Wir wollen eine wirklich unabhängige wissenschaftliche Untersuchung. Dem Projektteam gewähren wir jede Unterstützung, die wir leisten können. Aber bis zur Publikation der Ergebnisse ist das Bistum nicht Subjekt, sondern Objekt des Verfahrens."

Osnabrück, Hamburg und Hildesheim arbeiten zusammen

Weil das Bistum Osnabrück bis 1995 auch das heutige Erzbistum Hamburg umfasste, soll die diözesane Kommission noch um eine gemeinsame Kommission für die Kirchenprovinz Hamburg, die auch das Bistum Hildesheim umfasst, ergänzt werden.

Die Autoren der Osnabrücker Studie berichten der auf Metropolie-Ebene eingesetzten Aufarbeitungskommission regelmäßig und auf Anforderung über ihre Arbeiten und Zwischenergebnisse, so das Bistum.

Das könnte Sie auch interessieren: