Brand zwingt spanische Mönche, ihr Kloster erstmals nach 200 Jahren zu verlassen

Ein Benediktinermönch der Abtei Santo Domingo de Silos
Foto: Abadia de Silos
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Zum ersten Mal seit 1835 waren die Mönche der spanischen Abtei Santo Domingo de Silos (Provinz Burgos) gezwungen, ihr Kloster zu verlassen.

Das Benediktinerkloster gehört der Kongregation von Solesmes an und ist berühmt wegen seines prachtvollen romanischen Kreuzgangs sowie wegen der Pflege des gregorianischen Chorals. 1994 wurde dort das mit weltweit 6 Millionen verkauften Tonträgern populärste gregorianische Album der Geschichte produziert.

Ein verheerender Brand, der acht Gebäude in der Stadt zerstört hat, führte dazu, das die Mönche des Klosters nun als Vorsichtsmaßnahme evakuiert wurden.

Hitze, Dürre und Wind verursachen und begünstigen derzeit Brände in verschiedenen Teilen der Welt. Auch mehrere Orte in Spanien, darunter das Land rund um Santo Domingos de Silos, sind betroffen. Daher wurden dort mehr als 500 Personen sicherheitshalber ausquartiert.

In einer Mitteilung gegenüber ACI Prensa, der spanischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch, erklärten die Mönche, dass sie im Gästehaus des Benediktinerinnenklosters Santa María in der nahegelegenen Stadt Aranda de Duero aufgenommen wurden.

Die Mönche haben ihre Sorge um die Bewohner der Stadt geäußert, die ebenfalls gezwungen waren, ihre Häuser zu verlassen. Ebenso bekundeten sie ihre Trauer über die Zerstörung, die das Feuer in der Stadt, in der umgebenden Natur und in den Landwirtschafts- und Viehbetrieben verursacht hat.

Die Desamortisation durch Mendizábal

Dieser Weggang der Mönche aus ihrem Kloster ist der erste seit fast 200 Jahren.

1835 hatte der damals äußerst mächtige Minister Juan Álvarez de Mendizábal einen Prozess der Zwangsenteignung von kirchlichem Eigentum eingeleitet, um den Krieg der liberalen Anhänger von Königin Isabella II. gegen die sogenannten Carlisten (die das Thronrecht des Onkels Isabellas, Carlos, verfochten), zu finanzieren.

Die sogenannte Desamortisation – also die Überführung von Gütern der Kirche in Nationaleigentum zum Zweck der Versteigerung an Privatleute – umfasste die Auflösung aller Ordensgemeinschaften, die sich nicht direkt der Wohltätigkeit widmeten.

Präsenz der Mönche seit mehr als einem Jahrtausend

Die erste Erwähnung des Klosters findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 954. Damals war das Kloster noch nach dem heiligen Sebastian benannt.

Die blühende Anfangsepoche des Klosters fand in der Zeit der Raubüberfälle durch Almansor, den Alleinherrscher des Kalifats von Cordoba, ein jähes Ende.

Nach dessen Tod wurde das zerstörte Kloster wieder aufgebaut. Es florierte vor allem unter Domingo Manso (Dominikus von Silos), der 1041 zum Abt des Klosters ernannt wurde.

Unter seiner Leitung wurden eine romanische Kirche und der heute noch erhaltene romanische Kreuzgang errichtet. Nach seinem Tod im Jahr 1073 und der folgenden Heiligsprechung im Jahr 1076 nahm das Kloster seinen Namen an.

In diesem Kloster wurde auch der spätere Gründer des Predigerordens (meist Dominikaner genannt), der heilige Dominikus von Guzman, getauft.

Im 18. Jahrhundert wurde die romanische Kirche durch die bis heute bestehende barocke Kirche mit griechischem Kreuz ersetzt.

Durch die Desamortisation Mendizábals wurden die Mönche im Jahr 1835 vertrieben und verstreut. Das monastische Leben im Kloster Santo Domingo endete. Aber es sollte nur eine Unterbrechung von 45 Jahren sein.

Im Dezember 1880 wurde es neu besiedelt durch eine Gruppe von Benediktinermönchen aus der französischen Abtei Saint-Martin de Ligugé, die ihrerseits gezwungen waren, ihr Kloster aufgrund der antiklerikalen Gesetzgebung in Frankreich zu verlassen.

Erneut begann das "ora et labora" in Silos; das Gebets- und Arbeitsleben der Mönche entfaltete sich dort weiter – bis sie nun gezwungen waren, ihr Kloster wiederum zu verlassen, wenn auch wohl nur für kurze Zeit.

Vom Kloster Santo Domingo de Silos aus wurden im Laufe des letzten Jahrhunderts mehrere Klosterneugründungen in Spanien, Mexiko und Argentinien vorgenommen.

Bereits 1970 kam es in der Abtei zu einem verheerenden Brand im Südflügel des Klosters, in dem auch die Mönchszellen liegen. In den beiden folgenden Jahren wurde dieser Teil restauriert und gemäß dem ursprünglichen Erscheinungsbild wieder aufgebaut.

Mittlerweile konnten vier der insgesamt 45 Mönche wieder in das Kloster zurückkehren. Das Feuer hatte nur das umliegende Land, nicht jedoch das Kloster erreicht.

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