Das Jahr Johannes Paul II.: Maria Goretti besiegt die neuheidnische Mentalität

Das Gebet des Papstes zum “Kind Gottes”, das Vergebung und die Kraft einer echten Familie lehrt

Papst Johannes Paul II. im Jahr 1996
Foto: Vatican Media
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"Maria Goretti, ein junges Mädchen von nur zwölf Jahren, hat sich wie der heilige Jakobus schreibt, vor jeder Befleckung durch die Welt bewahrt (vgl. Jak 1,27), auch wenn es das Leben gekostet hat; sie hat es vorgezogen, zu sterben, statt Gott zu beleidigen. ´Nein! - sagte sie zu ihrem entfesselten Mörder - Es ist eine Sünde! Gott will das nicht! Du wirst in die Hölle kommen!´

Leider hielt ihr Glaube den Versucher nicht auf, der dann aber dank ihrer Vergebung und Fürsprache bereute und sich bekehrte. Sie erlitt das Martyrium für ihre Reinheit.

"Maria Goretti, strahlend in ihrer geistigen Schönheit und in ihrem bereits erreichten ewigen Glück, lädt uns ein, fest und sicher an das ´Wort Gottes´, die einzige Quelle der Wahrheit, zu glauben und stark zu sein gegen die verlockenden und mitreißenden Versuchungen der Welt zu sein. Eine gewollt antimetaphysische Kultur erzeugt logischerweise eine agnostische und neuheidnische Gesellschaft, trotz der lobenswerten Bemühungen ehrlicher Menschen, die sich um das Schicksal der Menschheit sorgen. Der Christ ist heute in einen ständigen Kampf verwickelt, auch er wird zum ´Zeichen des Widerspruchs´ aufgrund der Entscheidungen, die er treffen muss."

Es war der 1. September 1979, Papst Johannes Paul II. befand sich in Nettuno und erinnerte mit diesen Worten an die große kleine Heilige, deren hundertjährigen Jahrestag des Martyriums man später, im Jahre 2002, feiern wird.

In diesem Jahr eröffnete der polnische Papst am 6. Juli die Feierlichkeiten und sandte eine Botschaft an den Bischof von Albano: "Welch leuchtendes Beispiel für die Jugend! Die Mentalität der Bindungslosigkeit, die weite Teile unserer heutigen Gesellschaft und Kultur kennzeichnet, hat mitunter Mühe, die Schönheit und den Wert der Enthaltsamkeit zu erkennen. Die Haltung dieser jungen Heiligen zeigt ein tiefes und edles Wissen um die eigene Würde wie auch um die der anderen, was sich in den Entscheidungen des täglichen Lebens widerspiegelte und ihnen volle menschliche Sinnhaftigkeit verlieh. Ist hierin nicht eine Lehre von großer Aktualität enthalten? Angesichts einer Kultur, die die Körperlichkeit in den Beziehungen zwischen Mann und Frau überbewertet, verteidigt und fördert die Kirche unablässig den Wert der Sexualität als Faktor, der jeden Aspekt der Person betrifft und der deshalb in einer Haltung innerer Freiheit und gegenseitiger Achtung im Licht des ursprünglichen Planes Gottes gelebt werden muß. So entdeckt sich die Person als Empfänger eines Geschenks und fühlt sich dazu berufen, ihrerseits zum Geschenk für andere zu werden."

Eine Geschichte, die weit vom heutigen Leben entfernt scheint. Aber genau deshalb wollte der Papst daran erinnern.

"Die hl. Maria Goretti war ein Mädchen, dem der Geist Gottes den Mut verliehen hat, bis zum höchsten Opfer ihres Lebens der christlichen Berufung treu zu bleiben. Ihr jugendliches Alter, der Mangel an Schulbildung und die ärmlichen Verhältnisse, in denen sie lebte, hinderten die Gnade nicht daran, ihre Wunder an ihr erkennbar werden zu lassen. Im Gegenteil, vor allem unter diesen Umständen zeigt sich deutlich die Vorliebe Gottes für bescheidene, demütige Menschen" schreibt der Papst.

Es ist eine Geschichte von Menschen, die für die Welt arm, aber reich an tiefem Glauben sind.

Der Heilige Vater präsentiert eine Analyse der Situation, die auch heute – fast 20 Jahre später – noch gilt: "Es ist unbestreitbar, daß die Einheit und Stabilität der Familie heute vielen Gefahren ausgesetzt ist. Glücklicherweise erkennt man daneben jedoch auch ein neues Bewußtsein für die Rechte der Kinder, in Liebe aufzuwachsen, vor jeder Art von Gefahren geschützt zu werden und so erzogen zu werden, daß sie ihrerseits das Leben voll Vertrauen und innerer Kraft meistern können."

Er spricht auch über "das große Zeugnis der Vergebung, die sie ihrem Mörder gewährte Verzeihung und der Wunsch, ihn eines Tages im Paradies wiederzusehen. Es handelt sich hier um eine spirituelle und soziale Botschaft von außerordentlicher Bedeutung für unsere heutige Zeit."

Der Papst erinnerte zudem an das kürzlich beendete Jubiläumsjahr: "Ein charakteristischer Aspekt des unlängst gefeierten Großen Jubiläums des Jahres 2000 war unter anderem der intensive Aufruf zum Verzeihen, im Rahmen der Feier des göttlichen Erbarmens. Die Nachsicht Gottes gegenüber den Schwächen des Menschen erweist sich als ein anspruchsvolles Vorbild für das Verhalten aller Gläubigen. In der kirchlichen Lehre bedeutet Vergebung nicht moralischen Relativismus oder Permissivität. Im Gegenteil, sie erfordert die volle Anerkennung der eigenen Schuld und Verantwortungsbewußtsein als Voraussetzung dafür, den wahren Frieden wiederzuerlangen und den Weg zur evangeliumsgemäßen Vollkommenheit vertrauensvoll wiederaufzunehmen. 

Möge die Menschheit mit Entschlossenheit den Weg der Barmherzigkeit und der Vergebung einschlagen! Der Mörder Maria Gorettis bekannte seine Schuld, bat Gott und die Familie der Märtyrerin um Verzeihung, büßte aufrichtig für sein Verbrechen und bewahrte diese geistige Haltung sein ganzes Leben lang. Im Gerichtssaal, in dem der Prozeß stattfand, bot die Mutter der Heiligen ihm ihrerseits spontan die Vergebung der Familie an. Wir wissen nicht, ob es die Mutter war, die ihre Tochter das Verzeihen lehrte, oder ob die auf dem Totenbett angebotene Vergebung der Märtyrerin die Haltung der Mutter bewirkt hat. Sicher ist jedoch, daß der Geist der Vergebung die Beziehungen innerhalb der gesamten Familie Goretti auszeichnete und daher auf so spontane Weise sowohl in der Märtyrerin als auch in der Mutter zum Ausdruck kommen konnte.

Zu ihr verfasste der Papst - wie es auch seine Vorgänger getan hatten - ein Gebet: "Kind Gottes, du hast schon früh die Härte und die Mühen, den Schmerz und die kurzen Freuden des Lebens kennengelernt; du warst arm und Waise, du hast den Nächsten geliebt und dich zur demütigen und aufmerksamen Dienerin gemacht; du warst gut und hast Jesus über alles geliebt; du hast dein Blut vergossen, um deinen Herrn nicht zu verleugnen; du hast deinem Mörder verziehen. Bitte für uns, damit wir ´Ja´ sagen zum Plan Gottes für uns. Wir danken dir, Marietta, für die Liebe zu Gott und zu den Brüdern und Schwestern, die du in unsere Herzen gesät hast. Amen."

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