Berichte: Aus Vatikan seit 2014 insgesamt 2,3 Milliarden Dollar nach Australien überwiesen

Parliament House in Canberra (Australien)
Foto: Michael75 / Unsplash (CC0)

Einem australischen Nachrichtendienst zufolge hat der Vatikan binnen weniger Jahre insgesamt 2,3 Milliarden australische Dollar nach Australien überwiesen – offenbar ohne das Wissen der australischen Bischöfe. 

Wie die Zeitung "The Australian" berichtet, haben dies Ermittlungen von AUSTRAC ergeben, der Ermittlungsbehörde für Finanzverbrechen der australischen Regierung. 

Offenbar ohne das Wissen der Bischöfe in Australien wurden demnach seit 2014 insgesamt 2,3 Milliarden AUD aus dem Vatikan und ihm angeschlossene Institutionen überwiesen. Das sind umgerechnet etwa 1,4 Milliarden Euro.

Insgesamt wurden über 400.000 Überweisungen getätigt.

Mehrere – anonym bleibende – Vertreter der Kirche in Australien sagten gegenüber der Zeitung, dass diese Summen sie "völlig überraschten". Offenbar waren die Bischöfe nicht über diese Geld-Transfers informiert, stellt der Vatikanist Edward Pentin im "National Catholic Register" fest.

Unklar ist, wo das Geld abgeblieben ist: Etwa 5 Prozent der Milliardensumme könnte eine Überweisung für soziale Dienste gewesen sein. Eine plausible Möglichkeit, so die Presse, könnten zudem Investitionsgeschäfte im australischen Anleihe- und Aktienmarkt sein. Aber AUSTRAC hat die Empfänger der Summen nicht namentlich identifiziert – und somit ist noch unklar, wo das Geld wirklich geblieben ist.

Klar ist: Die Überweisungen aus dem Vatikan verdoppelten sich mehrfach. Sie sprangen von 54,1 Millionen Dollar im Jahr 2014 auf 103,6 Millionen im Jahr 2015, und verdoppelten sich im Jahr 2016 auf 223 Milionen, und dann im Jahr 2017 auf den Spitzenwert von 439,3 Millionen, enthüllte "The Australian".

Die Zeitung stützt sich bei diesen Angaben auf offizielle Unterlagen von AUSTRAC, die dem australischen Senat vorgelegt wurden. Diesen Dokumenten zufolge wurden auch fast 320 Millionen Dollar im Jahr 2018 aus dem Vatikan nach Australien überwiesen, 371,7 Millionen Dollar im Jahr 2019 und – bislang – insgesamt 222,7 Millionen Dollar in diesem Jahr.

Wie CNA Deutsch berichtete, hat AUSTRAC auch die Polizei von Victoria über Transaktionen während des Verfahrens gegen Kardinal George Pell informiert, und ermittelt in diesem Fall weiter, ebenso wie offenbar die Australian Federal Police (AFP): Die australische Bundespolizei bestätigte vergangene  Woche gegenüber "The Australian", dass sie die Daten von AUSTRAC auswerte, die Überweisungen aus dem Vatikan betreffen.

Wie die Enthüllungen des "Australian" zeigen, fällt der sprunghafte Anstieg der Summen aus dem Vatikan, die nach Australien geflossen sind, zeitlich mit dem Prozess gegen Kardinal George Pell zusammen.

Die mittlerweile aufgehobene Verurteilung Pells wegen des vermeintlichen Missbrauchs zweier Chorknaben, die von Australiens obersten Richtern am High Court einstimmig kassiert wurde, steht mittlerweile in Verbindung mit mehreren Justiz- und Polizeiskandalen im Bundestaat Victoria, wie CNA Deutsch ausführlich berichtet hat. Dazu gehört auch ein Mafia-Spitzel-Skandal der Polizei und Verfahren gegen australische Medien und Journalisten.  

AUSTRAC ermittelt seit Monaten in der Frage, welche Gelder aus dem Vatikan unter anderem zum Zeitpunkt des Verfahrens gegen Pell geflossen sind.

Der Vatikan hüllt sich bislang zu diesen jüngsten Berichten in Schweigen: Presse-Anfragen aus Australien und den USA zu den neuen Enthüllungen habe das Presse-Amt des Heiligen Stuhls bislang nicht beantwortet, berichtet Pentin. 

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