Die Erklärung von Weihbischof Schwaderlapp im Wortlaut

CNA Deutsch dokumentiert den vollen Wortlaut der Erklärung von Weihbischof Schwaderlapp

Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp.
Foto: Erzbistum Köln

Anlässlich der Veröffentlichung der Unabhängigen Untersuchung der Kanzlei  Gercke/Wollschläger zum Umgang mit sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln  erklärt Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp

«Sexueller Missbrauch verletzt Menschen zutiefst. Besonders tief schneidet die Untat ein, wenn ein Priester der Täter ist. Missbrauch steht gegen alles, wofür Berufung und Sendung der Priester steht. 

Die nun vorliegende „Unabhängige Untersuchung“ klärt die Verantwortung der Bistumsleitung in der Vergangenheit. An so manchen Stellen hätten wir entschiedener, koordinierter und wirksamer gegen Täter vorgehen müssen, die ihren priesterlichen Dienst ausgenutzt haben, um anvertraute Menschen zu missbrauchen. 

Zugleich zeigt sie Wege auf, wie die Kirche bestmöglich Beschuldigungen aufgreifen, aufklären und verletzten Menschen zur Seite stehen kann. All das dient dem Ziel, Missbrauch in Zukunft konsequent und nach Kräften zu verhindern. 

Mit großer Umsicht und Sorgfalt wurden die Vorgänge untersucht und auf persönliche wie systeminhärente Risiken und Versäumnisse überprüft. Dabei wurde auch mein Handeln als Generalvikar von 2004-2012 bewertet, im Blick auf staatliche und kirchliche Gesetze und Leitlinien. 

Die Untersuchung hält ernste Versäumnisse fest, die ich zu verantworten habe. „Zu wenig und nicht systematisch und entschieden genug“, so könnte man vielleicht zusammenfassen.

Das betrifft zum einen meine Pflicht, zu kontrollieren und Aufsicht auszuüben. So fiel es auch in meine Verantwortung zu überprüfen, ob Missbrauchsfälle der Ordnung entsprechend nach Rom gemeldet wurden. 

Tiefer noch beschämt mich, zu wenig beachtet zu haben, wie verletzte Menschen empfinden, was sie brauchen und wie ihnen die Kirche begegnen muss. Das ist ein Versagen als Seelsorger und als Mensch. 

Als Bischof, Priester und gläubiger Mensch erkenne ich mein Ungenügen an. Die Menschen, denen ich nicht gerecht wurde, bitte ich an dieser Stelle aufrichtig um Verzeihung, auch wenn ich weiß, dass Geschehenes nicht ungeschehen gemacht werden kann. 

Die Untersuchung hält mir zwar einige entlastende Momente zugute und gesteht mir auch an manchen Stellen Verbesserungen zu. Das wiegt die Fehler nicht auf, weist aber den Weg, den das Erzbistum in Zukunft weiter beschreiten muss. 

Welche Konsequenzen ziehe ich persönlich aus den Ermittlungsergebnissen der Untersuchung? Kann ich unter diesen Voraussetzungen weiter meinen Dienst als Weihbischof ausüben? 

Die Frage führt mich zu der Entscheidung, meinen Amtsverzicht anzubieten. Adressat ist der Heilige Vater, denn er hat mir das Bischofsamt anvertraut. Ich bitte Papst Franziskus um sein Urteil. Ich kann nicht Richter in eigener Sache sein. 

Bereits im Vorfeld habe ich Kardinal Woelki über diesen Schritt informiert und ihn gebeten, mich vom heutigen Tag an bis zu einer Entscheidung aus Rom von meinen bischöflichen Aufgaben freizustellen. Dies ist im Rahmen der heutigen Pressekonferenz auch erfolgt.»


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