Die Frau, die für zwei Päpste gekocht hat

Papst Benedikt mit Lidia Bastianich
Foto: Vatican Media
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Was würden Sie zubereiten, wenn man Sie einladen würde, für den Papst zu kochen? Die Köchin Lidia Bastianich musste sich zweimal dieser Frage stellen. Einmal im Jahr 2008 und dann wieder 2015 – mit anderen Worten: Als Benedikt XVI. und Papst Franziskus die Vereinigten Staaten besuchten.

"Ich erinnere mich lebhaft", erzählt Bastianich im Gespräch mit CNA. "Das war eine außergewöhnliche Erfahrung."

"Als ich gebeten wurde, für Papst Benedikt zu kochen, konnte ich gar nicht glauben, dass das wirklich passiert. Ich erinnere mich, dass ich gelacht und gesagt habe, sicher, Monsignore, das würde ich gerne, aber ist das der Fall?"

Bastianich, 71, ist Köchin, Kochbuchautorin und Gastwirtin. Die italienische Einwanderin, die als junges Mädchen in die Vereinigten Staaten kam, ist Expertin der italo-amerikanischen Küche und hat mehrere Kochsendungen im Fernsehen moderiert. Ihre Memoiren, "My American Dream" sind 2017 erschienen.

Wie alle Aspekte einer Papstreise – auch die vermeintlich "spontanen" – ist die Küche Teil einer aufwändigen Logistik. Die Pläne werden lange vor Beginn der Apostolischen Reise gemacht, und beginnen mit der Bildung eines Teams von Köchen und Kellnern. Dann wird die Speisekarte skizziert – und erst einmal zur Genehmigung an den Vatikan geschickt.

Benedikt XVI.

Als Bastianich erfuhr, dass Benedikts Mutter eine Köchin war, dachte sie sich, dass er bestimmt "einige schöne Erinnerungen an das Essen" seiner Kindheit habe – und an die bayerische Kochkunst wollte sie anknüpfen.

Für Benedikt XVI. waren zwei Mahlzeiten vorgesehen: ein großes Abendessen für den Papst und rund 50 Kardinäle und Bischöfe in der ersten Nacht und am zweiten Abend ein kleineres Abendessen, bei dem auch sein 80. Geburtstag gefeiert werden sollte.

Für das erste große Abendessen gab es Grüne-Bohnen-Salat mit Schafsmilch-Ricotta, eingelegte Schalotten und geröstete Mandeln; Ravioli gefüllt mit Pecorino und Birnen; Risotto mit Brennnesseln, Saubohnen und wildem Lauch; gerösteten Wolfsbarsch an Fingerlingkartoffeln und Endivien-Salat. Und zum Nachtisch: Einen Apfelstrudel mit Honig-Vanille-Eis.

Für das Abendessen, das seinen Geburtstag und seinen dritten Jahrestag als Papst feierte, bereitete Bastianich einen Spargelsalat mit Pecorino vor, Saubohnen und grüne Kichererbsen mit Zitrone und Olivenöl sowie Agnolini – flache, mit Fleisch gefüllte Nudeln in Hühnerbrühe.

Das Hauptgericht war ein Rindfleischgulasch mit einer Beilage aus Bratkartoffeln und Zwiebeln, serviert mit Sauerkraut und einer Rahm-Haube für eine bayerische Note. Auch der Nachtisch war italo-bajuwarisch: Das Dessert bestand aus einer Aprikosen- und Ricotta-Crostata und einem Schokoladen-Haselnusskuchen mit den Worten Tu es Petrus, der mit einer gut 60 Zentimeter hohen Marzipan-Mitra geschmückt war.

Nach dem Essen sagte Benedikt der Köchin, dass das Essen "sehr gut" gewesen sei – und ihn an seine Mutter erinnert habe.

"Ich war so glücklich, dass er das so aß, dass er es genoss, dass es ihn an seine Kindheit erinnerte", sagte sie. "Ich wollte, dass er sich wie daheim fühlt."

Ein besonderer Moment, an den sie sich erinnert, war, als sie seine Geburtstagstorte herausbrachten und Happy Birthday auf Englisch und Italienisch sangen. Sie gaben ihm das Messer, um den Kuchen anzuschneiden, aber als er zögerte, griff Bastianich dazu. "Ich habe ihm tatsächlich geholfen, die Torte zu schneiden!" lachte sie.

Ein weiterer bewegender Moment, so Bastianich, fand nach dem Abendessen statt: Ein Diplomat spielte eine Violinsonate und Benedikt lud das gesamte Küchenpersonal ein, zu kommen, sich hinzusetzen und die Musik mit ihm anzuhören.

Papst Franziskus

Für Papst Franziskus war Bastianichs erster Instinkt, ein argentinisches Thema zu wählen und viel Fleisch zu servieren, aber der Vatikan lehnte ihren ersten Menüvorschlag ab: Franziskus müsse aus gesundheitlichen Gründen leichtere Kost zu sich nehmen.

Stattdessen konzentrierte sie sich auf seine norditalienische Herkunft und bereitete Tomaten mit Burrata vor, gedämpften Hummer, Kapaunensuppe mit Grana Padano-Raviolini, Kalbsmedaillons Boscaiola, Steinpilzen, Mais und frischen Tomaten sowie Traubensorbet und einen Angel Cake – ein amerikanischer Biskuit-Kuchen in Gugelhupf-Form – für sein erstes Abendessen in New York zu.

Bastianich und ihre Mitarbeiter waren auch für die Vorbereitung des päpstlichen Frühstücks zuständig, obwohl er eigentlich nur Toastbrote, Tee und frischen Orangensaft wollte. Und auf sein Nachtkästchen legten sie ihm neben Wasser und einer Banane auch ein paar Süßigkeiten: "Ich habe auch ein paar Kekse gebacken. Ich sollte nicht, aber ich habe ein paar Kekse gebacken."

Das Mittagessen am Freitag bestand aus einer Gemüseplatte mit Ricotta, einem Risotto mit Steinpilzen, Sommertrüffeln und Grana Padano Riserva sowie gerösteten Birnen und Trauben zu einem Nachtisch mit Vanilleeis.

Beim Abendessen servierten sie Papst Franziskus ein Gericht aus Ravioli, die mit Birne und mit Schafskäse gefüllt waren, dazu einen gereiften Schafskäse, als Hauptgang einen gerösteten Wolfsbarsch, Sommergemüse mit nativem Olivenöl und Zitronensaft. Als Nachtisch gab es Apfelcrostata mit Honig-Eis.

Nach dem Mittagessen am Freitag ging er sich in seinem Zimmer ausruhen, sagte sie. Die Mitarbeiter waren in der Küche und machten eine Kaffeepause und diskutierten ihre Pläne für die nächste Mahlzeit, als sie plötzlich das Sicherheitspersonal des Papstes kommen hörten und die Rufe "Papa, Papa! Der Papst kommt."

"Und plötzlich sehen wir [Papst Franziskus] in die Küche kommen", sagte sie. "Und er sah hinein und sagte: "Posso avere un caffe, per favore?" - "Kann ich bitte einen Kaffee haben?"

"Er trank seinen Espresso und sprach mit uns. Er verbrachte gut 20 Minuten mit uns in dieser einfachen Küche, wir in unserer Kochkleidung. Es war so intim, so wunderbar."

Bevor er ging, erzählt sie, dass der Papst "in seine Tasche griff und einen Rosenkranz für jeden von uns herauszog und ihn uns überreichte, sagte: 'Pregate per me', betet für mich".

Ihr katholischer Glaube

Bastianich ist von Geburt an Katholikin. Das persönliche Gebet sei ihr sehr wichtig. "Ich spüre das immer mehr.... Ich muss mit Gott sprechen, weil ich seine Führung brauche", erzählt die Köchin.

Eine besondere Hingabe habe sie an die Madonna von der Wundertätigen Medaille, die sie jeden Tag trage.

"Obwohl ich im kommunistischen Jugoslawien aufgewachsen bin, war der Glaube immer ein Teil von mir, ich war immer gläubig", sagt sie. Leider konnte ihre Familie zu dieser Zeit nicht zur Messe gehen und sie musste heimlich getauft werden. Ihre Großmutter lehrte sie und ihren Bruder Gebete.

Als sie 10 Jahre alt war, floh Bastianichs Familie zurück nach Italien und wanderte schließlich in die USA aus.

Ein Wohltäter bezahlte ihr den Besuch einer katholischen Schule, die von einem Orden geleitet wird: Dort habe sie – von den Nonnen - wirklich zwei Jahre lang die Grundlagen des katholischen Glaubens beigebracht bekommen. Während dieser Zeit kochte sie auch mit den Schwestern in der Küche der Schule.

Die Jahre der eigenen Bedürftigkeit, als manchmal sogar das Essen knapp war, haben ihr ein größeres Bewusstsein dafür gegeben, bedürftigen Menschen zu helfen", sagt sie – aus Dankbarkeit zu Gott. "Er hat mir so viel gegeben, aber was Er mir gegeben hat, gehört mir nicht, ich muss es teilen, und Er muss mir zeigen, wie ich das, was Er mir gegeben hat, mit anderen teilen kann."

Sehen Sie sich das Interview von EWTN News Nightly mit Lidia Bastianich in englischer Sprache an:

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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