"Economy of Francesco": Ein vatikanisches "Davos" mit Jeffrey Sachs?

Jeffrey Sachs beim "2018 Global Citizen Festival: Be The Generation" in New York.
Foto: Lev Radin/Shutterstock

Der Wirtschaftswissenschaftler Jeffrey Sachs ist erneut als prominenter Redner auf einer Veranstaltung des Vatikans aufgetreten. 

Das berichtet die Catholic News Agency (CNA).

Sachs, der in den letzten Jahren an zahlreichen Veranstaltungen im Vatikan teilgenommen hat, ist ein Verfechter von "Bevölkerungskontrolle". Er setzt sich für die Bereitstellung von Verhütungsmitteln in Entwicklungsländern sowie UN-Initiativen ein, die eine weltweite Legalisierung von Abtreibung fordern.

Am gestrigen Donnerstag sprach Sachs zu jungen Teilnehmern zum Thema Kindeswohl. 

"Das UN Sustainable Development Solutions Network, das ich leite, erstellt jedes Jahr anhand von Umfragedaten eine Reihe von Indizes für Ziele der nachhaltigen Entwicklung", sagte Sachs auf dem vom Vatikan gesponsorten Event am 19. November 2020.

"Wir haben viele Indizes und Indikatoren zum Thema Kindeswohl, die einen Beitrag leisten können ... die Indikatoren werden uns echte Informationen liefern, die von Regierungen und Politikern eingebracht werden können", sagte er Teilnehmern der Online-Diskussion mit dem offiziellen Titel "Freude perfektionieren: drei Vorschläge, um das Leben zum Blühen zu bringen". 

Sachs, ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und UN-Berater, war in den letzten 24 Monaten auf mindestens sechs Konferenzen des Vatikans als Redner eingeladen. Der Professor hielt Vorträge zu vielen Themen, von Bildung bis Ethik.

Sachs nahm auch an der Amazonas-Synode im Oktober 2019 teil, bei der er "über die große Gefahr der Umweltzerstörung im Amazonasgebiet, einschließlich der Entwaldung und der massiven Waldbrände" sprach, erklärte Sachs in einem Interview Anfang des Jahres gegenüber CNA.

Sachs engagiert sich für eine weltweite Verbreitung von Empfängnisverhütungsmitteln – eine Sichtweise, die im Widerspruch zur Katholischen Soziallehre und zur Position der Kirche in den aktuellen Diskussionen über wirtschaftliche Entwicklung und Umweltverantwortung steht.

Im Februar fragte CNA Bischof Marcelo Sánchez Sorondo, Kanzler der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, warum die Akademie Sachs so häufig auf Vatikan-Konferenzen eingeladen hat.

"Weil er das Lehramt der Kirche und das Lehramt von Papst Franziskus in die Wirtschaft integriert, indem er die menschliche Person und das Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellt", behauptete der Bischof.

(Bischof Sorondo hat bekanntlich auch mit seinen überraschenden Aussagen über China Aufsehen erregt.)

Konfrontiert mit Aussagen von Sachs über eine "Senkung der hohen Fruchtbarkeitsraten" in ärmeren Ländern antwortete Sorondo, Sachs habe diese doch im Jahr 2011 getan. "Jetzt hat er seine Meinung geändert", behauptete der argentinische Bischof.

Doch im Oktober 2019 sprach Sachs erneut öffentlich über seine Ziele. Es gehe darum, "Mädchen ausbilden, die Geburtenraten senken, Frauen in den Arbeitsmarkt einbringen. Das gilt für jedes Land, jede Religion", sagte Sachs wörtlich gegenüber der Agentur "Reuters".

Als "vatikanisches Davos" wird die digitale Veranstaltung bezeichnet, die unter dem offiziellen – offenbar absichtlich zweisprachigen – Titel "Economy of Francesco" dieser Tage vom Vatikan abgehalten wird.

Bis zum morgigen Samstag wird auf der digitalen Veranstaltung über "nachhaltiges Unternehmertum" diskutiert. 

Der Verzicht auf ein Treffen von Teilnehmern in Assisi, wie ursprünglich geplant, wurde nicht aus Rücksicht auf die Umwelt bewußt gewählt, sondern ist eine Folge der Covid-19-Pandemie. Gesprochen wird unter anderem über Themen wie "policies for happiness" oder "Co2 der Ungleichheit", "Business und Frieden" sowie "Wirtschaft ist weiblich", so "Vatican News". 

Zum Abschluss des Events, an der im Titel erwähnte "Francesco" nicht persönlich teilnimmt, soll der Papst eine Videobotschaft beisteuern.

Gesponsert wird die Veranstaltung vom "Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen" des Vatikans. Veranstalter sind unter anderem die Diözese Assisi und "Economia di Comune".

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