"Ein Mittel, die Menschen in Angst zu halten": Chinesische Katholiken über Festnahme Zens

Kardinal Joseph Zen
Foto: Yung Chi Wai Derek/Shutterstock

Chinesische Katholiken vom Festland betrachten die Festnahme von Kardinal Joseph Zen in Hongkong in dieser Woche als einen Akt der Einschüchterung und als ein Signal der Behörden, dass sich die Lage weiter verschlechtern wird.

"Das ist ein Mittel, die Menschen in Angst zu halten", sagte Peter, ein chinesischer Katholik, am 11. Mai gegenüber CNA.

Peter, dessen Name zum Schutz seiner Identität geändert wurde, sagte, dass er die Wahl von John Lee zum neuen Chef der Exekutive von Hongkong am 8. Mai als Hauptgrund für die Verhaftung des 90-jährigen katholischen Kardinals und anderer Unterstützer der Demokratie sieht.

Es handelt sich um eine Geste Lees, "die zeigt, dass er der [Komunistischen] Partei gegenüber loyal ist und gegen die Kräfte, die gegen die Partei sind, hart vorgehen wird".

"Er will also zeigen, dass er Peking gegenüber loyal ist und gleichzeitig, dass er ein Mann der Tat ist", sagte er und stellte fest, dass es ein chinesisches Sprichwort gibt, das ungefähr so lautet: "Ein neuer Gouverneur muss seine Muskeln und seine Stärke zeigen."

Lee, der katholisch getauft ist, war früher Hongkongs Sicherheitschef und spielte laut Eurasia Group "eine führende Rolle bei der Niederschlagung der Pro-Demokratie-Proteste".

Er wird seine fünfjährige Amtszeit offiziell am 1. Juli antreten. Lee ist Nachfolger von Carrie Lam, ebenfalls Katholikin, die das Amt seit 2017 innehatte.

"Das sagt wahrscheinlich voraus, dass Hongkong in Zukunft weniger frei und mehr kontrolliert werden wird", sagte Peter. "Und die katholische Kirche in Hongkong als organisierte Institution wird sorgfältig und genau beobachtet werden."

Andere chinesische Katholiken äußerten sich sowohl besorgt als auch traurig über die Verhaftung Zens.

"Kardinal Zen ist als eine Stimme der Wahrheit bekannt", sagte ein anderer chinesischer Katholik gegenüber CNA mit der Bitte, anonym zu bleiben.

Die Quelle sagte, dass der Kardinal als jemand angesehen wird, der sich nicht scheut, zu sagen, was in der katholischen Gemeinschaft passiert, insbesondere in Bezug auf die Untergrundgemeinde auf dem Festland, anstatt zu wiederholen, was ihm jemand anderes gesagt hat", wie es bei anderen Klerikern der Fall sein kann.

Zen wurde 1932 in Shanghai in eine katholische Familie hineingeboren, in den Jahren des Aufstands der Kommunistischen Partei Chinas gegen die nationalistische Regierung Chinas.

Im Alter von 16 Jahren floh er aus Shanghai nach Hongkong, ein Jahr vor der kommunistischen Revolution in China 1949.

Nach der Gründung der Volksrepublik China wurden viele Katholiken verhaftet, weil sie sich weigerten, den Kampagnen der Regierung zur Beseitigung des ausländischen Einflusses und zur Verstaatlichung von Privatschulen zu folgen. China brach 1951 die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl ab.

Zen wurde 1961 zum Salesianerpriester geweiht und diente später als Provinzoberer der Salesianer in China. Von 1989 bis 1996 unterrichtete er Philosophie und Theologie in den Seminaren des Landes.

Johannes Paul II. ernannte ihn 1996 zum Koadjutor-Bischof von Hongkong, ein Jahr vor der Übergabe der britischen Kolonie Hongkong an China. Zen wurde 2002 Bischof der Diözese, ein Amt, das er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2009 innehatte.

Als emeritierter Bischof war Zen ein entschiedener Befürworter der Demokratie und der bürgerlichen Freiheiten in Hongkong und ein scharfer Kritiker des 2018 unterzeichneten vorläufigen Abkommens zwischen dem Vatikan und den chinesischen Behörden.

In einem Blogbeitrag im Jahr 2018 bezeichnete der chinesische Kardinal das Abkommen zwischen dem Vatikan und China als "Selbstmord" und eine "schamlose Kapitulation" des Vatikans vor Peking.

Nachdem Peking im Juni 2020 sein nationales Sicherheitsgesetz über Hongkong verhängt hatte, sagte Zen gegenüber CNA, dass die Katholiken, die aufgrund der Bestimmungen des neuen Gesetzes verhaftet wurden, "einfach die Soziallehre der Kirche in die Praxis umsetzen."

"In diesem Moment bedeutet Demokratie Freiheit und Menschenrechte, Menschenwürde", sagte Zen.

Der Kardinal wurde am 11. Mai, wenige Stunden nach Bekanntwerden seiner Festnahme, gegen Kaution freigelassen.

Eric Yan-ho Lai, ein katholischer Wissenschaftler aus Hongkong, der derzeit Stipendiat am Georgetown Center for Asian Law ist, schrieb in den sozialen Medien, die Verhaftung von Kardinal Zen erinnere an die Verfolgung katholischer Geistlicher nach der kommunistischen Revolution in China.

Zens Festnahme erinnere "an die Verhaftung von Kardinal Kung Pin-mei, der von der Kommunistischen Partei ins Gefängnis gesteckt wurde, weil er sich weigerte, sich der staatlichen Kontrolle der Kirche in den 1950er Jahren zu unterwerfen".

Damals wies Papst Pius XII. in seiner Enzyklika Evangelii praecones 1951 auf das Leiden der Katholiken in China hin.

Der Papst schrieb: "Wir haben erfahren, dass viele Gläubige und auch Nonnen, Missionare, einheimische Priester und sogar Bischöfe aus ihren Häusern vertrieben wurden, ihres Besitzes beraubt wurden und als Exilanten darben oder verhaftet, ins Gefängnis oder in Konzentrationslager geworfen oder manchmal grausam zu Tode gebracht wurden, weil sie ihrem Glauben treu ergeben waren".

"Unser Herz ist von Trauer überwältigt, wenn Wir an die Not, das Leiden und den Tod dieser unserer geliebten Kinder denken."

In Hongkong sagte eine Person, die zum Zeitpunkt von Zens Verhaftung in einer Kirche betete, gegenüber AFP, dass Katholiken befürchten, dass die Religionsfreiheit in Hongkong in Zukunft unterdrückt werden könnte.

AFP zitierte den in Hongkong lebenden italienischen Missionar Franco Mella mit den Worten: "Die Festnahme von Kardinal Zen ist ein Schlag für die gesamte Kirche in Hongkong, China und der Welt."

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Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur.