Eleganti: Krise der Kirche muss schonungslos aufgeklärt werden (Bericht und Video)

Weihbischof fordert im EWTN-Interview unter anderem ehrlichen Umgang mit Homosexualität und Frage einer 'Subkultur': 'Wäre, glaube ich, blind zu leugnen, dass wir da nicht ein Problem haben in der Kirche'

Weihbischof Eleganti im Interview mit Robert Rauhut und Pia Cagianut beim Weltfamilientreffen in Irland.
Foto: Youtube / Screenshot / EWTN.TV
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Eine schonungslose, unabhängige Aufklärung der Ursachen der Missbrauch- und Vertuschungskrise, auch mit Blick auf die Frage nach einer angeblichen "homosexuellen Subkultur" in der Kirche: Das hat Weihbischof Marian Eleganti OSB von Chur gefordert.

Mit Blick auf die Krise der Kirche könne man nun "gar nicht genug ehrlich und wahrhaftig sein", so Eleganti n einem weitreichenden Interview mit Pia Cagianut und Robert Rauhut beim katholischen Fernsehsender EWTN.TV am Rande des Weltfamilientreffens in Dublin.

Auch Bischöfe und Papst müssten eine unabhängige Untersuchung aushalten, um Ausmaß und Ursachen der Krise aufzudecken und zu heilen, forderte der Schweizer Hirte. Dabei dürfe man nicht ignorieren, dass die Homosexualität im Missbrauchskandal der Kirche eine Rolle spiele, so der langjährige Jugendbischof, der gleichzeitig betonte, wie wichtig und positiv es sei, dass mittlerweile Menschen mit homosexuellen Neigungen mit großem Respekt angenommen und nicht gerichtet würden.

Auf die Frage von Pia Cagianut, welche konkreten Konsequenzen die Kirche aus der Krise ziehen müsse, die zuletzt der Missbrauchsbericht aus Pennsylvania ausgelöst habe, antwortete Eleganti: "Wie in allen Dingen: Sie muss in der Wahrheit sein". Schließlich habe bereits Jesus gesagt, dass alles was verborgen ist, ans Licht komme

"Ich stehe immer vor Gott, auch wenn ich ganz verborgen lebe. Und so wie ich im Verborgenen lebe, so muss ich auch ans Licht kommen."

Wo dies in der Kirche nicht der Fall war, so Eleganti weiter, müsse diese geschaffen werden, betonte der Benediktiner und Bischof.

"Sonst gibt es keine Heilung".

Manchmal müsse eine "große hässliche Wunde" eben auch platzen und "durch die Offenlegung der Wunde können die Ärzte dann nach Heilmitteln suchen. Das kann wehtun. Und diesen Prozess muss die Kirche durchstehen", sagte der Hirte gegenüber EWTN.

"Man kann jetzt gar nicht genug ehrlich und wahrhaftig sein."

Auf die Frage, wie das konkret so umgesetzt werden könne, damit Laien wieder Vertrauen schenken können, sagte der Weihbischof, unabhängige Personen müssten alles untersuchen, auch "wie die Netzwerke waren, warum man das gedeckt hat, warum nicht kommuniziert, nicht gehandelt wurde.

"Wir müssen objektive Kommissionen schaffen". Nicht die Institution könne sich selber untersuchen: "Das ist zu wenig glaubwürdig."

"Wir alle müssen das aushalten", so Eleganti, "auch die Bischöfe, auch der Papst".

Es sei "sicher eine große Reinigung und eine innere Erschütterung", doch diese sei notwendig und es sei allemal besser, dass die Dinge jetzt offenbar werden, und dass eine Reinigung geschieht".

Johannes Paul II. habe im Jahr 2000 von der Reinigung des Gedächtnisses der Kirche gesprochen, von den Sünden der Kirchengeschichte, fuhr Eleganti fort, "und so eine Reinigung passiert jetzt auch mit den Sünden der jüngsten Kirchengeschichte in diesem jetzt wirklich sehr schmerzlichen Zusammenhang, dessen Ausmaß wahrscheinlich wir alle unterschätzt haben".

Auf die Frage von Robert Rauhut, welche Rolle dabei aus seiner Sicht eine "homosexuelle Subkultur" spiele – diese hatte unter anderem Bischof Robert Morlino von Madison in einem Hirtenbrief scharf kritisiert – sagte Weihbischof Eleganti: "Da ist sehr sehr viel geschehen seit den [19]68ern; wenn ich zurückdenke, wie sich da die Einstellung gegenüber der Homosexualität liberalisiert, verändert hat".

Es sei "sehr positiv, dass wir alle Menschen, mit großem Respekt annehmen und jedem Menschen begegnen, ohne zu richten", betonte Eleganti. Schließlich müsse man jeden Menschen in seiner Würde achten. "Und dass Menschen sich nicht verstecken müssen. Das finde ich positiv. Aber der Skandal, der Missbrauchskandal zeigt halt doch: Es hängt mit der Homosexualität zusammen", so der Weihbischof.

"Wenn man die Ergebnisse anschaut, in Pennsylvania, mit den 300 Priestern, muss man, habe ich gelesen, doch sagen: 90 Prozent stehen in einem direkten Zusammenhang mit einer homosexuellen Veranlagung und Neigung", fuhr Eleganti fort. Es seien primär Heranwachsende, Teenager, Seminaristen gewesen, die Opfer dieser Übergriffe waren.

Der Weihbischof wörtlich gegenüber EWTN: "[E]s wäre, glaube ich, blind zu leugnen, dass wir da nicht ein Problem haben in der Kirche mit der Homosexualität, und dass die Homosexualität da eine Rolle spielt."

Eleganti weiter: "Und vielleicht bringt uns das auch wieder ein bisschen mehr zu einer neuen Nüchternheit; bevor wir einfach die Homosexualität als eine ebenso wertvolle Variante der Schöpfung anschauen wie die heterosexuelle Ehe. Dass wir eben doch sehen, dass da noch ganz andere Dinge mit im Spiel sind, denen wir uns stellen müssen". 

Auch Papst Franziskus habe vor kurzem gesagt, dass Menschen mit einer tiefsitzenden homosexuellen Neigung nicht ins Priestertum, nicht ins Seminar aufgenommen werden sollten. "Solche Aussagen müssten auch zur Kenntnis genommen werden", so Eleganti, "weil Franziskus hier ja auch aus einer ganz konkreten Situation heraus redet und viele Hintergrundinformationen hat."

Hier der Video-Ausschnitt des Interviews zum Thema bei EWTN.TV:

(Letzte Aktualisierung 25. August 2018, 20:55 Uhr)

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