Eritrea: Regierung beschlagnahmt kirchliche Krankenhäuser

Mütter mit Kindern an der Tür der Kathedrale der eritreischen Hauptstadt Asmara
Foto: Kirche in Not
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In Eritrea ist es Mitte Juni zu einer neuen Eskalation im Verhältnis von Staat und christlichen Kirchen gekommen. Soldaten beschlagnahmten 21 von der eritreisch-katholischen Kirche geführte Kliniken, Arztstationen und Gesundheitseinrichtungen. Diese versorgen insgesamt rund 170 000 Personen.

Die Patienten seien aufgefordert worden, ihre Betten zu verlassen, teilten Ansprechpartner, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchten, dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk "Kirche in Not" mit. Das Klinik-Personal habe sich teilweise geweigert, die Schlüssel auszuhändigen. Die Soldaten hätten sich daraufhin gewaltsam Zugang verschafft.

Sollte der Klinikbetrieb nicht bald wiederaufgenommen werden, bestehe für viele Menschen Lebensgefahr, teilen die Ansprechpartner weiterhin mit. Manche von ihnen müssten ohnehin bis zu 25 Kilometer zu Fuß gehen, um einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen zu können.

"Kirchliche Mitarbeiter der Verfolgung ausgesetzt"

Die vier katholischen Bischöfe der eritreisch-katholischen Kirche richteten ein Protestschreiben an die Gesundheitsministerin Amna Nurhusein. Das Vorgehen gegen kirchliche Gesundheitseinrichtungen, von denen einige bereits 70 Jahre betrieben werden, sei "zutiefst ungerecht". "Der Kirche diese Einrichtungen wegzunehmen, bedeutet, ihre Existenzgrundlage zu untergraben und ihre Mitarbeiter der Verfolgung auszusetzen", erklärten die Bischöfe.

Ein anonymer Informant erklärte gegenüber "Kirche in Not" die möglichen Hintergründe: Die Regierung Eritreas wolle der einzige Anbieter medizinischer Fürsorge seien. Die staatlichen Einrichtungen seien jedoch häufig schlecht ausgerichtet, und es stehe wenig Personal zur Verfügung. Deshalb würden die kirchlichen Gesundheitseinrichtungen von der Mehrzahl der Bevölkerung geschätzt.

Sieht der Staat die Kirche als Konkurrenz?

"Wenn die Kirche Gesundheitsdienste erbringt, konkurriert sie nicht mit dem Staat, sondern ergänzt nur die Arbeit der Regierung", teilte der Ansprechpartner mit. Ob die Kliniken und weiteren Einrichtungen in naher Zukunft wieder öffnen könnten, sei ungewiss. Das Regime habe vor zwei Jahren schon einmal private Gesundheitseinrichtungen beschlagnahmt – diese seien bis heute geschlossen. Die Kontaktperson appellierte an die internationale Gemeinschaft, die Regierung von Präsident Isaias Aferweki aufzurufen, den Weg zur Versöhnung einzuschlagen.

Eritrea wird seit 1993 diktatorisch regiert. Eine Verfassung mit Garantie der Religionsfreiheit wurde zwar ausgearbeitet, ist aber bis heute nicht in Kraft getreten. Das Regime erkennt neben dem Katholizismus nur zwei weitere christliche Konfessionen und den sunnitischen Islam an. Christen machen etwa 46 Prozent der Bevölkerung Eritreas aus.

Immer wieder kommt es zu staatlichen Repressionen gegen die Religionsgemeinschaften. Internationale Beobachter werfen dem Land auch Menschenrechtsverletzungen vor, die jährlich Tausende in die Flucht treiben. Im Januar 2018 wurde das Land aufgrund der erheblichen Missachtung der Religionsfreiheit vom US-Außenministerium in die Liste der "besonders gefährdeten Länder" aufgenommen.

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