Erster Tag der Verhandlung gegen Ex-Kardinal: McCarrick plädiert "nicht schuldig"

Ex-Kardinal McCarrick auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung am 3. September 2021.
Foto: Joe Bukuras / CNA Deutsch

Der ehemalige Kardinal Theodore McCarrick plädierte am Freitag bei seinem ersten Auftritt vor einem Gericht in Massachusetts auf "nicht schuldig". Er wird mehrerer sexueller Übergriffe beschuldigt.

McCarrick, mittlerweile 91 Jahre alt, wurde drei Fällen unsittlicher Übergriffe auf eine Person über 14 Jahren angeklagt. Die Taten sollen in den 1970er Jahren begangen worden sein. Auf jede der drei Anklagen steht eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis.

Der einst einflußreiche Kirchenmann erschien am Freitag in Begleitung seiner Anwältin Katherine Zimmerl von der Kanzlei Coburn & Greenbaum zu seiner Anklageverlesung im Bezirksgericht Dedham. 

Unter den von Richter Michael J. Pomarole festgelegten Bedingungen darf der notorische Ex-Kleriker die Vereinigten Staaten nicht verlassen und muss seinen Reisepass abgeben. Er darf keinen Kontakt zu Personen unter 18 Jahren haben.

McCarrick, einst ein hochrangiger US-Prälat, trat im Juli 2018 vom Kardinalskollegium zurück, nachdem die Erzdiözese New York den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Teenagers als "glaubwürdig" eingestuft hatte. Im Februar 2019 entließ Papst Franziskus McCarrick aus dem Klerikerstand, nachdem eine kirchenrechlichte Untersuchung ihn der für schuldig befunden hatte.

"Die heutige Anklageverlesung gibt vielen Opfern und Überlebenden von sexuellem Missbrauch durch Geistliche Hoffnung, dass die Gerechtigkeit siegen wird, dass die Wahrheit gesagt wird und dass die Kinder in Sicherheit sind", sagte Mitchell Garabedian, Anwalt des mutmaßlichen Opfers von McCarrick, nach der Anklageverlesung am Freitag.

"Mein Mandant, ein tapferer Betroffener sexuellen Missbrauchs durch Geistliche, ist stark und dazu bereit, Kardinal McCarrick vor Gericht gegenüberzutreten und den gesamten Prozess durchzustehen", saraversicherte Gabadian. "Dieser Tag ist für meinen Mandanten sehr emotional. Er hat seit Jahrzehnten auf diesen Tag gewartet. Und er befindet sich gerade auf einer emotionalen Achterbahnfahrt."

Auf die Frage von Reportern, ob sein Mandant mit der Presse sprechen würde, antwortete Garabedian: "Nein, zu diesem Zeitpunkt nicht."

McCarricks nächster Gerichtstermin ist der 28. Oktober, und seine Kaution wurde auf 5.000 Dollar festgesetzt.

Der Fall von "Onkel Ted", der immer wieder beschuldigt worden ist, Minderjährige und junge Männer sexuell belästigt zu haben, bis hin zu Vergewaltigungsvorwürfen und Missbrauch im Beichstuhl, gilt als Schlüsselskandal der Kirchenkrise, wie CNA Deutsch ausführlich berichtet und immer wieder analysiert hat: Wie konnte ein Mann wie McCarrick jemals Priester, geschweige denn Bischof und Kardinal werden?

Der bevorstehende Prozess gegen McCarrick "hat einen enormen symbolischen Wert für die katholische Kirche", so Sara Larson, Geschäftsführerin von Awake Milwaukee, einer Organisation in Wisconsin, die sich zum Ziel gesetzt hat, die "ganze Realität des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche" anzusprechen und die Heilung in der Erzdiözese Milwaukee zu fördern, wo die Gruppe ihren Sitz hat.

Gegenüber dem katholischen Portal "The Pillar" sagte sie: "Viele Überlebende, die ich kenne, kämpfen damit, die Hoffnung nicht aufzugeben, dass sich die Dinge in der Kirche und in unserer Gesellschaft jemalseinmal wirklich ändern werden".

Dass McCarrick nun vor Gericht wenigstens mit seinen Taten konfrontiert werde, stelle "einen Hoffnungsschimmer" dar, so Larson, "dass sich die Dinge vielleicht in die richtige Richtung bewegen, dass Macht und Geld die Kirchenführer nicht länger vor den Konsequenzen ihres Handelns schützen".

Für Betroffene sexueller Gewalt durch Kleriker sind Medienberichte über Missbrauch dennoch eine Belastung. 

Joe Bukuras und Christine Rouselle trugen zur Berichterstattung bei.

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