Hong Kong: Katholiken sollten "führende Rolle" bei Protesten spielen

Demonstranten mit Plakaten in Chartered Garden, Hong Kong, am 16. August 16, 2019.
Foto: Anthony Kwan/Getty Images
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Katholiken und andere Christen sollten gemeinsam eine führende Rolle bei den andauernden Protesten in Hong Kong spielen, auch und gerade angesichts der Gefahr weiterer Eskalation: Das fordert der amtierende Präsident des Katholischen Studentenbunds von Hong Kong.

Dafür gebe es mehrere Gründe, betonte Edwin Chow gegenüber CNA.

Zum einen stelle diese "Protest-Bewegung eine große Chance für Katholiken und [Protestanten] dar, besser zusammenzuarbeiten", so Chow, der Politologie an der Hong Kong Baptist University studiert.

"Es ist eine Chance für uns, uns zu vereinen. Denn ich denke, die meisten Katholiken und anderen Christen teilen die gleichen Werte, haben das gleiche Ziel...deshalb arbeiten wir auch zusammen".

Gemeinsam stark sein: Das sei das eine Ziel dieser Ökumene im Protest, betont Chow. Es ist jedoch nicht das einzige.

Hunderttausende Demonstranten in Hongkong haben gegen die Pläne der Regierung demonstriert, Auslieferungen an das chinesische Festland zuzulassen, wo kommunistische Gerichte mutmaßliche Straftäter vor Gericht stellen würden - ein Plan, der seit Juni auf unbestimmte Zeit ausgesetzt ist.

Seit der Aussetzung des Gesetzes haben die Demonstranten auch gegen eine übermäßige Gewaltanwendung durch die Polizei protestiert, einschließlich der Verwendung von Gummigeschossen und Tränengas, die zu Verletzungen geführt haben.

Der Apostolische Administrator des Bistums Hongkong, Kardinal John Tong, hat die Regierung aufgefordert, das Auslieferungsgesetz vollständig aufzuheben und eine unabhängige Untersuchung über die übermäßige Anwendung von Gewalt durch die Hongkonger Polizei durchzuführen.

Christen hätten zu Beginn der Proteste eine wichtige und prominente Rolle gespielt, so Studentenführer Chow. Sie seien singend durch die Straßen gezogen. Doch inzwischen habe die christliche Präsenz an Profil verloren, während sich andere Gruppierungen radikalisiert hätten.

Grund dafür sei, dass die kommunistischen Machthaber in Peking selbst nach den Märschen im Juni, an denen mehr als eine Million Demonstranten beteiligt waren, in keiner Weise auf die Forderungen der Demonstranten eingingen.

Dadurch sei enormer Frust entstanden, der das Risiko auf Gewalt und Straftaten erhöhte.

"Ich denke, die christlichen Gruppen, und die katholischen Gruppen, sollten mehr an den Protesten teilnehmen, um eine führende Rolle zu übernehmen, denn ich denke, dass die Proteste heutzutage radikaler werden und die Menschen sehr emotional sind", so Chow zu CNA.

In dieser Situation könnten christliche Gruppen eine wichtige, ausgleichende Rolle spielen.

Auch ältere Katholiken unterstützten dieses Anliegen, betonte Weihbischof Joseph Ha Chi-shing. 

Der Bischof ist aktiver Begleiter der Proteste und unterstützt die Anliegen der christlichen Demonstranten. Unter anderem nahm er an einer ökumenischen Gebetsnacht mit tausenden Demonstranten vor dem Regierungsgebäude in Hong Kong teil.

"Es sind nicht nur die katholischen Teenager, die sich engagieren, auch ältere, Erwachsene, machen mit und bringen sich bei den Protesten ein".

Der Unternehmer Henry Au, der im Aufsichtsrat der Irischen Handelskammer in Hong Kong sitzt, ist einer dieser Katholiken. Er sagte gegenüber CNA, er habe an einigen Protestmärschen teilgenommen, unterstütze aber auch hinter den Kulissen aktiv die Demonstranten.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original

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