Indischer Kardinal bestreitet Vertuschung zum Schutz eines Bischofs

Kardinal Oswald Gracias ist Erzbischof von Bombay am 22. Oktober 2015.
Foto: CNA / Daniel Ibanez

Der indische Kardinal Oswald Gracias hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe versucht, einen gefälschten Vaterschaftstest für einen skandalgeplagten Bischof zu arrangieren, der unter anderem beschuldigt wurde, ein Kind gezeugt zu haben.

In einer Videoerklärung, die am Sonntag auf dem YouTube-Kanal der Erzdiözese Bombay veröffentlicht wurde, sagte Gracias, die Aufnahme eines Telefongesprächs mit Bischof Kannikass Antony William von Mysore aus dem Jahr 2020 sei "böswillig bearbeitet" worden, um den Eindruck zu erwecken, der Kardinal habe versucht, den Skandal zu vertuschen.

Die fragliche Aufnahme, die ursprünglich von der Internetseite Church Militant veröffentlicht worden war, zirkulierte laut verschiedenen Berichten in den sozialen Medien unter indischen Katholiken.

In dem Video sagte Gracias, er sei "erschüttert" gewesen, als er von den Gerüchten erfuhr, die er "kategorisch, nachdrücklich und vollständig" dementierte.

Er sagte, eine unbearbeitete Version des aufgezeichneten Gesprächs würde zeigen, dass er versucht habe, einen Vaterschaftstest in einem angesehenen katholischen Krankenhaus zu arrangieren.

"Ich hatte im August 2020 ein Gespräch mit Bischof William. Während des Gesprächs drängte ich Bischof William, dass es ratsam sei, einen Vaterschaftstest zu machen. Ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass mehrere Leute, die ich kenne, von den Gerüchten, die in der Kirche kursieren, beunruhigt sind und dass die beste Möglichkeit, die Kontroverse zu beenden, darin besteht, diesen Test zu machen", sagte er.

"Zu keinem Zeitpunkt habe ich angedeutet, dass wir das Ergebnis des Tests kontrollieren können", so Gracias.

Gracias wurde 2006 von Papst Benedikt XVI. zum Erzbischof von Bombay ernannt und 2007 in den Kardinalsstand erhoben. Papst Franziskus berief ihn 2013 in den Kardinalsrat.

Im Jahr 2021 leitete der Vatikan eine Untersuchung zu den Vorwürfen des Fehlverhaltens von William ein, dem Bischof, der beschuldigt wird, ein Kind gezeugt zu haben. Die Untersuchung, die bisher zu keinen Maßnahmen seitens des Vatikans geführt hat, wurde durch einen Brief von 37 Priestern aus Williams Diözese aus dem Jahr 2019 an Papst Franziskus ausgelöst. In dem Brief forderten die Priester die Absetzung des Bischofs unter Berufung auf Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens und der Veruntreuung von Kirchengeldern.

William wurde später beschuldigt, die sofortige Versetzung der 37 Priester in abgelegene Dörfer veranlasst zu haben.

Im Jahr 2020 schickte der ehemalige Richter Micheal Saldanha aus Mumbai einen Brief an Gracias, in dem er William beschuldigte, in der Diözese Mysore "eine regelrechte Schreckensherrschaft" entfesselt zu haben, wie der Deccan Herald berichtete.

Saldanha beschuldigte den Bischof, für den Tod von vier Priestern verantwortlich zu sein, und zwar durch "zwei Morde, eine Erhängung und einen sogenannten Unfall".

Im Jahr 2021 schrieb eine Gruppe von 113 Personen, darunter 22 Priester, die sich Aktionskomitee zur Rettung der Diözese Mysore nennen, an Kardinal Luis Tagle, den Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, und forderte den Rücktritt von William als Bischof.

Übersetzt und redigiert aus dem Original von Catholic News Agency, der englischsprachigen Partneragentur von CNA Deutsch.

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