"Jeder Katholik muss gegen Rassismus eintreten": US-Bischöfe zum Tod von George Floyd

Hirten riefen zu gewaltlosen Protesten auf, räumen aber gleichzeitig ein, dass die Menschen verständlicherweise empört sind

Ein Demonstrant nach dem Tod von George Floyd
Foto: Matt Gush / Shutterstock

Nach dem Tod von George Floyd haben führende Vertreter der US-Bischofskonferenz erklärt, dass die Bekämpfung des Rassismus eine Pro-Life-Frage ist, die alle Katholiken angeht.

Gerade wer sich Lebensschützer nennt, der muss auch gegen jede Form von Rassismus einstehen, so die katholischen Hirten in einer Stellungnahme am 29. Mai: "Als Bischöfe stellen wir unmissverständlich fest, dass Rassismus ein Thema des Lebensschutzes ist".

"Rassismus gehört nicht der Vergangenheit an oder ist einfach ein politisches Thema, das man einfach bei Bedarf benutzen und über das man nach Belieben herziehen kann. Er ist eine reale und gegenwärtige Gefahr, der man direkt entgegentreten muss", so die Hirten wörtlich.

"Als Mitglieder der Kirche müssen wir einstehen für das, was schwieriger ist, aber recht und gerecht", statt einfach gleichgültig zu reagieren: "Wir können vor diesen Gräueltaten nicht die Augen verschließen und dann so tun, als würden wir uns wirklich zur Achtung jedes menschlichen Lebens bekennen".

Die Erklärung wurde von Bischof Shelton Fabre von Houma-Thibodaux veröffentlicht, dem Vorsitzenden der Kommission gegen Rassismus der US-Bischöfe. Zahlreiche weitere Bischöfe haben sie unterzeichnet.

Der Tod von George Floyd am 25. Mai im Polizeigewahrsam von Minneapolis hat in den USA und weltweit Bestürzung ausgelöst. Ein Video des Vorfalls  wurde im Internet weit verbreitet. Es zeigte den Afro-Amerikaner Floyd, der auf dem Bauch liegend wiederholt "Ich kann nicht atmen" sagte und keuchte, während ein Polizeibeamter fast acht Minuten lang auf seinem Nacken kniete und weitere Beamte in der Nähe standen und zusahen.

Floyd wurde in ein örtliches Krankenhaus gebracht, wo er kurze Zeit später starb. Sein Tod hat in zahlreichen US-Städten zu Protesten geführt, darunter auch zu Unruhen und Plünderungen in Teilen von Minneapolis.

Nach weit verbreiteten Protesten wurde der Polizeibeamte Derek Chauvin verhaftet und am 29. Mai wegen Mordes dritten Grades und Totschlags angeklagt. Sowohl Chauvin als auch die bei Floyds Festnahme anwesenden Beamten wurden von der Polizei von Minneapolis entlassen.

In ihrer Erklärung schreiben die Bischöfe, dass sie "gebrochenen Herzens und empört waren, ein weiteres Video zu sehen, in dem ein afro-amerikanischer Mann vor unseren Augen getötet wurde".

Es sei unglaublich, dass dies "innerhalb weniger Wochen nach mehreren anderen derartigen Vorfällen" geschehen sei.

Die Bischöfe riefen zu gewaltlosen Protesten auf, räumten aber gleichzeitig ein, dass die Menschen verständlicherweise empört sind.

"Zu viele Communities in diesem Land haben das Gefühl, dass ihre Stimmen nicht gehört werden, dass ihre Beschwerden über rassistische Behandlung unbeachtet bleiben, und wir tun nicht genug, um darauf hinzuweisen, dass diese tödliche Behandlung im Widerspruch zum Evangelium des Lebens steht", schreiben sie.

Alle Katholiken müssen gegen die Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema Rassismus vorgehen und sich für dessen Bekämpfung einsetzen, so die Bischöfe.

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