Kandidatur zum Supreme Court der USA: Amy Coney Barrett verspricht "Demut" im Dienst

Die teilweise vehementen, polemischen Reaktionen auf die Kandidatur der Katholikin hat in den USA eine Debatte über Anti-Katholizismus und Religionsfeindlichkeit ausgelöst.

Amy Coney Barrett spricht zur Presse vor dem Weißen Haus am 26. September 2020 in Washington.
Foto: Christine Rousselle / CNA Deutsch

Nach dem Tod von Richterin Ruth Bader Ginsburg in der vergangenen Woche hat Präsident Donald Trump am Samstag wie erwartet Amy Coney Barrett (48) als seine Kandidatin zur Besetzung des vakanten Sitzes am Obersten Gerichtshof der USA vorgestellt.

Das berichtet die "Catholic News Agency", die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.

Trump stellte die praktizierende Katholikin am 26. September kurz nach 17 Uhr bei einer Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses offiziell vor.

Der Präsident sagte, die Nominierung eines Richters des Obersten Gerichtshofes sei eine seiner "wichtigsten Aufgaben".

"Heute ist es mir eine Ehre, einen der brillantesten und begabtesten juristischen Köpfe unserer Nation zu nominieren", sagte Trump und würdigte Barrett als "eine Frau von beispielloser Leistung, überragendem Intellekt, hervorragenden Referenzen und unnachgiebiger Loyalität gegenüber der Verfassung" und als "hervorragend qualifiziert" für den Dienst am höchsten Gericht der Nation.

"Dies ist meine dritte Nominierung dieser Art", sagte Trump, "und es ist in der Tat ein sehr stolzer Moment".

Barrett sagte, sie fühle sich durch die Nominierung "zutiefst geehrt" und bezeichnete den Moment als "eher überwältigendes Ereignis".

"Ich verspreche, die Verantwortung dieses Amtes nach besten Kräften zu erfüllen", versprach sie. "Ich fühle mich durch die Aussicht, am Obersten Gerichtshof zu dienen, wirklich gedemütigt".

Trump zollte auch der verstorbenen Richterin Ruth Bader Ginsburg Tribut: "Die Nation trauert um den Verlust" einer "juristischen Gigantin und einer Pionierin für Frauen", sagte der Präsident.

Auch Barrett würdigte Ginsburg. Die Richterin habe mit "enormem Talent und Durchsetzungsvermögen" den Weg gebahnt für weibliche Richter.

Anti-Katholizismus in Medien und Politik


Barrett, 48, ist derzeit Richterin am siebten Bundesberufungsgerichts der Vereinigten Staaten tätig – eine Rolle, für die Trump sie im Jahr 2017 nominierte. Die teilweise vehementen, polemischen Reaktionen auf die Kandidatur der Katholikin hat in den USA eine Debatte über Anti-Katholizismus und Religionsfeindlichkeit ausgelöst.

Schon vor ihrer offiziellen Kandidatur begann für die praktizierende Katholikin ein regelrechter Spießrutenlauf negativer Berichterstattung weltlicher Medien und Angriffe der politischen Opposition. Die Polemiken waren dabei stellenweise so vehement, dass schwarze und weiße Protestanten und andere christliche Gemeinden gegen die "Verfolgung" öffentlich Einspruch erhoben haben

Die Kritik an der Katholikin ist auch gegen ihre Person gerichtet. Was antikatholische Kommentatoren besonders provoziert: Barrett ist nicht nur praktizierende Gläubige – und unter anderem gegen Abtreibung – sondern auch noch überzeugte Mutter. Sie und ihr Mann haben sieben Kinder, von denen zwei aus Haiti adoptiert wurden. In einem Interview im Jahr 2019 betonte sie, dass Kinder aufzuziehen der Bereich sei, "in dem man den größten Einfluss auf der ganzen Welt" habe, und dass sie sich nichts Größeres vorstellen könne.

Neben der Größe ihrer Familie wurde auch Barretts Verbindung mit der Laienorganisation People of Praise kritisiert. Die Gruppe wurde von manchen US-Medien als "Sekte" bezeichnet. Bischof Peter Smith, ein Mitglied, erklärte gegenüber CNA, dass die Gruppe als Neue Geistliche Bewegung im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahr 1971 gegründet wurde.

Das könnte Sie auch interessieren:

;