Kardinal Koch an Allerheiligen: Gottes endgültiger Advent bei heiligen Menschen

Aus dem Stundenbuch des Louis de Laval (Ausschnitt), um 1480
Foto: Paul Badde / EWTN
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Kardinal Kurt Koch hat am Hochfest von Allerheiligen in der Kirche des Campo Santo Teutonico in der zweiten Vesper eine Ansprache gehalten.

CNA Deutsch dokumentiert den Wortlaut mit freundlicher Genehmigung.

Gottes endgültiger Advent bei heiligen Menschen

In jedem Menschen schlummert eine maßlos zu nennende Sehnsucht nach Erfüllung und Vollendung seiner tiefsten Lebenshoffnungen. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir diese maßlose Sehnsucht in unserem Herzen anerkennen. Denn kein Mensch kann diese maßlose Sehnsucht, diesen Ruf nach Unendlichkeit, der er selbst ist, ganz verdrängen. Deshalb sind wir immer wieder der grossen Versuchung ausgesetzt, die maßlose Sehnsucht unseres Herzens an äußerst mäßigen Wirklichkeiten unseres Lebens fest zu machen: sei es an materiellen Dingen, sei es an den so genannten Lebenswerten von Erfolg, Karriere und Prestige oder sei es auch an anderen Menschen, die wir dann freilich maßlos überfordern.  

Das Hochfest von Allerheiligen ruft uns demgegenüber die Grundüberzeugung unseres christlichen Glaubens in Erinnerung, dass wirkliche Erfüllung und Vollendung der maßlosen Sehnsucht des menschlichen Herzens nur die einzig maßlose Wirklichkeit selbst geben kann, nämlich der lebendige und ewige Gott. Von daher wird auch einsehbar, was in den Augen des Glaubens ein Heiliger ist: Ein Heiliger ist ein Mensch, der die wahre maßlose Sehnsucht seines Herzens ganz im maßlosen Gott festmacht und dessen elementarstes Herzensanliegen darin besteht, mit seinem Leben Gott die Ehre zu erweisen. 

Unruhig ist des Menschen Herz, bis es ruhen kann bei Gott. Mit diesen tiefen Worten hat der heilige Augustinus die Grundüberzeugung des christlichen Glaubens zum Ausdruck gebracht. Die heutige Lesung verheißt uns noch mehr, dass nämlich auch das Herz Gottes unruhig ist, bis es ruhen kann im empfangsbereiten Herzen des Menschen. Paulus bezeugt diese schöne Botschaft mit der Zusage, dass der lebendige Gott unter uns wohnen will und dass wir deshalb der Tempel des lebendigen Gottes sind. Dies ist die großartige Botschaft unseres Glaubens: Gott, der Transzendente, der Welterhabene und Unfassbare, den nicht einmal die Himmel der Himmel fassen können, will seinen Wohnsitz unter uns Menschen nehmen. Von daher läßt sich nochmals vertiefen, was ein Heiliger ist: Ein Heiliger ist ein Mensch, der so offen und empfangsbereit ist für Gott, dass Gott wirklich bei ihm ankommen, Wohnung nehmen und Ankunft, Advent halten kann.

Wenn wir heilige Menschen verehren, dann ehren wir Gott und preisen Gottes endgültige Ankunft und Gottes siegreichen Advent bei diesen Menschen. Heiligenverehrung ist deshalb im Tiefsten Gottesverehrung, wie wir dies in der Präfation von den Heiligen zum Ausdruck bringen: "Die Schar der Heiligen verkündet deine Größe, denn in der Krönung ihrer Verdienste krönst du das Werk deiner Gnade." Heilig ist deshalb allein Gott, und Menschen vermögen nur dadurch heilig zu werden, dass sie sich ganz in Gott hinein verwurzeln und ihn als die maßlose Erfüllung der maßlosen Sehnsucht ihres Herzens erkennen und anerkennen.

Wer sich diese schöne Botschaft zu Herzen nimmt, wird auch empfänglich für die Zumutung, die der heilige Paulus anschließt: "Reinigen wir uns also von aller Unreinheit des Leibes und des Geistes und streben wir in Gottesfrucht nach vollkommener Heiligung." Diese Heiligung erbitten wir auch für unsere Verstorbenen, wenn wir im Übergang von Allerheiligen zu Allerseelen ihre Gräber besuchen und segnen. Wir empfehlen die Verstorbenen dem Erbarmen Gottes und bitten für sie, dass sie im ewigen Leben bei und mit Gott selbst heilig werden und ihr Herz ruhen kann bei Gott in Ewigkeit.

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