Kardinal Schönborn: Amazonas-Synode widmete sich zu wenig der Frage der Freikirchen

Kardinal Christoph Schönborn OP
Foto: CNA / Bohumil Petrik
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Im Amazonasgebiet gibt es laut Kardinal Christoph Schönborn "viele Märtyrer unter den Christen" im Kampf gegen Umweltzerstörung und Vertreibung.

Das sagte der Wiener Erzbischof und Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz im Interview mit dem Programmdirektor von EWTN Deutschland, Martin Rothweiler.

Der Erhalt der Schöpfung und die Seelsorge für die Menschen inmitten einer von Raubbau und Zerstörung bedrohten Region: Diese in mehrfacher Hinsicht "ökologische Frage" sei entscheidendes Anliegen von Papst Franziskus des Bischofstreffens über die Amazonas-Region gewesen, so der Kardinal.

Viel zu wenig zur Sprache gekommen sei bei der Synode für ihn der Erfolg der Pfingstkirchen und Freikirchen, die in den letzten Jahren auch im Amazonas-Gebiet erfolgreich sehr viele getaufte Katholiken für sich gewinnen konnte. 

Diese Kritik hatte auch ein Amazonas-Bischof vor der Synode warnend angemerkt, wie CNA Deutsch berichtete.

Schönborn sagte auch, er sei überrascht über seine Einladung zur Amazonas-Synode gewesen, zumal er die Region ja nicht kenne.

Auch die Berufung in das Schlusskomitee der Synodendokuments habe ihn überrascht, so Schönborn.

Die Redaktionsarbeit habe jedoch das Team der Relatoren gemacht. Er habe Anregungen und letztlich seine Zustimmung gegeben, so Schönborn.

Die am 27. Oktober beendete Amazonas-Synode hatte den Titel: "Neue Wege für die Kirche und die integrale Ökologie".

Drei Wochen lang wurde offiziell über die Lage im Amazonas gesprochen. Grundlage für die Gespräche des Bischofstreffens war dabei das Instrumentum Laboris, das bereits im Vorfeld scharf kritisiert worden war – und von Befürworten als Grundlage für "Neue Wege" für die Kirche gelobt wurde.

Das 33-seitige Schlussdokument, das Kardinal Schönborn mit genehmigte, ist das Ergebnis des dreiwöchigen Treffens in Rom. Die 181 stimmberechtigten Mitglieder der Synode diskutierten zusammen mit Vertretern indigener Gemeinschaften, Orden, Laiengruppen und anderen über die Lage der auf neun Nationen verteilten Region.

Das Dokument stellt die Überlegungen und Schlussfolgerungen der Synodenversammlung zu Themen wie Umweltschutz, Inkulturation in der Kirche und die Menschenrechte indigener Gemeinschaften angesichts der wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen Ausbeutung vor.

Der Textentwurf wurde der Versammlung am Freitagabend vorgelegt, und verschiedene Änderungen wurden vorgeschlagen und während des Genehmigungsverfahrens diskutiert.

An der Synode nahmen Bischöfe aus den neun Ländern teil, deren Regionen zum Teil zum Amazonasgebiet gehören: 4 Bischöfe aus den Antillen, 12 aus Bolivien, 58 aus Brasilien, 15 aus Kolumbien, 7 aus Ecuador, 11 aus Peru und 7 aus Venezuela.

Dazu kamen 13 Präfekten aus Dikasterien der römischen Kurie, 33 direkt vom Papst ernannte Mitglieder, 15 von der Vereinigung der Generaloberen gewählte Mitglieder, 19 Mitglieder des Präsynodalen Rates, 25 Experten, 55 Hörer, 6 Delegaten anderer Kirchen sowie 12 weitere geladene Gäste.

In seiner Abschlussrede am Samstag kündigte Papst Franziskus an, dass das eigentliche Abschlussdokument – die Postsynodale Exhortation – noch in diesem Jahr vorliegen werde.

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