Kardinal Turkson: Weihe verheirateter Männer zu Priestern könnte weiterer Prüfung bedürfen

Situation im Amazonasgebiet vergleichbar mit der im Kongo

Kardinal Peter Turkson
Foto: CNA / Daniel Ibanez
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Die Priesterweihe verheirateter Männer wird nach der Amazonas-Synode wahrscheinlich Gegenstand weiterer Untersuchungen mit Blick auf die Handhabe für die gesamte Weltkirche sein. Das hat Kurienkardinal Peter Turkson im Interview mit "EWTN News Nightly" gesagt.

"Das Thema wird wahrscheinlich zum Gegenstand einer detaillierteren Untersuchung der Frage gemacht werden, damit die Kirche eine konsequente Position einnimmt, nicht nur im Hinblick auf den Amazonas, sondern auch im Hinblick auf die universelle Kirche", sagte Turkson am 22. Oktober.

Ähnlich äußerte sich auch ein weiterer Würdenträger aus Afrika, der kongolesische Kardinal Fridolin Ambongo Besungu.

Im Lauf der Amazonas-Synode, die am 27. Oktober in Rom zu Ende geht, haben mehrere Bischöfe die Möglichkeit der Priesterweihe für "Viri Probati" angesprochen - ein Begriff, der für reife, verheiratete Männer verwendet wird - allerdings nur für entlegene Regionen im Amazonas.

Die pastoralen Herausforderungen in der Amazonasregion ähneln den Herausforderungen der Kirche in anderen Teilen der Welt, so Kardinal Turkson.

Turkson ist Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen und stammt aus Ghana. Er ist ein Kenner der Kirche in Afrika und hat Papst Franziskus auch in der Demokratischen Republik Kongo begleitet – erst im August war er wieder in der Region: Er unterstützte im Ostkongo den Kampf der Katholischen Kirche vor Ort gegen Ebola.

"Die Zustände im Amazonasgebiet sind denen im Kongo ziemlich ähnlich. In beiden Fällen ist die Erreichbarkeit sehr schwierig und eingeschränkt, die Kommunikation ist schwierig, und wenn man Orte entweder über die Straße oder den Fluss erreichen will, sind große Herausforderungen gegeben".

Der afrikanische Kardinal sagte auch, dass im Kongo ausgebildete Katechisten Leiter in ihren Ortsgemeinden sind. Sie predigen das Wort Gottes, sie taufen Kinder, feiern die Beerdigung der Toten und bei der Eucharistiefeier helfen.

Turksons Einschätzung wurde am heutigen Dienstag bei der täglichen Pressekonferenz zur Synde von Kardinal Fridolin Ambongo Besungu, Erzbischof von Kinshasa in der DR Kongo bestätigt.

Der kongolesische Kapuzinerpater nahm an der Amazonas-Synode als Vertreter der Kirche in Afrika teil. Er betonte, die pastoralen Probleme im Kongo-Becken seien mit denen im Amazonas-Becken vergleichbar – aber auch politische und ökologische Herausforderungen.

So wie es für den Amazonas die Gruppe REPAM gibt – eine treibende Kraft der aktuellen Synode – so hat sich ein kirchliches Netzwerk für die Kongo-Region zusammengetan: REBAC.

Bei einem Treffen zwischen REPAM und REBAC im Jahr 2017, das in Brasilien stattfand, nahmen Vertreter der Kirche an einer zweistündigen "Feier der Mutter Erde" teil, die von einer indigenen Frau geleitet wurde, bei der sich "die Teilnehmer um einen Baum mit vielen Symbolen um ihn herum versammelt haben", einschließlich eines Mayakalenders.

"Das Ziel dieser Feier war es, die Teilnehmer mit der Natur zu verbinden", so CPAL, die Konferenz der Jesuitenprovinzen für Lateinamerika und die Karibik.

"Viele von ihnen glauben, dass sie jetzt die Botschaft von Papst Franziskus in Laudato Si besser verstehen".

Kardinal Besungu sagte, dass die Kirche im Kongo die "Inkulturation des Evangeliums" wichtig gewesen sei als Reaktion auf die Wahrnehmung – nach der Unabhängigkeit des Landes – dass die katholische Kirche als Einfluss von "Außen" wahrgenommen worden war.

Das offensichtlichste Ergebnis der Inkulturation im Kongo sei ein "Ritual der Eucharistie, das uns zu eigen ist", sagte Besungu. "In unserem Land ist die Eucharistie eine echte Feier."

Übersetzt und redigiert aus dem Bericht der Catholic News Agency, der englischsprachigen Schwesteragentur von CNA Deutsch.

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