Katholiken singen Weihnachtslieder für Kardinal George Pell vor Gefängnis in Melbourne

Weihnachtslieder vor dem "Melbourne Assessment Prison" an Heilig Abend, 24. Dezember 2019
Foto: John Macauley

Eine Gruppe australischer Katholiken hat an Heiligabend Weihnachtslieder für Kardinal George Pell vor dem Gefängnis gesungen, in dem dieser in Erwartung eines Berufungsverfahrens vor dem Obersten Gerichtshof Australiens weiter in Haft ist.

Die Christen beteten für den inhaftierten Kardinal sowie die anderen Insassen und das Gefängnispersonal.

Das berichtet die "Catholic News Agency" (CNA).

Um 20 Uhr am 24. Dezember versammelten sich etwa zwei Dutzend Katholiken vor dem Melbourne Assessment Prison, um Weihnachtslieder zu singen und für den Kardinal und die anderen Häftlinge im Gefängnis zu beten.

Einer der Beter, John McCauley, sagte gegenüber CNA: "Wir wollten nur, dass der Kardinal weiß, dass wir an Weihnachten an ihn denken und nicht vergessen haben".

Der Chor sang traditionelle Weihnachtslieder und australische Volkslieder wie "The Three Drovers". An der Pforte des Gefängnis hinterlegten die Sänger ein Liederbuch mit Grußbotschaften.

Nach dem Lied führte Melbournes Vietnamesische Katholische Jugendgruppe eine Rosenkranzprozession um das Gefängnis herum, in dem mehr als 300 Insassen untergebracht sind.

Die jungen Katholiken beteten den schmerzhaften Rosenkranz für den Kardinal, das Gefängnispersonal, für die anderen Insassen, für alle Opfer sexuellen Missbrauchs und für "die Verteidigung der Rechte der Kirche und die volle und schnelle Entlastung Seiner Eminenz", so die Teilnehmer.

Mehrere der vietnamesisch-australischen Jugendlichen betonten, dass sie Pell mit Kardinal Francis Xavier Nguyễn Văn Thuận vergleichen, der 13 Jahre lang von den kommunistischen Behörden in Vietnam inhaftiert wurde, neun davon in Einzelhaft.

Pell und Kardinal Thuận waren bis zu dessen Tod im Jahr 2002 persönlich befreundet.

McCauley sagte, dass das Konzert und Gebet "ziemlich spontan" zustande gekommen sei, nachdem jemand mit dem Namen "Albert Dreyfus" in den Sozialen Medien den Vorschlag dazu gemacht habe.

Albert Dreyfus war ein Militäroffizier jüdischer Herkunft, der 1895 von einem französischen Gericht wegen Hochverrats verurteilt wurde. 

Kardinal Pell war Erzbischof von Melbourne von 1996 bis zum Jahr 2001, als er zum Erzbischof von Sydney ernannt wurde. Im Jahr 2014 ernannte ihn Papst Franziskus zum Leiter der neu geschaffenen Präfektur für Wirtschaft, die mit der Überwachung und Reform der vatikanischen Finanzen beauftragt ist.

Im Jahr 2017 wurde Pell beschuldigt, zwei Chorknaben nach einer Sonntagsmesse sexuell missbraucht zu haben, während er 1996 und 1997 Erzbischof von Melbourne war. Er wurde am 11. Dezember 2018 in fünf Anklagepunkten des sexuellen Missbrauchs von einem Geschworenengericht für schuldig befunden zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Im November stimmte der Australian Supreme Court in Canberra zu, seinen Antrag auf Prüfung einer Berufung anzuhören, nachdem das Berufungsgericht im Bundesstaat Victoria seine Verurteilung im Juli in einer Entscheidung bestätigte, die sowohl in Australien als auch im Ausland unter Juristen hoch kontrovers diskutiert wurde.

Pell, der Erzbischof und Mitglied des Kardinalskollegiums bleibt, wird Berichten zufolge weiter in Einzelhaft gehalten und darf im Gefängnis keine Messe feiern. Es war ihm nicht erlaubt, an Weihnachtstag Besucher zu empfangen.

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