Katholische Hilfswerke reagieren auf Oxfam-Skandal um Prostitution

Flüchtlinge in Haiti
Foto: arindambanerjee/Shutterstock
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Katholische Hilfswerke haben mit Gebet, Kritik und einer Verpflichtung zum Schutz Bedürftiger auf Berichte schweren Fehlverhaltens von Oxfam-Mitarbeitern reagiert, darunter der Vorwurf, in Haiti und Tschad Prostitutierte angeheuert zu haben.

Einer Recherche der britischen Tageszeitung "The Times" zufolge haben Mitarbeiter von Oxfam unter anderem im Katastrophengebiet von Haiti – dort starben 230.000 Menschen beim Erdbeben im Jahr 2010 – Prostitutierte engagiert. 

"Wir sind uns der Untersuchung von Oxfam UK durch die [britische Zeitung] 'Times' und deren Verhalten bei der nach dem Erdbeben in Haiti bewusst. In erster Linie sind unsere Gedanken und Gebete bei den Opfern dieser entsetzlichen Taten. Wir verurteilen kategorisch jede Handlung, mit der die Rechte und die Menschenwürde von Einzelnen verletzt werden", sagte Kim Pozniak, Leiter der Kommunikationsabteilung des Katholischen Hilfswerks Catholic Relief, gegenüber CNA.

Dem damals leitenden Oxfam-Mitarbeiter des Haiti-Einsatzes, einem heute 68 Jahre alten Belgier, wird vorgeworfen, nicht nur wiederholt für Sex gezahlt zu haben, sondern unter anderem auch den Besuch ganzer Gruppen von Prostituierten im Gästehaus Oxfams arrangiert zu haben, berichtete die Londoner "Times" am 9. Februar.

Einer der Mitarbeiter Oxfams vor Ort wechselte später zur Katholischen Agentur für Übersee-Entwicklung (CAFOD).

CAFOD entließ den Angestellten am 14. Februar, nachdem Oxfam bestätigt hatte, dass der Angestellte wegen sexueller Verfehlungen beschuldigt wurde, meldete die BBC.

CAFOD-Leiter Chris Bain sagte in einer Erklärung: "Uns waren keine Vorwürfe bekannt, die gegen diesen Angestellten erhoben wurden, und er erhielt zum Zeitpunkt der Rekrutierung zwei Referenzen, wie es üblich ist."

Bevor er in Haiti arbeitete, leitete der belgische Oxfam-Beschuldigte ein Team im Tschad, wo er bereits 2006 Prostituierte für Mitarbeiterveranstaltungen anheuerte.

Anfang dieser Woche bestätigten Vertreter von Oxfam, dass das Problem bereits damals bekannt war.

"Es ist jetzt klar, dass diese Vorwürfe, die den Einsatz von Prostituierten betreffen und sich auf das Verhalten des Landesdirektors und seiner Teammitglieder im Tschad beziehen, vor seinem Umzug nach Haiti erhoben wurden", räumte Penny Lawrence, stellvertretende Generaldirektorin von Oxfam Großbritannien ein, als sie am 12. Februar ihren Rücktritt bekanntgab.

Oxfam-Botschafterin und Schauspielerin Minnie Driver zog am 14. Februar als Reaktion auf den Skandal in Haiti ihre Unterstützung zurück.

"Ich fühle mich zutiefst verletzt. ... Was in Haiti passiert ist, war, dass ein paar privilegierte Männer genau die Menschen missbrauchten, die sie beschützen sollten - mit der Macht, die sie von Oxfam hatten, um machtlose Frauen zu missbrauchen. Es bricht mir das Herz", sagte die Geschäftsführerin von Oxfam International, Winnie Byanyima, in einem Fernsehinterview mit Reuters am 11. Februar.

David Adams, der jahrelang in Haiti als Leiter der Mission der U.S. Agency for International Development Haiti vor Ort lebte und arbeitete, sagte gegenüber CNA, dass die Mehrheit der humanitären Helfer in Haiti ihre Macht nicht auf so entsetzliche Weise missbrauche.

Adams arbeitet heute als Vizepräsident für Mission beim Hilfswerk Cross Catholic Outreach (CCO).

"Cross Catholic Outreach war tief in die humanitäre Reaktion auf das Erdbeben 2010 involviert und stellte fest, dass sich die große Mehrheit der humanitären Helfer – einschließlich unserer eigenen Mitarbeiter – der Bedürfnisse der Verletzten mit Nächstenliebe und Mitgefühl annahmen", sagte er.

Adams betonte, CCO sei bemüht sicherzustellen, dass seine Mitarbeiter das Machtgefälle in Haiti nicht missbrauchen, indem sie nur Mitarbeiter mit umfassender Erfahrung in dem Land einstellen.

Der katholische Experte weiter: "Wir wählen bewusst Mitarbeiter mit Arbeitserfahrung in Haiti aus, die den kulturellen Kontext und die zugrunde liegenden Ursachen von Armut verstehen und nicht Helfer, die kurzfristige Positionen annehmen, die von einem Land in ein anderes oder in eine andere Situation geraten."

Andere katholische Hilfsorganisationen, die ebenfalls in Haiti im Einsatz sind, betonten ebenfalls, dass sie Protokolle für Entwicklungshelfer und Partner in der internationalen Entwicklung haben, die den Schutz der gefährdeten Menschen sicherstellen sollen.

Catholic Relief Services erklärte gegenüber CNA, dass ihr Protokoll ein Hinweisgebersystem und einen entsprechenden Schulungskurs beinhaltet, den alle CRS-Mitarbeiter (und Partner) absolvieren müssen.

Nach Haitis Erdbeben im Januar 2010, bei dem schätzungsweise 230.000 Menschen starben und fast 2 Millionen vertrieben wurden, waren Haitianer besonders anfällig für Menschenhandel und damit verbundene Verbrechen.

Adams sagte gegenüber CNA, dass Cross Catholic Outreach den Haitianischen Schwestern der Nächstenliebe von Saint-Louis bei ihren Bemühungen geholfen habe, Frauen zu beraten und auszubilden, die nach dem Erdbeben von Prostitution und Menschenhandel bedroht seien.

Die Ordensfrauen kümmern sich persönlich um betroffene Mädchen und Frauen.

Cross Catholic Outreach unterstützt zudem eine andere Ordensgemeinschaft, die St. Jean Evangeliste Sisters, die an der Grenze zu der Dominikanischen Republik ein Haus für Frauen und Kinder betreibt, die Opfer von Menschenhandel oder Misshandlung sind.

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