Katholischer Priester in Indien wegen "Hassrede" verhaftet

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Foto: Naveed Ahmed / Unsplash (CC0)

Ein katholischer Priester in Südindien, der sich politisch geäußert und unter anderem die regierende Bharatiya Janata Party kritisiert hat, wurde wegen angeblicher "Hassrede" verhaftet.

Der Priester, Pater George Ponnaiah, bestreitet die Vorwürfe und hat behauptet, dass die Videos, die seine Äußerungen kritisieren, manipuliert wurden. Er entschuldigte sich für etwaige Kränkungen, die er verursacht haben könnte.

"Meine Rede wurde redigiert und in den sozialen Medien verbreitet, um zu zeigen, dass ich die Gefühle der hinduistischen Geschwister verletzt habe", sagte Pater Ponnaiah laut UCA News. "Keiner von uns auf dem Podium hat etwas gesagt, das religiöse Gefühle verletzt hat. Wenn meine Rede jemanden verletzt hat, entschuldige ich mich von ganzem Herzen."

Ponnaiah ist Vikar in der Diözese Kuzhithurai im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Er wurde am 24. Juli verhaftet und von einem Gericht für 15 Tage in Haft genommen, da die Polizei wegen seiner Äußerungen vom 18. Juli Strafanzeige gegen ihn erstattet hatte. Einige Hindu-Aktivisten hatten damit gedroht, am 28. Juli Proteste zu veranstalten, falls der Priester nicht verhaftet würde.

Der Administrator der Diözese wies jede Form von herabsetzenden Äußerungen zurück, sagte aber auch, dass die Diözese Ponnaiah Rechtsbeistand gewähren werde.

Seine angeblich kontroversen Äußerungen fielen bei einem Treffen in Arumani im Distrikt Kanyakumari, an dem christliche und muslimische Führer und Vertreter verschiedener Organisationen teilnahmen. Das Treffen war einberufen worden, um die Schließung von Kirchen, das Verbot von Gebetsversammlungen und die Verweigerung von Baugenehmigungen für Kirchen zu verurteilen.

Ziel des Treffens war es auch, Pater Stanislaus Lourduswamy, im Volksmund als Pater Stan Swami bekannt, zu würdigen, der die letzten acht Monate seines Lebens wegen seines Engagements für die untersten Kasten der indischen Gesellschaft unter Terrorvorwürfen im Gefängnis verbrachte. Der Jesuit starb Anfang Juli im Alter von 84 Jahren. Er hatte mehrere gesundheitliche Probleme, darunter die Parkinson-Krankheit, und war vor kurzem auf richterliche Anordnung in ein Krankenhaus in Mumbai eingeliefert worden, nachdem er sich mit dem neuen Coronavirus COVID-19 infiziert hatte.

Ponnaiah, der Sekretär des Demokratischen Christlichen Forums ist, sagte, dass mehrere politische Entscheidungsträger "nicht vergessen sollten, dass sie keine Stimmen von Hindus erhalten haben. Sie sollten nicht vergessen, dass sie ihren Sieg den Christen und Muslimen zu verdanken haben, die ihnen ihre Stimmen gegeben haben". Berichten zufolge behauptete der Priester, dass der Abgeordnete des Bundesstaates Tamil Nadu, M.R. Ghandi, ein Mitglied der BJP, der Hauptverdächtige bei den religiösen Unruhen von Mandaikadu im Jahr 1982 war, bei denen sieben Menschen getötet wurden, berichtet die Times of India.

Die Äußerungen des Priesters wurden in einem Video veröffentlicht, das im Internet verbreitet wurde. Berichten zufolge kritisierte er führende Vertreter der im Bundesstaat regierenden Dravida Munnetra Kazhagam und der BJP, die von anderen für ihren extremen Hindu-Nationalismus kritisiert wurde. Ponnaiah kritisierte PJB-Führer wie Premierminister Narendra Modi und Innenminister Amit Shah, berichtet UCA News.

Seine Kritiker behaupten auch, er habe sich abfällig über die personifizierte Göttin "Mutter Indien" und die hinduistische Religion geäußert.

Erzbischof Antony Pappusamy von Madurai, der derzeitige apostolische Administrator der Diözese des Priesters, sagte, er sei sich nicht sicher, ob Ponnaiah die ihm zugeschriebenen Äußerungen wirklich gemacht habe, missbilligte diese jedoch.

"Der Priester ist Vorsitzender einer Vereinigung, die sich Demokratisches Christliches Forum nennt, und alle ihm zugeschriebenen Äußerungen wurden in seiner persönlichen Eigenschaft gemacht", so der Erzbischof gegenüber UCA News.

Pappusamy sagte, die Kirche und ihre Mitarbeiter würden sich stets für mehr Harmonie und Frieden zwischen Menschen und Religionsgemeinschaften unterschiedlicher Herkunft einsetzen und fügte hinzu: "Wir glauben an die universelle Brüderlichkeit."

Der Erzbischof sagte, er könne nicht mit Ponnaiah sprechen, um die Fakten der Situation zu erfahren, fügte aber hinzu, dass er dem Priester rechtlichen Beistand zugesagt habe.

"Die Diözese wird den Fall juristisch bekämpfen und ein Anwalt wurde beauftragt, eine Kaution für den Priester zu beantragen", sagte er.

Dem Priester wird vorgeworfen, gegen mehrere Gesetze verstoßen zu haben: Förderung der Feindschaft zwischen verschiedenen Gruppen aufgrund von Religion, Rasse, Geburtsort, Wohnort und Sprache; Beleidigung der Religion oder religiöser Überzeugungen mit absichtlicher Bosheit, um die Gefühle einer Klasse zu verletzen; und Schaffung oder Förderung von Feindseligkeit zwischen Klassen.

Ihm wird außerdem vorgeworfen, dass er das Treffen unter Verstoß gegen die Gesundheitsprotokolle zur Eindämmung der Verbreitung des COVID-19-Virus abgehalten hat.

Das Hilfswerk Open Doors, das sich gegen die Verfolgung von Christen einsetzt, stufte Indien im Jahr 2020 auf Platz 10 der schlimmsten Verfolgungsländer für Christen weltweit ein. Seit der Machtübernahme der hinduistisch-nationalistischen Bharatiya-Janata-Partei im Jahr 2014 habe die Verfolgung religiöser Minderheiten zugenommen, jedes Jahr gebe es Tausende solcher Vorfälle. Sie beschuldigte die Regierungspartei, Extremisten zu erlauben, Christen ungestraft zu attackieren.

Laut einem Bericht der ökumenischen Gruppe Persecution Relief aus dem vergangenen Jahr sind Hassverbrechen gegen Christen in Indien in der ersten Hälfte des Jahres 2020 trotz einer dreimonatigen landesweiten Abriegelung um 40 Prozent gestiegen. In diesem Bericht wurde Tamil Nadu als der zweitschlimmste Bundesstaat Indiens für solche Verbrechen eingestuft, der schlimmste ist der Bundesstaat Uttar Pradesh.

sgsgd

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

 

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