Korruptionskrise: Papst Franziskus bestätigt Wirtschaftsprüfer

Blick auf die Kuppel des Petersdoms im Vatikan
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Wie der Vatikan am Mittwoch mitteilte, hat Papst Franziskus einen ehemaligen Unternehmensberater als Wirtschaftsprüfer des Vatikans bestätigt.

Die Pressestelle des Heiligen Stuhls teilte am 5. Mai mit, dass der Papst Alessandro Cassinis Righini, der seit Juni 2017 als amtierender Wirtschaftsprüfer – auch "General Auditor" – fungiert, in diese Rolle berufen hat.

Auf seiner öffentlich zugänglichen LinkedIn-Seite führt der Wirtschaftsprüfer das Startdatum seiner neuen Rolle als "März 2021" an.

Er folgt auf Libero Milone, der von 2015 bis 2017 als Wirtschaftsprüfer tätig war.

Milone wurde nach nur zwei Jahren in einem fünfjährigen Mandat entlassen, nachdem er als erster Wirtschaftsprüfer des Vatikans eingestellt wurde, um mehr finanzielle Transparenz im Vatikanstaat einzuführen.

 

Drei Monate nach seinem Rücktritt behauptete Milone, dass er von einer "alten Garde", die gegen seine Arbeit war, zum Rücktritt "bedroht" wurde.

Obwohl er es ablehnte, aufgrund von Geheimhaltungsvereinbarungen Details zu nennen, behauptete er, dass er ins Visier der Prälaten geriet, nachdem er eine Untersuchung über einen möglichen Interessenkonflikt eines italienischen Kardinals eingeleitet hatte.

Bei der Beschreibung seiner Version der Ereignisse, die zu seinem Rücktritt führten, sagte Milone, dass er am 19. Juni 2017 in das Büro des damaligen Erzbischofs Giovanni Becciu, der damals ein hoher Beamter im vatikanischen Staatssekretariat war, gerufen wurde. Dabei sei ihm gesagt worden, dass der Papst das Vertrauen in ihn verloren habe und seinen Rücktritt verlange.

Becciu beschuldigte den Wirtschaftsprüfer, die Finanzen hoher Beamter "auszuspionieren" - eine Behauptung, die Milone entschieden zurückwies.

Während Milone entlassen wurde, wurde Becciu zuerst vom Papst im Jahr 2018 zum Kardinal befördert, und dann überraschend sanktioniert: Er trat im September 2020 als Präfekt  der Kongregation der Heiligsprechungsverfahren ab – und verzichtete auf seine Rechte als Kardinal. Becciu bestreitet jedoch bis heute vehement jede Verantwortung an den Vorwürfen von Korruption, Bestechung, Geldwäsche und anderen mutmaßlichen Verbrechen im Staatssekretariat, die mehrere Staatsanwaltschaften beschäftigen. 

Der neue Wirtschaftsprüfer des Vatikans wurde am 29. Dezember 1965 in Rom geboren. Nach seinem Abschluss in Wirtschaft und Handel an der Universität Rom La Sapienza erwarb er einen MBA an der School of Business Management der Bocconi Universität in Mailand.

Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Er lehrte strategisches Management an der Universität Rom La Sapienza und an der Libera Università Internazionale degli Studi Sociali Guido Carli.

Nachdem er Erfahrungen bei der Europäischen Kommission, der Exekutive der Europäischen Union, gesammelt hatte, arbeitete er als Forscher bei der Fondazione Centro Studi Investimenti Sociali (Censis).

Anschließend war er als Unternehmensberater für Braxton Associates in London und die Deloitte-Gruppe tätig.

Im März 2016 wurde er zum stellvertretenden Wirtschaftsprüfer ernannt – und diente unter Milone.

Im September 2020 unterzeichnete er als amtierender Wirtschaftsprüfer eine Absichtserklärung mit dem Präfekten des vatikanischen Wirtschaftssekretariats zur Korruptionsbekämpfung.

Der Wirtschaftsprüfer ist als Generalauditor für die Prüfung der Jahresabschlüsse des Heiligen Stuhls und des Staates Vatikanstadt verantwortlich.

Laut der Website des Vatikans besteht das Büro des Auditor General aus dem Wirtschaftsprüfer, "der das Büro leitet und repräsentiert", und einer Gruppe von Wirtschaftsprüfern "mit solider und bewährter Berufserfahrung", die von Unterstützungspersonal unterstützt werden.

Es heißt: "Der Wirtschaftsprüfer wird ad quinquennium [für fünf Jahre] vom Heiligen Vater ernannt und unter Personen von erwiesenem Ruf ausgewählt, die keine Tätigkeiten ausüben, die mit der Ernennung unvereinbar sind, die frei von jeglichen Interessenkonflikten sind und die über anerkannte berufliche Kompetenz und Fähigkeiten in den relevanten Bereichen, die die Arbeit des Büros betreffen, verfügen."

"Der Wirtschaftsprüfer kann nur für zwei Amtszeiten ernannt werden."

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