Bischof Kräutler: "Ureinwohner verstehen den Zölibat nicht"

Bischof Erwin Kräutler (links) am 9. Oktober 2019
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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Ureinwohner in der Region des Amazonas verstehen den Zölibat nicht: Das hat Bischof Erwin Kräutler am heutigen Mittwoch im Pressesaal des Vatikans gesagt.

Der gebürtige Österreicher und emeritierte Prälat von Xingu begründete mit dieser These vor der Presse heute seine Forderung nach der Priesterweihe verheirateter Männer im Amazonas.

"Die Ureinwohner verstehen den Zölibat nicht", sagte der Bischof wörtlich. Die Indigenen, denen er begegnet sei, könnten nicht begreifen, "dass ein Mann nicht verheiratet ist, dass er keine Frau hat, die sich um das Haus, das Heim kümmert."

Wie ein Mann, der nicht den Zölibat "versteht" überhaupt das Weihesakrament des katholischen Priesters empfangen könnte, erklärte Kräutler am 9. Oktober nicht.

Vor Journalisten scherzte der 80-jährige, der Jahrzehnte als Bischof der Katholischen Kirche in Brasilien diente, dass er Ureinwohner oft gesagt habe, dass seine Frau "weit weg" sei. Denn sonst hätten ihn die Indigenen oft mit Misstrauen beäugt, so Kräutler weiter. 

Der emeritierte Prälat von Xingu war Teil des Komitees, welches das "Instrumentum Laboris" produzierte: Das Arbeitspapier, dass sowohl von Ureinwohnern und Geistlichen in Amazonien wie auch Theologen und Kardinälen vernichtend kritisiert worden war.

Kritik kam einerseits von Indigenen, einzelnen Priestern und Bischöfen im Amazonasgebiet dafür, dass das "Instrumentum" nicht den Realitäten Amazoniens gerecht werde.

Gleichzeitig warnten Kardinäle und Theologen vor sowohl Häresie als auch Apostasie im Dokument, darunter die Kardinäle Walter Brandmüller und Gerhard Ludwig Müller.

Am heutigen Mittwoch im Pressesaal des Vatikans sagte Bischof Kräutler, dass er mit Papst Franziskus bereits im Jahr 2015 über den priesterlichen Zölibat im Amazonas-Becken gesprochen habe.

Forderung nach Weihe von Frauen

Zudem gehe es ihm aber darum, dass viele Gemeinden in der Region nur 2,3 Mal im Jahr die Eucharistie empfangen könnten, sagte der Bischof.

"Diese Menschen sind praktisch von der Kirche ausgeschlossen", sagte Kräutler. "Unserer Meinung nach geht es im Zölibat um die Eucharistie".

Es gebe für ihn "noch einen weiteren Aspekt", fuhr der Bischof fort: "Zwei Drittel dieser Gemeinschaften, die ohne Priester sind, werden von Frauen koordiniert und geleitet".

Weil das so sei, müsse die Synode und die Kirche darüber "nachdenken", ob Frauen in der Region zu Diakonen geweiht werden können. Kräutler sagte wörtlich:

"Also, was machen wir jetzt? Wir müssen darüber nachdenken. Wir hören viel über die Stärkung der Rolle der Frauen; was bedeutet das? Was sollen wir ihr sagen? "Ja, du bist ein Mensch, du bist sehr gut"....aber dann brauchen wir konkrete Lösungen."

Die Katholische Kirche lehrt, dass sie Frauen nicht zur Priestern weihen kann. Einer der Gründe dafür ist Tatsache, dass – der zölibatär lebende – Jesus Christus nur Männer zu Aposteln bestimmte.

Papst Franziskus ernannte 2016 eine Kommission, um die Möglichkeit zu prüfen, ob Frauen als eine Art "Diakon" – mit oder ohne das Sakrament der Weihe – fungieren könnten, aber die Gruppe hat keinen Konsens erreicht, und der Papst sagte im Mai, dass es derzeit keine Änderung geben werde.

Eine wenige Jahre zuvor berufene Theologenkommission hatte die Frage ebenfalls bereits erörtert und negativ beschieden.

Auf der Pressekonferenz am 9. Oktober sagte ein aufgeregter Kräutler, für ihn sei "Politik die Kunst des Kampfes für das Gemeinwohl", und dass er seine theologische Vision voranbringen wolle, die geprägt sei von seinen Erfahrungen im Amazonas-Gebiet. 

Auf die Frage des Vatikanisten Sandro Magister, warum die Synode nicht bespreche, dass 80 Prozent der Bewohner des Amazonas in Städten wohnt – was auch kirchengeschichtlich wichtig sei, weil die Kirche immer von Städten aus evangelisiert habe –  antwortete Kräutler, man werde noch darüber sprechen, wie auch darüber, dass protestantische Freikirchen inzwischen weitaus präsenter und stärker in der Region sind als die Katholische Kirche. 

Einführung von "Einzelfällen"?

Paolo Ruffini, Leiter der Kommunikation des Vatikans, sagtem dass sich die Diskussion der Synode über die Möglichkeit der Weihe verheirateter Männer darauf konzentriert habe, in "Einzelfällen" Ausnahmen vom kanonischen Gesetz der Kirche über Zölibat und Priestertum zu machen, nicht aber das Kirchenrecht insgesamt zu ändern.

Mit einer solchen rhetorischen Strategie wurde im Zuge von Amoris Laetitia in den meisten deutschen Diözesen auch die Kommunion "in Einzelfällen" für staatlich geschiedene und wiederverheiratete Katholiken und mit Katholiken verheiratete Protestanten eingeführt.

Ruffini fügte hinzu, dass einige Synodenteilnehmer gesagt haben, dass der Priestermangel im Amazonasgebiet nicht durch die Verpflichtung zum Priesterzölibat verursacht wird und dass die Kirche um Berufungen beten und die Priesterausbildung in der Region stärken muss.

CNA Deutsch berichtete am gestrigen 8. Oktober, dass die Kardinäle Robert Sarah und Peter Turkson sowie mehrere Bischöfe aus Brasilien, Peru und Bolivien bei der Synode gefordert haben, die Disziplin des priesterlichen Zölibats der Kirche im Amazonasgebiet aufrechtzuerhalten.

"Option für Ökologie"

Pater Giacomo Costa, SJ, ein weiterer Teilnehmer der Synode, sagte auf der Pressekonferenz heute, dass viele Teilnehmer der Synode eher über erweiterte Rollen für Laien und eine bessere Ausbildung von Personen sprachen, die bereits in Führungsrollen sind. Der Jesuitenpater sagte weiter, dass die Kirche die "persönlichen Charismen" der Laien und ihre Erfahrung mit der Führung in der Kirche stärker öffentlich anerkennen könnte.

Die Synodenväter haben auch die Bedeutung eines noch stärkeren ökologischen Bewusstseins unter Katholiken diskutiert, indem sie den "wilden Kapitalismus" in der Region verurteilten, sagte Ruffini.

Dabei ging es auch um die kluge Nutzung neuer Technologien für ein ökologisch verantwortliches Wirtschaftswachstum.

Ruffini sagte, dass einige Synodenväter eine mehr "samaritanische Kirche" und eine mehr "prophetische Kirche" gefordert haben: Eine "Option für die Armen" und "bevorzugte Option für die Schöpfung" achten.

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