Amoris Laetitia: Eine Zeitleiste (UPDATE)

Das Begleitschreiben des Papstes, mit dem Amoris Laetitia an die Bischöfe gesendet wurde.
Foto: Bild und Grafik: CNA/Alexey Gotovskiy

Diese laufend aktualisierte CNA Deutsch-Chronologie bietet eine Übersicht über die zentralen Entscheidungen, Daten und Personalien zur Entstehung, Wirkung und Folgeentwicklungen des Schlüsseldokuments der Kirchenkrise und dem Pontifikat von Papst Franziskus: Amoris Laetitia. Die Zeitleiste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Am 8. Oktober 2013, ein gutes halbes Jahr nach seiner Wahl, kündigt Papst Franziskus an, er werde im Oktober 2014 eine Außergewöhnliche Synode über Familie und Evangelisierung abhalten, gefolgt von einer Bischofssynode zum gleichen Thema im Oktober 2015.

  • Im September 2015, kurz vor der zweiten Synode, drücken 800.000 Individuen und Verbände aus 178 Nationen in einer Petition an den Papst ihre Sorge aus, dass nach der ersten Synode –  deren Tumulte und Handhabung ins Kreuzfeuer scharfer Kritik gekommen war – "weitverbreitete Verwirrung" herrscht. 

  • Am 8. April 2016 veröffentlicht Franziskus als Abschlussdokument das knapp 300 Seiten umfassende Lehrschreiben Amoris Laetitia. Der überaus wortreiche Text ist die längste bekannte Apostolische Exhortation der Kirchengeschichte.

  • Am 28. April 2016 warnt der renommierte Philosoph Robert Spaemann gegenüber CNA Deutsch, das Schreiben stelle offenbar einen Bruch mit der kirchlichen Lehrtradition dar. In einem zweiten Kommentar für CNA Deutsch präzisiert er seine Äußerungen dazu weiter. 

  • Bei der Vollversammlung des Zentralrats der deutschen Katholiken am 24. Mai 2016 in Leipzig bezeichnet der ZdK-Präsident Thomas Sternberg Amoris Laetitia als "einen Paradigmenwechsel in der Lehre". Der deutsche Politiker (CDU) bezeichnet Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof Heiner Koch und Bischof Franz-Josef Bode als "theologische Wegbereiter" des Schreibens. Der Funktionär teilt mit, er fordere dessen "einheitliche Umsetzung" in Diözesen in Deutschland.
  • Im Juli 2016 schreiben 45 katholische Gelehrte, Würdenträger und Geistliche einen Bittbrief an alle Kardinäle und Patriarchen der Kirche. Darin ersuchen sie die Kardinäle, Papst Franziskus aufzufordern, einige offenbar absichtlich unklare und fragwürdige Passagen in Amoris Laetitia richtig zu stellen. 

  • Am 19. September 2016 übermitteln vier Kardinäle – Joachim Meisner, Walter Brandmüller, Carlo Caffara und Raymond Burke – dem Papst einen Bittbrief, in dem sie die Klärung von fünf "Dubia" – also Zweifel – in der Form von Fragen fordern. Der gebetene Dialog dazu findet nicht statt: Papst Franziskus antwortet nicht. Auch eine spätere Bitte um eine Audienz wird vom Papst ignoriert.

  • Am 18. November wirft Papst Franziskus in einem Interview mit "Avvenire" (der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz) Kritikern vor, Amoris Laetitia "nicht verstanden zu haben". Das liege daran, dass diese Personen nach dem Schema "schwarz oder weiß" dächten, "selbst wenn wir im Fluss des Lebens unterscheiden müssen", so Franziskus

  • Am 4. Dezember behauptet der enge Papst-Vertraute und Jesuitenpater Antonio Spadaro in einem Interview mit "Crux", dass die Fragen der Dubia eigentlich schon bei der Synode beantwortet worden seien. Er behauptet auch: Absolution in der Beichte und Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete sei nun, dank Amoris Laetitia, möglich.
     
  • Am 7. Dezember 2016 warnt der Freiburger Theologieprofessor Helmut Hoping in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" angesichts der Verwirrung und offenbar absichtlicen Ambiguität, dass eine "Revision der katholischen Sexualmoral insgesamt" auf dem Spiel stehe, nicht nur die Frage des Kommunionempfangs. Hier werde sehr viel mehr verhandelt.

  • Am 14. Januar 2017 veröffentlichen die Bischöfe Maltas Leitlinien, die geschiedenen Wiederverheirateten ermöglichen sollen, nach "ehrlicher Prüfung" ihres Gewissens selber zu entscheiden, ob sie zur Kommunion gehen – auch wenn sie weiterhin nicht enthaltsam lebten. Die Änderung der Lehre begründen sich die Bischöfe mit Amoris Laetitia.

  • Am 1. Februar 2017 veröffentlicht die Deutsche Bischofskonferenz Leitlinien zu Amoris Laetitia, die eine Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete unter bestimmten Umständen einführen wollen. Auch wenn es "Einzelfälle" seien, gebe es nun grundsätzlich die "Möglichkeit des Sakramentenempfangs in diesen Situationen". 

  • Dagegen erklärt am gleichen Tag der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dass Amoris Laetitia im Licht der gesamten Lehre der Kirche interpretiert werden müsse und diese nicht ändere, ja nicht ändern könne. Ihm "gefalle nicht", wenn Bischöfe dies anders interpretieren, so der ehemalige Bischof von Regensburg. Die deutsche Bischofskonferenz ignoriert diese Aussage.

  • Am 3. Februar 2017 veröffentlicht Bischof Vitus Huonder von Chur Leitlinien, in denen die Heiligkeit des Ehebandes betont und eine geduldige Begleitung und Eingliederung von Gläubigen unterstrichen wird. Eine Kommunion oder Absolution für geschiedene Wiederverheiratete machen die Leitlinien weiterhin abhängig von der Frage der Enthaltsamkeit der Betroffenen, so der Oberhirte aus der Schweiz. Er widerspricht damit den deutschen und maltesischen Leitlinien.

  • Ebenfalls im Februar 2017 veröffentlichen die International Confraternities of Catholic Clergyein Zusammenschluss von über 1.000 Priestern aus den USA, Irland, Australien und anderen Ländern, ein Statement zu Amoris Laetitia. Darin fordern sie eine Klärung der offenen Fragen angesichts unterschiedlicher Auslegungen und "wachsender Unterschiede in der Praxis".

  • Am 14. März 2017 wendet sich Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer mit einer "Handreichung für die Seelsorge mit wiederverheirateten Geschiedenen" an Betroffene und Seelsorger seiner Diözese. Darin betont er, dass niemand ausgeschlossen werde und jeder Katholik die Messe besuchen solle. Wer jedoch als geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion zugelassen werden wolle, der müsse in seinem Bistum zumindest weiterhin enthaltsam "wie Bruder und Schwester" leben. Er widerspricht damit diametral den Leitlinien anderer Bistümer. In manchen bayerischen Gemeinden gilt nun, je nach Bistumsgrenze, eine unterschiedliche Regel zum Empfang der Kommunion.  
  • Am 11. August 2017 veröffentlichen dutzende Katholiken eine Correctio Filialis des Papstes. Diese "Zurechtweisung wegen der Verbreitung von Häresien" führt sieben Thesen an, die der Pontifex verbreite und "dadurch eine große und unmittelbare Gefahr für die Seelen" verursache, so die Unterzeichner, darunter der ehemalige Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi, der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach und zahlreiche weitere.

  • Am 25. September 2017 erklärt dagegen der Leiter der Bischofskongregation, der kanadische Kardinal Marc Ouellet, Amoris Laetitia führe aus seiner Sicht zwar ein, dass jetzt "in Ausnahemfällen" Menschen zur Kommunion und Lossprechung in der Beichte zugelassen werden würden, die es bislang nicht waren. Aber dies stelle für ihn keinen Bruch mit der Lehre oder der Sakramentendisziplin dar, so der Würdenträger. Er widerspricht damit dem ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation und zahlreichen Bischöfen.

  • Ende September 2017 plädieren sowohl Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin als auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller für einen Dialog zur Klärung der offenen Fragen um Amoris Laetitia. Papst Franziskus schweigt zu beiden Vorschlägen. Die Fragen bleiben weiter ungeklärt.

  • Am 18. Oktober 2017 veröffentlichen Bischöfe, Priester, Theologen und andere einen "offenen Brief" als "Initiative Pro Pope Francis", in dem sie dem Papst danken und ihrer "vollen Unterstützung" versichern. Unklar ist, welche der Interpretationen von Amoris Laetitia sie damit unterstützen. 
  • Am 14. November 2017 – ein Jahr nach Veröffentlichung der Dubia – äußert sich einer der Unterzeichner, Kardinal Raymond Leo Burke, mit einem "letzten Appell" an Papst Franziskus: Er bitte ihn, Schlüsselaspekte seiner Morallehre zu klären. Papst Franziskus ignoriert auch diesen Appell.

  • Am 8. November 2017 kommentiert Erzbischof Charles Chaput von Philadelphia in einem Vortrag vor Priestern, die Kontroverse über Amoris Laetitia habe "viel Gutes vernebelt". Wo Verwirrung über einen päpstlichen Text herrsche, müsse dieser aber auf eine Art interpretiert werden, die vereinbar sei mit der Lehre der vorangegangenen Päpste. Er widerspricht damit den Leitlinien der deutschen, maltesischen und anderen Bischofskonferenzen.

  • Am 9. April 2018 veröffentlichen mehrere Kardinäle und weitere Würdenträger eine Sechs-Punkte-Erklärung zur Interpretation von Amoris Laetitia als Ergebnis einer Tagung in Rom. Thema des Treffens: "Katholische Kirche, wohin gehst Du?". 
  • Am 20. Mai 2018 fordert Kardinal Gerhard Ludwig Müller alle Verantwortlichen, "die Amoris Laetitia umsetzen", auf, zu unterscheiden zwischen echter Entfaltung der Glaubenslehre und deren "Korruption" im Sinne von Kardinal John Henry Newman

  • In einem am 25. Januar 2019 veröffentlichten Interview räumt Kardinal Kevin Farrell ein, dass Amoris Laetitia zwar weiter in der Kritik steht; er behauptet jedoch, dass es aus seiner Sicht in Amoris Laetitia nichts gebe, "was dem Evangelium widerspricht". Welche der sich widersprechenden Interpretationen die richtige ist, sagt Farrell nicht. Dafür äußert er sich auch zu seinem persönlichen Verhältnis zu Theodore McCarrick.

  • Am 8. Februar 2019 veröffentlicht Kardinal Gerhard Ludwig Müller ein Glaubensmanifest angesichts der Verwirrung. Darin fasst er die Glaubenslehre über Sakramente - einschließlich des Kommunionempfangs - zusammen. Das Manifest erregt weltweites Aufsehen – und widerspricht der Intrepretation von Amoris Laetitia der deutschen Bischofskonferenz.
  • Am 10. Februar 2019 reagiert Kardinal Walter Kasper mit einer scharfen Kritik am Manifest von Kardinal Müller und wirft diesem wiederum vor, Verwirrung zu stiften. 
  • Am 15. Mai 2019 behauptet Professor Richard A. Spinello in einem bei "Crisis Magazine" veröffentlichten Aufsatz: "Benedikts Essay ist eine stillschweigende Rüge von Amoris Laetitia". Wenige Tage zuvor behauptet Elizabeth Mitchell in einem Essay: "Die Dubia wurden beantwortet" und argumentiert, Papst emeritus Benedikt habe mit seinem Schreiben über die Kirchenkrise die Dubia beantwortet. 

  • Am 17. Mai 2019 teilt das von Kardinal Kevin Farrell geleitete "Dikasterium für Laien, Familie und Leben" mit, dass beim nächsten Weltfamilientreffen Amoris Laetitia zum fünften Jahrestag wieder gelesen werde. Ob die offenen Fragen dabei angesprochen werden, teilt der Prälat nicht mit.  

  • Am 19. Juli 2019 schreiben "aus großer Sorge" über 250 Studenten des Instituts Johannes Paul II. an den Großkanzler, Erzbischof Vincenzo Paglia, mit einer Reihe schwerer Bedenken zur "Reform" des Instituts, die mehreren prominenten Theologen den Kopf kostet. Amoris Laetitia müsse "fair diskutiert" werden können, statt dass man versuche, durch theologische Parteinahme dieses zu verordnen, kritisierte ein Professor
  • Am 27. August 2019 schlagen zur Lösung der Krise vier Professoren in einem Brief an Erzbischof Vincenzo Paglia vor, einen weiteren Lehrstuhl für "begleitende Moraltheologie" zu schaffen, der den pastoralen Inhalt von Amoris Laetitia studieren könne. Gleichzeitig fordern sie aber die Wiedereinstellung der Professoren Livio Melina und José Noriega, sowie den Erhalt des Lehrstuhls für Fundamentalmoral.

  • Am 3. September 2019 äußert sich Großkanzler Erzbischof Paglia indirekt zur Kontroverse des Instituts für Ehe und Familienwissenschaften auf einer Konferenz in den USA. Dabei beruft er sich darauf, den Willen von Papst Franziskus umzusetzen. 

  • Am Ersten Advent des Jahres 2019 beginnt in Deutschland der "Synodale Weg". Bei einer Beratung in Berlin am 4. Dezember 2019 über Sexualmoral und die Sexualität des Menschen, die unter anderem eine "Neubewertung" der Homosexualität für den "Synodalen Weg" verhandelt, erklären Erzbischof Heiner Koch und Bischof Franz-Josef Bode, in Amoris Laetitia gebe es bereits feststellbare "Entwicklungen" der kirchlichen Lehre und Praxis. Nach Amoris Laetitia werde in der Katholischen Kirche eine sexuelle Partnerschaft außerhalb der sakramentalen Ehe – nach einer zivilen Scheidung und Wiederheirat – "nicht weiter pauschal als schwere Sünde qualifiziert". 

  • Eine besondere Segnung homosexueller Beziehungen fordert – mit mehrfachem Verweis auf Amoris Laetitia – der Liturgiewissenschaftler und Ordenspriester Ewald Volgger im Februar 2020 in dem Buch für eine "Benediktion von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften". Eine lesbische Katholikin und Autorin kritisiert im Interview mit CNA Deutsch diese Art vermeintlicher Seelsorge. 
     
  • Im Juni 2020 fordert ein Mitarbeiter der italienischen Bischofskonferenz – nach eigenen Angaben "inspiriert von Amoris Laetitia" – eine Änderung der kirchlichen Lehre zur Homosexualität in einem neuen Buch.  

  • Am 15. Dezember 2020 veröffentlicht die deutsche Bischofskonferenz eine "Arbeitshilfe" zum Familiensonntag am 27. Dezember. Diese bezieht sich auf Amoris Laetitia in Beschreibung "unterschiedlicher Phasen" einer Ehe. Unter dem Titel "Zweisamkeit neu lernen" werden Bücher empfohlen, etwa von Pater Anselm Grün sowie ein Roman über einen Ehebruch. 

  • Papst Franziskus verkündet am 27. Dezember 2020, dass zum fünften Jahrestag von Amoris Laetitia ein "Amoris Laetitia Familienjahr" zur – so wörtlich – "Vertiefung" des Schreibens abgehalten werden soll. Das Dikasterium für Laien und Familie – geleitet von Kardinal Kevin Farrell – veranstalte dazu eine Reihe von Aktionen vom 19. März 2021 bis zum 26. Juni 2022.

  • Am 3. Februar 2021 verteidigt der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf in einem öffentlichen Statement seine Unterstützung eines Buchs für die Segnung homosexueller Verbindungen in der Kirche mit dem Titel "Paare. Riten. Kirche". Zur Begründung verweist er auf die "Beratungen" am 5. Dezember 2019 in Berlin, laut denen es dank Amoris Laetitia nun feststellbare "Entwicklungen" in der Lehre der Kirche gebe. Vor Kohlgraf fordert bereits Bischof Georg Bätzing am 28. Dezember 2020 öffentlich eine Abkehr von der katholischen Sexualmoral ein.    

  • Am 15. März 2021 veröffentlicht die  Glaubenskongregation des Vatikans ein Responsum auf ein Dubium auf die Frage nach einer Segnung homosexueller Verbindungn in der Kirche. Die Antwort: "Nein". In der Erklärenden Note verweist Kardinal Luis Ladaria auf Amoris Laetitia mit dem Zitat "damit diejenigen, welche die homosexuelle Tendenz zeigen, die notwendigen Hilfen bekommen können, um den Willen Gottes in ihrem Leben zu begreifen und ganz zu erfüllen".

  • Bischof Rudolf Voderholzer begrüßt noch am gleichen Tag diese Klarstellung aus Rom und zitiert aus Amoris Laetitia:  "Was die Pläne betrifft, die Verbindungen zwischen homosexuellen Personen der Ehe gleichzustellen, gibt es keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn" (AL 251).

  • Am 16. März 2021 schlägt Professor Thibaud Collin vor, das in Krise geratene Institut Johannes Paul II. für Ehe und Familiewissenschaften in "Amoris-Laetitia-Institut" umzubenennen, nachdem bekannt wird, dass Monsignore Philippe Bordeyne zu dessen Präsidenten ernannt wird.

 

Diese Zeitleiste wird laufend aktualisiert. Letztes Update: 16. März 2021. 

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