Amoris Laetitia: Eine Zeitleiste

Das Begleitschreiben des Papstes, mit dem Amoris Laetitia an die Bischöfe gesendet wurde.
Foto: Bild und Grafik: CNA/Alexey Gotovskiy
Facebook Twitter Google+ Pinterest Addthis

Diese laufend aktualisierte Chronologie bietet eine Übersicht über das Nachsynodale Schreiben Amoris Laetitia, die Dubia und weiteren Entwicklungen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Am 8. Oktober 2013, ein gutes halbes Jahr nach seiner Wahl, kündigt Papst Franziskus an, er werde im Oktober 2014 eine Außergewöhnliche Synode über Familie und Evangelisierung abhalten, gefolgt von einer Bischofssynode zum gleichen Thema im Oktober 2015.

  • Im September 2015, kurz vor der zweiten Synode, drücken 800.000 Individuen und Verbände aus 178 Nationen in einer Petition an den Papst ihre Sorge aus, dass nach der ersten Synode –  deren Handhabung ins Kreuzfeuer scharfer Kritik gekommen war – "weitverbreitete Verwirrung" herrscht. 

  • Am 8. April 2016 veröffentlicht Franziskus als Abschlussdokument - eine Apostolische Exhortation - das fast 300 Seiten umfassende Lehrschreiben Amoris Laetitia.

  • Am 28. April 2016 warnt der renommierte Philosoph Robert Spaemann gegenüber CNA Deutsch, das Schreiben stelle möglicherweise einen Bruch mit der kirchlichen Lehrtradition dar. In einem zweiten Kommentar für CNA Deutsch präzisiert er seine Äußerungen dazu weiter. 

  • Im Juli 2016 schreiben 45 katholische Gelehrte, Würdenträger und Geistliche einen Bittbrief an alle Kardinäle und Patriarchen der Kirche. Darin ersuchen sie die Kardinäle, Papst Franziskus aufzufordern, einige Passagen in Amoris Laetitia richtig zu stellen. 

  • Am 19. September 2016 übermitteln vier Kardinäle – Joachim Meisner, Walter Brandmüller, Carlo Caffara und Raymond Burke – dem Papst einen Bittbrief, in dem sie die Klärung von fünf "Dubia" – also Zweifel – in der Form von Fragen fordern. Der Brief bleibt ohne Antwort. Auch eine spätere Bitte um eine Audienz wird vom Papst ignoriert.

  • Am 18. November wirft Papst Franziskus in einem Interview mit "Avvenire" (der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz) Kritikern vor, Amoris Laetitia "nicht verstanden zu haben". Das liege daran, dass diese Personen nach dem Schema "schwarz oder weiß" dächten, "selbst wenn wir im Fluss des Lebens unterscheiden müssen", so Franziskus

  • Am 4. Dezember sagt der enge Papst-Vertraute und Jesuitenpater Antonio Spadaro in einem Interview mit "Crux", dass die Fragen der Dubia eigentlich schon bei der Synode beantwortet worden seien. Er behauptet: Absolution in der Beichte und Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete sei nun, dank Amoris Laetitia, möglich.
     
  • Am 7. Dezember 2016 warnt der Freiburger Theologieprofessor Helmut Hoping in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", dass eine "Revision der katholischen Sexualmoral insgesamt" auf dem Spiel stehe, nicht nur die Frage des Kommunionempfangs. Hier werde sehr viel mehr verhandelt.

  • Am 14. Januar 2017 veröffentlichen die Bischöfe Maltas Leitlinien, die geschiedenen Wiederverheirateten ermöglichten, nach "ehrlicher Prüfung" ihres Gewissens selber zu entscheiden, ob sie zur Kommunion gehen – auch wenn sie weiterhin nicht enthaltsam lebten. Die Änderung begründeten die Bischöfe mit Amoris Laetitia.

  • Am 1. Februar 2017 veröffentlicht die Deutsche Bischofskonferenz Leitlinien zu Amoris Laetitia, die eine Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete unter bestimmten Umständen einführen. Auch wenn es "Einzelfälle" seien, gebe es nun grundsätzlich die "Möglichkeit des Sakramentenempfangs in diesen Situationen". 

  • Dagegen erklärt am gleichen Tag der damalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dass aus seiner Sicht Amoris Laetitia im Licht der gesamten Lehre der Kirche interpretiert werden müsse und diese nicht ändere, ja nicht ändern könne. Ihm "gefalle nicht", wenn Bischöfe dies anders interpretieren, so der ehemalige Bischof von Regensburg.

  • Am 3. Februar 2017 veröffentlicht Bischof Vitus Huonder von Chur Leitlinien, in denen die Heiligkeit des Ehebandes betont und eine geduldige Begleitung und Eingliederung von Gläubigen unterstrichen wurde. Eine Kommunion oder Absolution für geschiedene Wiederverheiratete machten die Leitlinien jedoch abhängig von der Frage der Enthaltsamkeit der Betroffenen, so der Oberhirte aus der Schweiz.

  • Ebenfalls im Februar 2017 veröffentlichen die International Confraternities of Catholic Clergyein Zusammenschluss von über 1.000 Priestern aus den USA, Irland, Australien und anderen Ländern, ein Statement zu Amoris Laetitia. Darin plädieren sie für eine Klärung der offenen Fragen angesichts unterschiedlicher Auslegungen und "wachsender Unterschiede in der Praxis".

  • Am 14. März 2017 wendet sich Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer mit einer "Handreichung für die Seelsorge mit wiederverheirateten Geschiedenen" an Betroffene und Seelsorger seiner Diözese. Darin betont er, dass niemand ausgeschlossen werde und jeder Katholik die Messe besuchen solle. Wer jedoch als geschiedener Wiederverheirateter zur Kommunion zugelassen werden wolle, der müsse in seinem Bistum zumindest weiterhin enthaltsam "wie Bruder und Schwester" leben. Er widerspricht damit den Leitlinien anderer Bistümer.  
  • Am 11. August 2017 veröffentlichen dutzende Katholiken eine Correctio Filialis des Papstes. Diese "Zurechtweisung wegen der Verbreitung von Häresien" führte sieben Thesen an, die der Pontifex verbreite und "dadurch eine große und unmittelbare Gefahr für die Seelen" verursache, so die Unterzeichner, darunter der ehemalige Chef der Vatikanbank, Ettore Gotti Tedeschi, der deutsche Schriftsteller Martin Mosebach und zahlreiche weitere.

  • Am 25. September 2017 erklärt dagegen der Leiter der Bischofskongregation, der kanadische Kardinal Marc Ouellet, Amoris Laetitia führe aus seiner Sicht zwar ein, dass jetzt "in Ausnahemfällen" Menschen zur Kommunion und Lossprechung in der Beichte zugelassen werden würden, die es bislang nicht waren. Aber dies stelle für ihn keinen Bruch mit der Lehre oder der Sakramentendisziplin dar, so der Würdenträger.

  • Ende September 2017 plädieren sowohl Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin als auch Kardinal Gerhard Ludwig Müller für einen Dialog zur Klärung der offenen Fragen um Amoris Laetitia.

  • Am 18. Oktober 2017 veröffentlichen Bischöfe, Priester, Theologen und andere einen "offenen Brief" als "Initiative Pro Pope Francis", in dem sie dem Papst danken und ihrer "vollen Unterstützung" versichern. 
  • Am 14. November 2017 - ein Jahr nach Veröffentlichung der Dubia, äußert sich einer der Unterzeichner, Kardinal Raymond Leo Burke, mit einem "letzten Appell" an Papst Franziskus: Er bitte ihn, Schlüsselaspekte seiner Morallehre zu klären.

  • Am 8. November 2017 kommentiert Erzbischof Charles Chaput von Philadelphia in einem Vortrag vor Priestern, die Kontroverse über Amoris Laetitia habe "viel Gutes vernebelt". Wo Verwirrung über einen päpstlichen Text herrsche, müsse dieser aber auf eine Art interpretiert werden, die vereinbar sei mit der Lehre der vorangegangenen Päpste. 

  • Am 9. April 2018 veröffentlichen mehrere Kardinäle und weitere Würdenträger eine Sechs-Punkte-Erklärung zur Interpretation von Amoris Laetitia als Ergebnis einer Tagung in Rom. Thema des Treffens: "Katholische Kirche, wohin gehst Du?". 
  • Am 20. Mai 2018 fordert Kardinal Gerhard Ludwig Müller alle Verantwortlichen, "die Amoris Laetitia umsetzen", auf, zu unterscheiden zwischen echter Entfaltung der Glaubenslehre und deren "Korruption" im Sinne von Kardinal John Henry Newman

  • In einem am 25. Januar 2019 veröffentlichten Interview räumt Kardinal Kevin Farrell, Präfekt des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, ein dass das Schreiben zwar in der Kritik steht, betont jedoch, dass es aus seiner Sicht in Amoris Laetitia nichts gebe, "was dem Evangelium widerspricht". Er äußert sich auch zu seinem Verhältnis zu Theodore McCarrick und der andauernden Kirchenkrise.

  • Am 8. Februar 2019 veröffentlicht Kardinal Gerhard Ludwig Müller ein Glaubensmanifest angesichts der Verwirrung. Darin fasst er die Glaubenslehre über Sakramente - einschließlich des Kommunionempfangs - zusammen. Das Manifest erregt weltweites Aufsehen - und widerspricht indirekt Interpretationen von Amoris Laetitia.
  • Am 10. Februar 2019 reagiert Kardinal Walter Kasper mit einer scharfen Kritik am Manifest von Kardinal Müller und wirft ihm wiederum vor, Verwirrung zu stiften.
  • Am 15. Mai 2019 behauptet Professor Richard A. Spinello in einem bei "Crisis Magazine" veröffentlichten Aufsatz: "Benedikts Essay ist eine stillschweigende Rüge von Amoris Laetitia". Wenige Tage zuvor behauptet Elizabeth Mitchell in einem Essay: "Die Dubia wurden beantwortet" und argumentiert, Papst emeritus Benedikt habe mit seinem Schreiben über die Kirchenkrise die Dubia beantwortet. 

  • Am 17. Mai 2019 teilt das von Kardinal Kevin Farrell geleitete "Dikasterium für Laien, Familie und Leben" mit, dass beim nächsten Weltfamilientreffen Amoris Laetitia zum fünften Jahrestag wieder gelesen werde.   

  • Am 19. Juli 2019 schreiben "aus großer Sorge" über 250 Studenten des Instituts Johannes Paul II an den Großkanzler, Erzbischof Vincenzo Paglia, mit einer Reihe schwerer Bedenken zur "Reform" des Instituts, die mehreren prominenten Theologen den Kopf kostet. Amoris Laetitia müsse "fair diskutiert" werden können, statt dass man versuche, durch theologische Parteinahme dieses zu verordnen, kritisierte ein Professor. In den darauffolgenden Wochen eskaliert die Kontroverse zu einer massiven Krise für die Hochschule.
  • Am 27. August 2019 schlagen zur Lösung der Krise vier Professoren in einem Brief an Erzbischof Paglia vor, einen weiterne Lehrstuhl für "begleitende Moraltheologie" zu schaffen, der den pastoralen Inhalt von Amoris Laetitia studieren könne. Gleichzeitig fordern sie aber die Wiedereinstellung der Professoren Livio Melina und José Noriega, sowie den Erhalt des Lehrstuhls für Fundamentalmoral.
  • Am 3. September 2019 äußert sich Großkanzler Erzbischof Paglia indirekt zur Kontroverse des Instituts für Ehe und Familienwissenschaften auf einer Konferenz in den USA. Dabei beruft er sich darauf, den Willen von Papst Franziskus umzusetzen.

Diese Zeitleiste wird laufend aktualisiert.

Das könnte Sie auch interessieren: