Kardinal Farrell betont seine Unterstützung für Amoris Laetitia

Kardinal Kevin Farrell
Foto: CNA Deutsch / Lucia Ballester
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In einem neuen Interview hat sich Kardinal Kevin Farrell zur Kontroverse um das Schreiben Amoris Laetitia geäußert, dem Krisengipfel zur Missbrauchskrise - sowie seinem Verhältnis zu Erzbischof Theodore McCarrick.

"Es gibt in Amoris Laetitia nichts, was dem Evangelium widerspricht", sagt darin Farrell, und fährt fort: "Was macht Franziskus? Er geht zum Evangelium. Schauen Sie sich jedes Kapitel an, es ist direkt aus einem der Evangelien oder den Briefen des Heiligen Paulus", behauptet der Kardinal in einem Interview mit Christopher Lamb von "The Tablet", einer britischen Wochenzeitschrift.

Auszüge aus dem Interview wurden am 25. Januar veröffentlicht.

Farrell, Präfekt des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, sprach auch über sein Verhältnis zu ex-Kardinal Theodore McCarrick – mit dem er jahrelang zusammenlebte und als Generalvikar diente, während die beiden in der Erzdiözese Washington waren.

Außerdem äußerte sich Kardinal Farrell über Kritik am Vorgehen von Papst Franziskus und die durch Vertuschung sexuellen Fehlverhaltens und Missbrauchs ausgelöste Kirchenkrise.

"Kritische Elemente"

Der Journalist Lamb schreibt, dass zu Farrells Aufgaben als Präfekt "die Implementierung von Amoris Laetitia" gehöre.

"Aus den Informationen, die uns von den Konferenzen der Bischöfe und Laiengruppen, die in verschiedenen Teilen der Welt am Ehe- und Familienleben beteiligt sind, zugehen, geht hervor, dass [Amoris Laetitia] sehr gut aufgenommen wird, überwältigend gut angenommen wird", behauptet Farrell im Interview .

Farrell räumt zumindest ein, dass einige "Elemente" kritisch reagierten und bis heute Fragen stellen, "in den Vereinigten Staaten, auf dem Kontinent Afrika und einige hier in Europa - aber nicht sehr stark".

"Die Lehre ist klar"

Sein Interviewer schreibt dazu: "Kardinal Farrell sagte, dass die Lehre klar ist: Der Papst öffnet einen Weg für geschiedene und wiederverheiratete Katholiken, um nach einem Prozess der Unterscheidung und von Fall zu Fall zur Kommunion zurückzukehren".

Farrell zufolge "geht es nicht einfach darum, zu einem Priester zu gehen und zu sagen: 'Kann ich die Kommunion empfangen?'. Es ist ein Prozess, ein Prozess, der ein Jahr dauern könnte, zwei Jahre dauern, drei Jahre dauern könnte. Es hängt von den Menschen ab. Im Grunde geht es darum, Menschen dort zu begegnen, wo sie sind."

"Ideologischer Konflikt"

Wer dagegen sei, dass staatlich geschiedene und wiederverheiratete Katholiken die Kommunion empfangen können [gemeint ist offenbar, wenn sie nicht keusch leben, Anm.d.R.], der sagt damit, dass diese Leute "für immer außerhalb der Kirche" sind, behauptet Farrell gegenüber Lamb, und fährt fort: "Es gibt keine Erlösung, was auch immer? Keine? Du willst mir sagen, dass Christus und die Erlösung Christi nicht für diese Menschen funktioniert habe? Nein."

Der Kardinal bezeichnet zudem die Kritik an dieser Entscheidung des Papstes als einen "tiefsitzenden ideologischen" Konflikt.

Praktisch anstatt theologisch oder kanonisch

Farrell legt dar, dass es ihm um eine "praktische" Perspektive auf Amoris Laetitia gehe anstatt einer theologischen oder kanonischen.

Deshalb habe sein Dikasterium für das Weltfamilientreffen "theologische Kurse" angeboten, bei denen es aber "nicht um eine theologisch-kirchenrechtliche Perspektive" gegangen sei. "Wir wollten sicherstellen, dass Amoris Laetitia aus praktischer Sicht behandelt wird", so Farrell , und fährt fort: "Und deshalb habe ich keine kanonischen Kurse angeboten. Gar keine."

Kritik an Papst ist "boshaft" und "beispiellos"

Der Kardinal bezeichnet Opposition gegen das Vorgehen von Papst Franziskus als "beispiellos" und "bösartig" und behauptet auch, dass der Papst "die Kirche auf einen evangelikalen [evangelical] Weg gebracht hat", der auf der Frohen Botschaft beruhe.

Farrell sagt auch, dass es "so wichtig ist, dass Laien Verantwortung für die Kirche und für die Zukunft der Kirche übernehmen."

Erwartungen an Krisengipfel

Mit Blick auf die Kirchenkrise und die Skandale um sexuelles Fehlverhalten, Missbrauch und Vertuschung konzentriert sich Kardinal Farrell auf den Krisengipfel, zu dem Papst Franziskus im Februar die Vorsitzenden der Bischofskonferenz einbestellt hat.

"Meine Hoffnung ist, dass es eine klare Vorstellung davon geben wird, wohin wir in Zukunft gehen werden", so Farrell. Gleichzeitig dürfe man jedoch keine allzu hohen Erwartungen haben, fährt der Kardinal fort. "Es werden Erwartungen an das Treffen gestellt, die menschlich nicht erfüllt werden können", behauptet er und fährt fort: "Anstatt das Problem an Rom weiterzugeben, denke ich, dass die Bischöfe die Verantwortung für die Situation in ihrer eigenen Nation übernehmen müssen".

"Ich bin nie mit ihm irgendwo hingegangen"

Kardinal Farrell äußert sich auch zu Fragen über seine Zeit mit ex-Kardinal Theodore McCarrick, mit dem er jahrelang zusammenlebte.

"Ich lebte in der bischöflichen Residenz, wo es sechs weitere Priester und zwei Bischöfe gab. Wusste ich es jemals [von McCarricks mutmaßlichen Verbrechen]? Nein. Habe ich jemals etwas vermutet? Nein. Hat er jemals einen Seminaristen in Washington missbraucht? Nein. Ich bin nie mit ihm irgendwo hingegangen. Ich war der Generalvikar, ich war derjenige, der die ganze Zeit in den Büros steckte und sich um all die Probleme kümmerte. Der Erzbischof der Diözese ist unterwegs. Er ist in Rom, er ist in Lateinamerika, auf der ganzen Welt."

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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