Papst Franziskus bei fliegender Pressekonferenz: "Abtreibung ist Mord"

Papst Franziskus bei einer "fliegenden Pressekonferenz" im Jahr 2014.
Foto: CNA/Alan Holdren

"Abtreibung ist Mord", aber Pfarrer sollten mit Menschen pastoral nicht politisch umgehen, wenn es um den Empfang der heiligen Kommunion geht: Das hat Papst Franziskus am heutigen Mittwoch gesagt.

Die "fliegende Pressekonferenz" von Pressburg nach Rom heute Nachmittag war mit Spannung erwartet worden, mit der Papst Franziskus seine Reise nach Budapest und in die Slowakei beendete, die den Pontifex vom 12. bis 15. September nach Osteuropa geführt hatte.

Bei der Beantwortung von Fragen an Bord des päpstlichen Flugzeugs heute sagte der Papst mit Nachdruck, dass die Abtreibung ein menschliches Leben beendet und dass das menschliche Leben geachtet werden muss.

"Abtreibung ist mehr als nur ein Thema. Abtreibung ist Mord", sagte Papst Franziskus wörtlich.

"Wissenschaftlich gesehen ist es ein menschliches Leben. Die Lehrbücher lehren uns das. Aber ist es richtig, es abzutreiben, um ein Problem zu lösen? Und das ist der Grund, warum die Kirche in dieser Frage so streng ist, denn es ist so, als würde man den täglichen Mord akzeptieren", sagte er.

Auf eine Frage zur Debatte über die Verweigerung der Kommunion für Politiker, die Abtreibung unterstützen, antwortete der Papst, dass es in der Geschichte der Kirche Probleme gegeben habe, wenn Bischöfe politisch und nicht als Pfarrer gehandelt hätten.

"Was soll der Pfarrer tun? Ein Hirte sein, nicht herumlaufen und verurteilen ... sondern ein Pfarrer sein. Aber ist er auch ein Pfarrer für die Exkommunizierten? Ja, er ist der Pfarrer und ... er muss ein Hirte mit dem Stil Gottes sein. Und der Stil Gottes ist Nähe, Mitgefühl und Zärtlichkeit", sagte der Papst.

"Für mich, ich möchte nicht [...] die Vereinigten Staaten spezifizieren, weil ich die Einzelheiten nicht gut kenne, gebe ich das Prinzip ... Sei ein Pfarrer und der Pfarrer weiß, was er jederzeit zu tun hat, aber als Hirte. Aber wenn er aus diesem Hirtenamt der Kirche herauskommt, wird er sofort zum Politiker", sagte Franziskus wörtlich vor Journalisten.

Der Papst verwies von sich aus auf die Kontroverse über die Kommunion für geschiedene und wiederverheiratete Katholiken, die seit der Veröffentlichung seines Schreibens Amoris Laetitia im Jahr 2016 brodelt.

"Erinnern Sie sich an den Sturm, der durch Amoris laetitia ausgelöst wurde, als das Kapitel über die Begleitung von getrennt lebenden, geschiedenen Paaren herauskam: 'Häresie, Häresei!' Gott sei Dank gab es Kardinal [Christoph] Schönborn, einen großen Theologen, der die Dinge klarstellte", sagte Papst Franziskus wörtlich.

"Aber immer nur Verurteilung, Verurteilung, genug mit Exkommunikation. Bitte lassen Sie uns keine Exkommunikationen mehr aussprechen. Arme Menschen. Sie sind Kinder Gottes. Sie sind vorübergehend draußen, aber sie sind Kinder Gottes und sie wollen und brauchen unsere seelsorgerliche Nähe. Dann arbeiten die Pfarrer die Dinge durch den Geist Gottes aus", fuhr Franziskus fort.

Papst Franziskus sagte weiter, er habe noch nie jemandem persönlich die Eucharistie verweigert und fügte hinzu, dass er sich nicht bewusst sei, jemals in der Situation gewesen zu sein, die der Journalist, der die Frage gestellt hatte, beschrieben hatte: die eines Pro-Abtreibungs-Politikers, der zu ihm kam, um die heilige Kommunion zu empfangen.

Der Papst erzählte dann, wie er einmal versehentlich einer jüdischen Frau in einem Altersheim die Kommunion gespendet habe, die sich dem Sakrament in Unwissenheit genähert habe.

Papst Franziskus sagte: "Diejenigen, die nicht in der Gemeinschaft sind, können die Kommunion nicht empfangen – wie diese jüdische Dame. Aber der Herr wollte sie belohnen und ohne mein Wissen – warum?"

Exkommunikation, fuhr der 84 Jahre alte Pontifex fort, sei "ein harter Ausdruck, aber was es bedeutet, ist, dass sie nicht in der Gemeinschaft sind, oder weil sie nicht dazugehören, oder weil sie getauft sind, aber von einigen Dingen abgewichen sind."

Papst Franziskus begann seine Reise am 12. September mit einem Besuch in Budapest, wo er die Abschlussmesse des 52. Internationalen Eucharistischen Kongresses feierte und sich mit dem ungarischen Premierminister Viktor Orbán traf.

Der Papst sagte den Journalisten im Flugzeug, dass er mit Orbán über die Ökologie und seine Besorgnis über einen "demografischen Winter" in Europa gesprochen habe, aber nicht über die Einwanderung, ein Thema, bei dem die Meinungen der beiden stark auseinandergehen.

Nach einem nur siebenstündigen Aufenthalt in Budapest reiste der Papst noch am selben Tag in die benachbarte Slowakei.

In Pressburg hat Papst Franziskus dann Treffen mit politischen und zivilen Autoritäten, katholischen Geistlichen und Ordensleuten sowie der jüdischen Gemeinde gewidmet. Einen Tag später besuchte er ein Viertel der Roma-Gemeinde im Osten des Landes, und feierte zuvor eine Göttliche Liturgie im byzantinischen Ritus. An seinem heutigen letzten Tag feierte er die heilige Messe mit den Bischöfen in der Basilika von den Sieben Schmerzen Mariens in Šaštín – zu Deutsch Maria Schoßberg – zum Festtag Unserer Lieben Frau von den Sieben Schmerzen.

Der Flug des Papstes landete um 15:30 Uhr auf dem Flughafen Fiumicino in Rom. Der 90-minütige Flug war das letzte Mal, dass Papst Franziskus mit Alitalia, der seit langem angeschlagenen nationalen Fluggesellschaft Italiens fliegen konnte. Der Konzern wird demnächst durch eine neue Fluggesellschaft namens Italia Trasporto Aereo (ITA) ersetzt.

Von den sechs Fragen, die dem Papst während der Pressekonferenz während des Fluges gestellt wurden, nahm er sich die meiste Zeit, um über Abtreibung und die Heilige Kommunion zu sprechen.

Papst Franziskus sagte, dass in vielen Fällen, bevor eine Mutter merkt, dass sie schwanger ist, sich die DNA und die Organe ihres Kindes gebildet haben.

"Es ist ein menschliches Leben, Punkt. Dieses menschliche Leben muss respektiert werden. Dieses Prinzip ist so klar", sagte er.

Der Papst sagte, dass er denjenigen, die dies nicht verstehen können, zwei Fragen stellen würde: "Ist es richtig, ist es gerecht, ein menschliches Leben zu töten, um ein Problem zu lösen? Wissenschaftlich gesehen ist es ein menschliches Leben. ... Ist es richtig, einen Auftragskiller zu engagieren, um ein Problem zu lösen?"

Während des Fluges beantwortete Papst Franziskus auch eine Frage zu einer Resolution im Europäischen Parlament, die die Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Ehen und eingetragenen Partnerschaften in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union fordert.

In seiner Antwort betonte der Papst, dass die Ehe ein Sakrament zwischen einem Mann und einer Frau ist, das von Christus eingesetzt wurde und das die katholische Kirche nicht ändern kann. 

Gleichzeitig sagte der Papst: Es gebe zivile Gesetze, die die Situation von Paaren "unterschiedlicher sexueller Orientierung" verbessern sollen, die aber gleichzeitig die Lehre der Kirche über das Sakrament der Ehe nicht in Frage stellten, wenn es etwa um die Absicherung von gleichgeschlechtlichen Paaren beim Erbe oder bei der Krankenversicherung gehe.

"Aber Ehe ist Ehe", betonte er. "Das bedeutet nicht, dass wir Menschen, die so sind, verurteilen, nein, bitte, sie sind unsere Brüder und Schwestern und wir müssen sie begleiten."

"Manchmal ist das, was ich gesagt habe, verwirrend", räumte der Papst ein. Er fügte hinzu: "Bitte zwingen Sie die Kirche nicht, ihre Wahrheit zu verleugnen."

"Viele, viele Menschen mit homosexueller Orientierung kommen zum Bußsakrament [der Beichte], sie kommen, um die Priester um Rat zu fragen, die Kirche hilft ihnen, in ihrem Leben weiterzukommen", sagte er.

Courtney Mares, Andrea Gagliarducci, Hannah Brockhaus und Luke Coppen trugen zur Berichterstattung bei.

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