Kardinal Kasper übt scharfe Kritik an "Glaubensmanifest" von Kardinal Müller

Kardinal Walter Kasper
Foto: CNA / Bohumil Petrik
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Auf großes Interesse ist das "Glaubensmanifest" von Kardinal Gerhard Ludwig Müller gestoßen. Während sich ein Bischof dafür öffentlich bedankte, reagierten andere kritisch, darunter der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper. Er wirft dem Manifest "halbe Wahrheiten" und "Verwirrung" vor.

Wie CNA Deutsch berichtete, hat Kardinal Müller in mehreren Sprachen ein Glaubensmanifest veröffentlicht, in dem er auf knapp vier Seiten eine Übersicht beschreibt: Vom dreifaltigen, einen Gott über die Kirche im Sinne einer Ekklesiologie, deren sakramentale Ordnung und das sittliche Gesetz – bis hin zum ewigen Leben. 

Dabei äußert sich Müller auch zum Verständnis der heiligen Kommunion und indirekt der Kontroverse um Interpretationen des Schreibens Amoris Laetitia.

Während einige katholische Kommentatoren die Frage stellten, warum der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation überhaupt ein "Manifest" veröffentlichte, das sich in zahlreichen Verweisen auf die Heilige Schrift und den Katechismus stützt, gab es auch deutlich positive wie klar negative Reaktionen.

Der amerikanische Bischof Thomas Tobin von Providence teilte über "Twitter" mit:

"Ich habe gerade Kardinal Müllers 'Manifest des Glaubens' gelesen. Ich schätze seine klare, prägnante und geordnete Vorgehensweise sehr. Sehr zitierfähig und eine ausgezeichnete Zusammenfassung des Glaubens. 'Möge Maria, die Mutter Gottes, uns die Gnade erflehen, am Bekenntnis zur Wahrheit Jesu Christi ohne Wanken festzuhalten'".

Mit scharfer Kritik reagierte dagegen Kardinal Walter Kasper. In einer auf dem Portal "katholisch.de" veröffentlichten Erklärung wirft der frühere Kurienkardinal Müller vor, mit seinem Manifest "halbe Wahrheiten" zu verbreiten und "Verwirrung und Spaltung zu fördern".

Zwar enthalte das Manifest "viele Aussagen des Glaubens, die jeder aufrechte Katholik nur von ganzem Herzen bejahen kann", so Kasper. Doch einige der Wahrheiten seien zu "pointiert herausgestellt", was wiederum "die andere Hälfte" ausblende.

Es sei zwar "richtig, dass das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott einen fundamentalen Unterschied im Gottesglauben und Menschenbild zu anderen Religionen bedeutet", so Kasper.

"Aber gibt es nicht auch Gemeinsamkeiten, vor allem mit den Juden wie mit den Muslimen, im Glauben an den einen Gott? Und sind diese Gemeinsamkeiten zumal heutzutage nicht grundlegend für den Frieden in der Welt und in der Gesellschaft? Die halbe Wahrheit ist nicht die katholische Wahrheit!"

Als zu "pauschal" bewertet Kardinal Kasper auch die Aussage, dass das Gewissen von Gläubigen nicht genügend gebildet sei; und zu einseitig oder "private theologische Überzeugung" gar seien andere Passagen im "Manifest".

An Martin Luther fühlt sich Kasper erinnert angesichts der Passage im "Manifest", in der steht Glaubenswahrheiten zu unterschlagen entspreche dem "Betrug des Antichrists".

Darüber sei er "total entsetzt", erklärt Kardinal Kasper:

"Auch Luther hat damals vieles in der Kirche zu Recht kritisiert. Aber der Antichrist-Vorwurf war - wie heute auch unsere lutherischen Dialogpartner sagen - schon damals unangemessen. Steht hinter dem Manifest ein Luther redivivus? Einer, der sich zu Recht für Reformen in der Kirche einsetzt, diese aber am Papst vorbei und gegen ihn durchsetzen will? Ich will das nicht glauben. Denn das könnte nur zu Verwirrung und Spaltung führen. Das würde die katholische Kirche aus den Angeln heben."

Kasper wirft somit Müller vor, das auszulösen, was dessen Manifest angetreten ist, zu klären: Verwirrung in der Kirche. 

LINK-TIPP: Den vollen Wortlaut lesen Sie bei "katholisch.de"

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