Forscher in Japan entdecken seltene Schriftrolle der ersten Christen im Land

Schriftrolle (Referenzbild)
Foto: MikhailSh / Shutterstock
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Eine christliche Schriftrolle, die in einem japanischen Museum gefunden wurde, soll Forschern zufolge aus den frühen Tagen des Christentums im Land stammen.

Die Schriftrolle ist etwa 3,4 Meter lang und etwa 23 Zentimeter hoch. Zu sehen sind 15 Szenen: Das Leiden, der Tod und die Auferstehung Jesu. Die Bilder zeigen religiöse Figuren mit traditioneller japanischer Kleidung, und lateinische Gebete werden in japanischen phonetischen Buchstaben auf der gesamten Schriftrolle abgebildet.

Die Schriftrolle wurde im Museum "SawadaMiki Kinenkan" in der Stadt Oiso, Präfektur Kanagawa, in der Nähe von Tokio entdeckt, wo historische christliche Gegenstände gesammelt werden.

Laut der japanischen Zeitung "The Mainichi" lautet eine Inschrift auf der Schriftrolle "1592 Jahre seit seiner Geburt", was Historiker glauben lässt, dass dies das Jahr war, in dem die Schriftrolle erstellt wurde. Messungen mit der Radiokarbonmethode haben gestgestellt, dass die Rolle "vor dem Jahr 1633" geschaffen wurde, so Museumssprecher in einer Pressekonferenz.

Wenn diese Datierung korrekt ist, würde die Schriftrolle aus einer Zeit grausamer und gewalttätiger Verfolgung von Christen in Japan stammen.

Das Christentum erreichte die japanischen Inseln spätestens um 1549, als der heilige Franz Xaver ins Land kam - obwohl möglich ist, dass nestorianische Christen bereits in den 400er Jahren auf den Inseln präsent waren, sich einige Jahre später jedoch zurückzogen.

Franz Xaver und die anderen Missionare vom Orden der Jesuiten evangelisierten und tauften viele Japaner und bekehrten manchmal ganze Provinzen zum Christentum.

In den 1580er Jahren gab es in Japan mehr als 200.000 Christen, darunter mehrere einflussreiche Führer, die sich bekehrt hatten. Aber 1588 befahl der Kaiser Cambacundono allen Missionaren, das Land innerhalb von sechs Monaten zu verlassen.

Viele Missionare blieben im Verborgenen, aber eine grausame Christenverfolgung begann. Christliche Bekehrte wurden gefoltert, indem sie bei lebendigem Leib verbrannt oder gehäutet wurden, bis sie angaben, vom Glauben abzuschwören. Wenn sie sich weigerten, wurden sie in der Regel durch Verbrennen, Enthaupten oder Kreuzigung getötet.

Die meisten Europäer wurden damals von der Insel verbannt, aus Angst, dass sie versuchen würden, die Japaner zum Christentum zu bekehren. Im Jahr 1642 kamen fünf Jesuiten nach Japan, wurden aber bald entdeckt und getötet. Der christliche Glaube war über mehrere Jahrhunderte in ganz Japan verboten, bis zum Jahr 1871, als dem japanischen Volk die Religionsfreiheit gewährt wurde.

Die im Museum entdeckte Schriftrolle ist eines der wenigen christlichen Artefakte aus Japan der Zeit vor 1871. Die meisten wurden zerstört, nachdem im Jahr 1612 das Christentum verboten wurde.

Osamu Inoue, Leiter des "Yokohama Museum für Geschichte" und einer der Forscher, welche die Schriftrolle untersucht haben, sagte, dass die Bilder wahrscheinlich als Reaktion auf das schnelle Wachstum des christlichen Glaubens in Japan nach der Ankunft des Heiligen Franziskus Xavier entstanden seien.

"Gewöhnliche Menschen zeichneten vielleicht solche Bilder auf Papier, weil das Material preiswert war und (authentische) religiöse Gegenstände aufgrund des schnellen Wachstums der Anhänger knapp waren", sagte er "The Mainichi".

Die Schriftrolle ist nun im Museum ausgestellt.

Die lange, leidvolle Geschichte des Christentums in Japan hat in jüngster Zeit  Aufmerksamkeit erlangt, nachdem die Vereinten Nationen mehrere Orte von christlicher Bedeutung in Japan als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannten und Justo Takayama Ukon, ein katholischer Samurai und Märtyrer, 2017 seliggesprochen wurde.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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