Nach Missbrauchsuntersuchung: Deutscher Lateinamerika-Bischof warnt vor "Generalverdacht"

Bischof Emil Stehle
Foto: screenshot / YouTube / BR24

Der aus Deutschland stammende und in Lateinamerika tätige Bischof Reinhold Nann hat im Nachgang zur Fidei Donum-Missbrauchsuntersuchung davor gewarnt, deutsche Priester, die im Ausland wirken, unter "Generalverdacht" zu stellen. Nann ist Prälat der Territorialprälatur Caravelí im Süden von Peru.

Die am Montag veröffentlichte unabhängige Untersuchung hatte ergeben, dass der ehemalige Geschäftsführer der Bischöflichen Hilfsaktion Adveniat, Bischof Emil Stehle, Priestern, die in Deutschland wegen sexualisierter Gewalt strafrechtlich verfolgt wurden, dabei geholfen hat, sich den Behörden zu entziehen. Auch er selbst wurde des sexuellen Missbrauchs beschuldigt.

"Ich leugne nicht und bin zutiefst beschämt, dass es auch unter Fidei-Donum-Missionaren Missbrauchstäter gab und gibt", stellte Nann auf seinem Blog gleich zu Beginn klar. "Besonders betroffen macht es mich, dass auch der von mir zuvor bewunderte Bischof Emil Stehle sehr dunkle Seiten sowohl als Täter als auch als Vertuscher hatte. Und natürlich ist jeder einzelne Fall ein Fall zuviel, weil er tragisches Leid bei den Opfern hinterließ."

In der Öffentlichkeit werde indes "durch Vermutungen ein ungerechter Generalverdacht hergestellt, als wären alle Fidei Donum Priester oder doch zumindest ein großer Teil, Missbrauchstäter gewesen".

"Fidei Donum Missionare werden auf eigenen Wunsch ausgesandt", erläuterte Nann. "Die Bischoefe 'entledigen' sich daher nicht unliebiger Priester, aber straffällig gewordene Priester können unter Umständen auf diese Weise aus Deutschland geflüchtet sein."

Dies sei laut Akten "in 3 Fällen geschehen, unter aktiver Mithilfe von Emil Stehle. Von insgesamt 400 Fidei Donum Priestern waren das 3, also 0,75%. Es war zwar kein Einzelfall aber eben auch nur ein verschwindend geringer Prozentsatz."

Die 19 in der Untersuchung dargestellten Fälle – die nicht direkt mit sexuellem Missbrauch in Verbindung gebracht werden konnten, wo sich aber Fragen stellten – machten weniger als fünf Prozent der Fidei Donum-Priester aus, so der Bischof. Das bedeute, mit Blick auf die MHG-Studie der deutschen Bischofskonferenz von 2018: "Fidei Donum Priester sind genau in der gleichen Anzahl zu Missbrauchstätern geworden, wie die übrigen Priester in Deutschland auch. Nicht mehr und nicht weniger."

"Fidei Donum Priester sind nicht der Abschaum der Priester in Deutschland, der dann nach Suedamerika abgeschifft wurde", betonte Nann. "Sie sind genauso gut und genauso schlecht wie andere Priester auch."

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