Nach vier Jahren als Geisel von Islamisten: Franziskus segnet freigekommene Nonne

Papst Franziskus begrüßt die kürzlich freigelassene Sr. Gloria Cecilia Narváez Argoti im Vatikan, 10. Oktober 2021.
Foto: Vatican Media

Papst Franziskus hat am Sonntag eine kolumbianische Nonne begrüßt und gesegnet, die vor kurzem aus den Händen von Islamisten in Mali freigekommen ist, die sie vier Jahre lang als Geisel festgehalten haben.

Der Papst segnete Schwester Gloria Cecilia Narváez Argoti vor einer Messe im Petersdom, mit der ein weltweiter synodaler Prozess für die kommende Synodalitätssynode eröffnet wurde.

Das berichtet die Catholic News Agency (CNA), die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.

Sr. Gloria, Mitglied der Kongregation der Franziskanerinnen von der Unbefleckten Jungfrau Maria, wurde 2017 im Süden Malis entführt.

Das Amt des malischen Präsidenten gab bekannt, dass sie am 9. Oktober nach "vier Jahren und acht Monaten gemeinsamer Bemühungen mehrerer Geheimdienste" freigelassen wurde.

In den sozialen Medien wurden Fotos von ihrem Treffen mit Interimspräsident Oberst Assimi Goïta in Begleitung von Kardinal Jean Zerbo aus Bamako veröffentlicht.

"Wir haben viel für ihre Freilassung gebetet. Ich danke den malischen Behörden und anderen guten Menschen, die diese Freilassung möglich gemacht haben", so der Kardinal gegenüber AFP.

Bewaffnete Männer entführten Sr. Gloria am 7. Februar 2017 in Karangasso, etwa 144 Kilometer südlich der Stadt San, nahe der Grenze zu Burkina Faso.

Die Männer zwangen sie, die Schlüssel für den Krankenwagen der Gemeinde auszuhändigen. Das Fahrzeug wurde später verlassen aufgefunden. Drei weitere Schwestern waren in ihrem Haus anwesend, konnten aber entkommen.

Die Entführer wollten die jüngste Nonne mitnehmen, aber Sr. Gloria hat sich Berichten zufolge freiwillig bereit erklärt, ihren Platz einzunehmen.

Die kolumbianische Nonne hatte vor ihrer Entführung 12 Jahre lang in Mali gelebt.

Ihre Gemeinschaft verwaltet in dem Land ein großes Gesundheitszentrum sowie ein Heim für etwa 30 Waisenkinder.

Anfang dieses Jahres durfte sie mit einer handschriftlichen Notiz, in der sie die Menschen bat, für sie zu beten, einen Beweis dafür liefern, dass sie noch am Leben ist.

In der 11-zeiligen Nachricht, die sie über das Rote Kreuz an ihren Bruder Edgar Narváez Argoti schickte, schrieb sie: "Ich sende allen meine herzlichsten Grüße. Möge der liebe Gott Sie segnen und Ihnen Gesundheit schenken. Ich war vier Jahre lang Gefangene und bin jetzt bei einer neuen Gruppe".

Sie identifizierte die Gruppe, die sie gefangen hielt, als Jama'at Nasr al-Islam wal Muslimin, eine islamistische Organisation in Westafrika und im Maghreb.

In ihrer Botschaft bat sie: "Mögen sie alle sehr viel für mich beten. Möge Gott sie alle segnen. Ich hoffe, dass Gott mir helfen wird, meine Freiheit wiederzuerlangen."

Mali wird derzeit von Goïta regiert, der innerhalb von neun Monaten zwei Putsche durchführte: Im August 2020 stürzte er den demokratisch gewählten Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta und im Mai dieses Jahres die Interimsregierung, die die Übergangsregierung des Landes führen sollte.

Nach dem Staatsstreich vom 24. Mai ernannte das malische Verfassungsgericht Goïta zum Übergangspräsidenten von Mali, bis das Land Wahlen abhält.

Dieser Schritt wurde von katholischen Führern im Land kritisiert, die ihn als "Machtergreifung außerhalb des legalen Prozesses" bezeichneten.

Mali hat mit einem islamistischen Aufstand zu kämpfen, der 2012 im Norden des Landes begann und sich auf Burkina Faso und Niger ausbreitete, was zu einem Anstieg der Entführungen führte.

Agenzia Fides berichtete im September 2020, dass die Mutter von Sr. Gloria im Alter von 87 Jahren starb, während sie auf die Freilassung ihrer Tochter wartete.

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