Neue Briefe von Benedikt aufgetaucht: Sorge über Zustand der Kirche

Papst emeritus Benedikt XVI. im Sommer 2017.
Foto: EWTN / Paul Badde
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Tiefe Sorge über die Kirche und Anmerkungen zum eigenen Rücktritt: Über einen aufsehenerregenden, bislang unbekannten Briefverkehr von Papst emeritus Benedikt mit einem deutschen Kardinal berichtet die "Bild"-Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe. 

Die Schreiben sind vom November 2017, erklärt darin Reporter Nikolaus Harbusch. In Auszügen veröffentlichte das Blatt die Korrespondenz. 

Darin antwortet Benedikt auf den Vorwurf, die Kirche sei durch seinen beispiellosen Rücktritt in eine schwere Krise geschlittert: 

"Den tief sitzenden Schmerz, den Ihnen mit vielen anderen das Ende meines Pontifikats zugefügt hat, kann ich sehr wohl verstehen".

Aber der Schmerz sei bei manchen zum Zorn geworden, der nicht mehr bloß den Rücktritt betrifft, sondern auch die Person Benedikt und dessen Pontifikat einbeziehe, schreibt der Papst emeritus.

Auf diese Weise werde "ein Pontifikat selbst entwertet und in die Trauer über die Situation der Kirche von heute eingeschmolzen", so Benedikt laut "Bild"-Bericht.

Auch der "Catholic Herald" berichtet über das Schreiben und glaubt den Adressaten zu kennen: Kardinal Walter Brandmüller. "Die Bezeichnung 'papa emeritus' hat es in der gesamten Kirchengeschichte noch nie gegeben", soll Brandmüller dem zurückgetretenen Papst vorgeworfen haben. Daraufhin sei Benedikt sehr deutlich geworden und habe geschrieben:

"Mit der Bezeichnung 'papa emeritus' habe ich versucht eine Situation zu schaffen in der ich für die Medien absolut nicht erreichbar bin und in der klar wird, dass es nur einen [regierenden; Anm. d. Red.] Papst gibt. Wenn Sie einen besseren Weg wissen und daher glauben, den von mir gewählten verurteilen zu können, so sagen Sie es mir bitte."

(Hinweis: Dies ist die Übersetzung des Zitates aus Bericht des "Catholic Herald")

Weiter fügte Benedikt XVI. an, dass es nicht sinnvoll gewesen wäre, einfach in den Kardinalsstand zurückzukehren, da die Leute in ihm weiterhin den ehemaligen Papst sähen. In einem zweiten Brief, der nun ebenfalls öffentlich wurde, brachte der emeritierte Papst zudem seine Sorge zum Ausdruck, dass nach seinem Rücktritt eine Stimmung erzeugt werden könne, in der eines Tages mehrere zurückgetretene Päpste die Autorität des Heiligen Stuhls verwässern könnten. 

In einem von "Bild" gezeigten Papierausschnitt sind am Schluss noch folgende Worte Benedikts an seinen Adressaten zu lesen:

"Beten wir lieber darum, wie Sie es am Ende Ihres Briefes getan haben, dass der Herr seiner Kirche zu Hilfe kommt.“

Bekanntlich hatte Benedikt XVI. bereits bei seinem Amtsantritt gesagt: "Betet für mich, dass ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe", so die "Bild"-Zeitung, und erinnert an die - bei CNA Deutsch veröffentlichte - Rede von Erzbischof Georg Gänswein über das "Nine-Eleven" der katholischen Kirche.

(Letztes Update: 20. September 2018 15:03 Uhr mit neuen Informationen)