Neuer Bischof von Chur: "Es wird kein Bistum Zürich geben"

Joseph Bonnemain
Foto: Bistum Chur

Der neue Bischof von Chur, Joseph Bonnemain, hat der Idee, ein neues "Bistum Zürich" zu gründen, eine Absage erteilt. Die Region um die Stadt Zürich gehört zum Bistum Chur: Die Diözese umfasst neben dem Kanton Zürich auch die Kantone Graubünden und Schwyz. Die Bischofskirche Mariä Himmelfahrt steht in Chur.

Verschiedene Gruppierungen hatten sich schon früher dafür stark gemacht, Zürich abzukoppeln und ein eigenes Bistum zu gründen. Dem widersprach nun der neugewählte Churer Bischof Joseph Bonnemain in einem Interview mit der Zeitung "Schweiz am Wochenende". Darin sagte der Hirte wörtlich:

"Wir brauchen nicht ein Bistum Zürich, sondern einen Bischof von Chur, der oft in Zürich wirkt."

Dass er als Bischof dennoch häufig in Zürich präsent sei, sei für ihn selbstverständlich, so Bonnemain. "Aber ein eigenes Bistum? Denken Sie nur, das braucht ein Ordinariat, eine Hochschule, ein Seminar, eine Bistumsleitung. Und all das zu verdoppeln, das macht wenig Sinn", erklärte der Bischof weiter.

Vorstellen könne er sich jedoch ein Bistum "Chur-Zürich", das neben der Bischofskirche in Chur eine Zweitkathedrale in Zürich hätte.

Konflikte im Bistum Chur

Das Bistum Chur befindet sich nach Ansicht des kürzlich zurückgetretenen Pressespreches Giuseppe Gracia in einem "Richtungsstreit". "Leider geht es, wie in vielen Diözesen, heute mehrheitlich um Probleme der Institution", so Gracia in einem Interview mit CNA Deutsch. Die "Streitigkeiten bezüglich Ämter und Strukturen" hätten einen "institutionellen Narzissmus" offengelegt, so der frühere Bistumsmitarbeiter (2011-2021).

Auch vor der Wahl des jetzigen Bischofs Joseph Bonnemain hatte es - wie CNA Deutsch berichtete - Unruhen gegeben. Diese endeten nach der Wahl Bonnemains jedoch nicht.

Bonnemain, der Mitglied der Personalprälatur "Opus Dei" sei, soll Beobachtern zufolge Verfechter des Modells der Landeskirchen sein. Von diesem erhoffen sich Unterstützer eine größere Unabhängigkeit vom Vatikan. Kenner aus dem Umfeld beschreiben den Kleriker zudem als einen "Anwalt des Kirchensteuersystems", der sich am "gesellschaftlichen Mainstream" orientiere, "um politisch mehrheitsfähig zu bleiben".

Schon länger ist von einem ideologischen Kampf innerhalb des Bistums die Rede, in dem es auch um die Zukunft des Schweizer Kirchensteuersystems geht. Vor der Wahl Bonnemains sagte ein Insider gegenüber CNA Deutsch:

"Man hofft, das Kirchensteuersystem retten zu können, indem man Zeitgeist-Politik macht. Es sollte zukünftig niemanden mehr geben, der den gesellschaftlichen Anpassungskurs der Deutschschweizer Bischöfe sowie Äbte und der Vertreter des staatskirchenrechtlichen Systems stört."

Mittlerweile haben zudem die Austrittszahlen in der Gesamt-Schweiz einen neuen Negativ-Rekord erreicht. Von den insgesamt 8,5 Millionen Einwohnern bekennen sich 3,1 Millionen Schweizer zur Katholischen Kirche. Am 19. November 2020 wurde bekanntgegeben, dass 2019 insgesamt 31.772 Mitglieder die Kirche verlassen haben. Dies ist eine Steigerung zum Vorjahr, als insgesamt 25.366 Katholiken ihren Austritt erklärt hatten.

Weitere Hintergründe zur Kirchenkrise in der Schweiz sowie eine Analyse des dortigen Kirchensteuersystems lesen Sie hier.

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