Papst betet für das "geliebte und gequälte" Syrien, ruft zu Dialog auf

Rauch steigt auf über der syrischen Stadt Tel Abyad an der Grenze zur Türkei am 13. Oktober 2019
Foto: Burak Kara/Getty Images
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Zur gleichen Zeit, zu der vom NATO-Partner Türkei kontrollierte Kämpfer den fünften Tag ihrer Angriffe auf kurdische Milizen im Nordosten Syriens fortsetzten, hat Papst Franziskus zum Dialog aufgerufen.

"Meine Gedanken gehen wieder einmal in den Nahen Osten. Insbesondere an das geliebte und gequälte Syrien, aus dem wieder dramatische Nachrichten über das Schicksal der Menschen im Nordosten des Landes kommen, die gezwungen sind, ihre Häuser wegen militärischer Aktionen zu verlassen", sagte der Papst auf dem Petersplatz am 13. Oktober.

"An alle beteiligten Akteure und an die internationale Gemeinschaft appelliere ich erneut, sich aufrichtig auf dem Weg des Dialogs zu engagieren, um nach wirksamen Lösungen zu suchen", fuhr Franziskus fort.

Der Pontifex zeigte sich besorgt über die vielen christlichen Familien unter den betroffenen Bevölkerungsgruppen in Syrien.

Vor dem Bürgerkrieg und der Terror-Herrschaft des Islamischen Staates gab es im Nordosten Syriens schätzungsweise 130.000 Christen. Laut der renommierten Organisation "In Defense of Christians", einer Menschenrechtsgruppe mit Expertise in der Region, gibt es in diesem Gebiet mittlerweile noch 40.000 Christen.

Kurdistan ist ein heftig umkämpftes Gebiet in Teilen Irak, in der Türkei, Syrien, Armenien und im Iran. Kurdische Nationalisten in der Türkei waren der Mittelpunkt der anhaltenden Unterdrückung der Regierung, und einige kurdische Milizen gelten der zunehmend islamistisch agierenden türkischen Regierung als "terroristische Gruppen".

Die USA – ebenfalls NATO-Partner – haben sich dagegen mit kurdischen Milizen in ihren langwierigen Kampagnen gegen den islamischen Staat im Irak und in Syrien verbündet.

Am 6. Oktober kündigte das Weiße Haus an, dass die türkischen Streitkräfte einige "Sicherheitsaufgaben" in Nordsyrien übernehmen würden und dass Amerika seine Truppen abziehen werde. Die Ankündigung hat vor allem bei den Kurden in Nordsyrien und im Irak große Besorgnis ausgelöst, und einige Menschenrechtsanwälte haben die Regierung von Donald Trump beschuldigt, kurdische Verbündete verraten und verlassen zu haben, während sie Washington gleichzeitig eine türkische Militäroffensive sanktioniert habe.

Nach der Ankündigung der USA zogen türkische Streitkräfte nach Syrien ein, mit dem erklärten Ziel, kurdische Streitkräfte in Syrien abzuwehren, die als Bedrohung für die türkische Sicherheit wahrgenommen wurden, und einen Raum innerhalb Syriens zu schaffen, in dem zwei Millionen syrische Flüchtlinge, die jetzt in der Türkei leben, untergebracht werden können.

Das syrische Observatorium für Menschenrechte hat behauptet, dass neun Zivilisten, darunter eine Politikerin, von türkisch unterstützten Milizen auf einer Straße im Norden Syriens am 12. Oktober getötet wurden. In einigen Berichten heißt es, dass auf beiden Seiten der Grenze bis zu 50 Zivilisten gestorben sind.

Nach fast einer Woche der türkischen Offensive haben die kurdisch geführten "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF) gesagt, dass sie nicht mehr in der Lage sein werden, die Bewachung der Gefängnisse zu gewährleisten, in denen Tausende von IS-Kämpfer einsitzen. 950 IS-Anhänger flohen aus dem Lager Ain Issa am 13. Oktober, sagte der SDF zusammen mit anderen Gefangenen.

Papst Franziskus betete für das syrische Volk vor dem katholischen Mittagsgebet des Engels des Herrn, direkt nach der Heiligsprechungsmesse von St. John Henry Newman und vier weiteren Heiligen.

Übersetzt und redigiert aus dem englischen Original.

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