Papst betet mit Tausenden für die Opfer von Nizza

Papst Franziskus im Vatikan am 3. April 2014
Foto: CNA/Daniel Ibanez

Gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen hat Papst Franziskus am heutigen Sonntag für die Opfer des Terror-Anschlags von Nizza gebetet, bei dem über 80 Menschen ums Leben kamen, darunter 10 Kinder.

Auch in den Kirchen Frankreichs und anderer Länder wird am heutigen Tag ihrer gedacht.

"Der Schmerz über das Massaker ist in unseren Herzen lebendig", sagte der Papst in seiner Ansprache nach dem Angelus, dem täglichen katholischen Mittagsgebet. Er beklagte die Ermordung "so vieler unschuldiger Leben, sogar von Kindern". 

Der Papst drückte seine Nähe zu "jeder Familie, und der gesamten französischen Nation, die in Trauer ist" aus. 

"Möge Gott, der gute Vater, alle Opfer in seinem Frieden willkommen heissen, die Verletzten bestärken, und Trost den Familien spenden", sagte er.

Franziskus betete auch, dass "jeder Plan für Terror und Tod" zerstreut werde und so weiterem Blutvergießen vorgebeugt.

In frei gehaltener Rede sagte der Papst, er umarme väterlich und brüderlich alle Einwohner Nizzas, und die ganze französische Nation.

Abschliessend lud der Papst die versammelten Menschen ein, mit ihm gemeinsam einen Moment der Stille im Gebet zu verbringen, im Gedenken der Opfer des Blutbades und ihrer Angehörigen. Dann beteten alle gemeinsam ein Gegrüßet seist Du, Maria.

Ein tunesischer Mann, Mohammed Lahouaiej-Bouhlel, tötete am Abend des 14. Juli mit einem Lastwagen 84 Menschen – und verletzte dutzende weitere – auf der "Promenade des Anglais" in Nizza, berichtet die BBC.

Die dort versammelten Mengen hatte den französischen Nationalfeiertag begangen, der an den Sturm auf die Bastille erinnert und Frankreichs Unabhängigkeit feiert.

Der Angriff ist der dritte große Terror-Anschlag in Frankreich in weniger als zwei Jahren. Am 13. November 2015 wurden knapp 130 Menschen in einer Serie von Angriffen in Paris umgebracht. Im Januar des gleichen Jahres starben 12 Menschen beim Sturm von Islamisten auf die Redaktionsräume des Satiremagazins Charlie Hebdo.

Vor dem Angelus am heutigen Sonntag betrachtete der Papst die Lesung aus dem Tagesevangelium: Der Besuch Jesu im Haus der Schwestern Martha und Maria. 

Die kontemplative Maria, die Jesu Worte lauschte statt wie Martha sich hektisch um den Gast und seine Bedürfnisse zu kümmern, beschreibt der Evangelist Lukas (Lk 10,38-42):

Da kam Martha "zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen! Der Herr antwortete: Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden."

Die Anwesenheit des Gastes, "in diesem Fall Jesus", sei das wichtigste gewesen, sagte Franziskus. "Zu allererst muss ihm zugehört werden". Dies sei wichtiger, als sich um die anderen Dinge zu kümmern: Der Gast solle sich fühlen, als wäre er Teil der Familie. 

Weiter führte der Papst aus: "Wenn wir beispielsweise beten gehen, vor dem Kruzifix, und reden, reden, reden und dann gehen, dann hören wir Jesus nicht zu!" Doch Jesu zu lauschen, wie er direkt zu unserem Herzen spreche sei der Schlüssel, so der Pontifex. "Vergesst das nicht!"

Franziskus sprache auch über die Gastfreundschaft als "Werk der Barmherzigkeit", die in der heutigen Welt drohe, vernachlässigt zu werden. 

Egal ob es um private Verhältnisse oder etwa Einrichtungen wie Krankenhäuser gehe: "Wir sind immer im Stress und haben keine Zeit, zuzuhören", sagte Franziskus.

Er ermutigte die Gläubigen, darüber nachzudenken, ob sie sich genug Zeit nehmen, ihren Ehepartnern, ihren Kindern, ihren Großeltern, den Alten und anderen zuzuhören.

In der Fähigkeit, zuzuhören, stecke die Wurzel des Friedens.